Frankfurter Dom

Gegen den ehemaligen Frankfurter Stadtdekan Walter Adlhoch stehen Missbrauchsvorwürfe im Raum. Als erste Konsequenz hat die Limburger Caritas den Namen einer nach dem Verstorbenen benannten Einrichtung geändert.

Egal ob Beratung, Tagesstätte, oder Übergangswohnheim - in Limburg bietet die Caritas seit 1988 eine der zentralen Anlaufstellen für wohnungslose Menschen. Doch der Name der Einrichtung, unter der diese Dienste bisher angeboten wurden, ist vom Caritasverband Limburg mit sofortiger Wirkung geändert worden. Aus dem Walter-Adlhoch-Haus wurde schlicht die "Caritas-Wohnungslosenhilfe im Bezirk Limburg".

Die Umbenennung wurde nötig, weil gegen den namensgebenden, ehemaligen Frankfurter Stadtdekan Walter Adlhoch Missbrauchsvorwürfe im Raum stehen. In einem Folgeprojekt des Bistums Limburg zu sexuellem Missbrauch im Bistum durch katholische Geistliche, unter dem Titel "Betroffene hören - Missbrauch verhindern", wurde laut Caritas in Limburg auch ein Fall sexuellen Missbrauchs an einer damals Minderjährigen geschildert.

Diese Schilderungen lassen den Schluss zu, "dass es sich bei dem Beschuldigten um Walter Adlhoch handelt, auch wenn der Bericht keine Klarnamen enthält". Auch die FAZ spricht davon, dass die im Bericht genannten Daten Adlhoch "eindeutig" zuzuordnen seien. Sie hatte zuerst davon berichtet. Demnach drehen sich die Anschuldigungen um die Misshandlung einer damals 14-Jährigen im Jahr 1979.

Weder Bestätigung noch Dementi aus dem Bistum

Adlhoch, der bereits 1985 bei einem Autounfall starb, war von 1965 bis 1982 Stadtpfarrer und Stadtdekan von Frankfurt - und ein geschätzter und prominenter Geistlicher. Noch 2013 zu seinem 100. Geburtstag gab es im Frankfurter Haus am Dom ein Soiréee zum Gedenken an den Kleriker.

Auf Anfrage erklärte Stephan Schnelle, Sprecher des Bistums Limburg, dass er die Vorwürfe gegen Adlhoch zwar nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren könne. Aus Persönlichkeitsgründen seien in der Onlineversion des Berichts die Passagen mit den Namen der insgesamt 46 Beschuldigten geschwärzt worden. Im Bistum ist die Fassung ohne Schwärzungen zugänglich.

Adlhoch soll Minderjährige zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt haben

Wie die FAZ berichtet, ist in der online nicht verfügbaren Passage davon die Rede, dass sich 2011 eine mittlerweile volljährige Frau an den externen Missbrauchsbeauftragten des Bistums Limburg mit Vorwürfen gegen Adlhoch gewandt habe. Sie sei als Minderjährige nach den Vorbereitungen zur Erstkommunion von ihm in dessen Büro oder Sakristei mitgenommen worden.

Auf Empfehlung des Missbrauchsbeauftragten erhielt die Frau im Jahr 2011 eine Entschädigung von 12.000 Euro. Drei Jahre später, 2014, so zitiert die FAZ den Bericht, habe die Betroffene ihre Angaben gegenüber dem Missbrauchsbeauftragten ergänzt und erklärt, "dass sie 1979 von dem Beschuldigten zu einem Schwangerschaftsabbruch genötigt worden sei". Die Abtreibung vorgenommen habe ein mit Adlhoch befreundeter Arzt. Das Bistum sprach der Frau danach weitere 13.500 Euro zu.

Für den Bericht des Bistums hatten unabhängige und externe Juristen sowie eine Psychologin alle Personalakten des Bistums Limburg sowie bisher geheime Sonderakten seit 1947 ausgewertet. Die ältesten im Bericht erwähnten Fälle sexuellen Missbrauchs gehen auf den Zeitraum von 1947 bis 1956 zurück. Auch in der jüngsten untersuchten Periode von 2007 bis 2016 sei es laut Bericht zu missbräuchlichem Verhalten im Bistum gekommen.

Bericht der Staatsanwaltschaft übergeben

Die externe Projektbeobachterin, Claudia Burgsmüller, kommt zu einem vernichtendem Fazit: "Als Reaktion auf das - immer viel zu späte - Bekanntwerden von sexuellen Übergriffen erfolgt nicht etwa die Äußerung von Empathie mit dem missbrauchten Mädchen oder Jungen, (...) sondern vor allem die Angst vor öffentlicher Diskussion und Skandalisierung. Der Schutz der eigenen Institution war handlungsleitend."

Der Sprecher des Bistums erklärte, der vollständige Bericht mit Namen sei der Staatsanwaltschaft zur Prüfung übergeben worden. Zudem werde man beginnen, die insgesamt 61 Empfehlungen des Berichts abzuarbeiten. "Einige sind schnell umzusetzen, für andere brauchen wir etwas längeren Atem, weil dort kirchliches Recht tangiert ist, worüber das Bistum Limburg alleine nicht entscheiden kann", sagte Schnelle.

Mit dem Opfer sei man über den Missbrauchsbeauftragten in Kontakt. "Insgesamt geht es bei uns nun um einen Kulturwandel." Das fange damit an, dass Opfer nicht mehr als Bittsteller betrachtet werden dürften.