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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Standpunkt: Das Vertrauen ist nicht wieder hergestellt

Städtisches Klinikum Höchst in Frankfurt

Ein halbes Jahr nach den Enthüllungen über die Psychiatrie in Frankfurt-Höchst liegt ein dickes Gutachten über die Missstände vor. Entscheidend ist, wie die Patienten behandelt werden. Da ist der Chef der Psychiatrie selbst gefordert - der bisher nicht auftritt.

Nach dem Wallraff-Bericht vor einem halben Jahr war das Vertrauen in die Akut-Psychiatrie in der Klinik Frankfurt-Höchst… nein, nicht erschüttert, es war pulverisiert. Viele hätten ihre Verwandten, Freunde oder Bekannte vor der Station gewarnt, hätten ihnen gesagt: Da seid ihr nicht in guten Händen.

In der RTL-Dokumentation hat ein Team um den Journalisten Günther Wallraff ein Horrorbild der Psychiatrie entworfen: Patzige Pflegerinnen, Chefärzte, die sich für die Patientenvisite nur wenige Sekunden Zeit nehmen, und das alles in verdreckten und überfüllten Räumen.

Vertrauen ist nicht wieder hergestellt

Die Klinik, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen versprachen Aufklärung und haben am Mittwoch der Öffentlichkeit erste Ergebnisse präsentiert. Haben sie damit das Vertrauen in die Klinik wieder hergestellt? Nein, haben sie nicht.

Für alle, die aus welchen Gründen auch immer in die Akut-Station eingeliefert werden, zählen nur konkrete Verbesserungen. Da hat die Klinik zwar etwas vorzuweisen: Zum Beispiel einen zusätzlichen Untersuchungsraum für neu eingewiesene Patienten. Auch wird öfter geputzt, und alle Mitarbeiter bekommen Deeskalationstrainings, um mit angespannten Situationen besser umgehen zu können. Aber das reicht nicht.

Berater: Mitarbeitern fehlt es an gegenseitiger Wertschätzung

Offenbar werden in der Akut-Station noch immer manische Patienten, die schreien und aggressiv auftreten, gemeinsam mit depressiven Patienten untergebracht, die Ruhe brauchen und verletzlich sind. Die Wallraff-Reportage hat gezeigt, wie sehr manche Patienten darunter leiden. Und offenbar sind noch immer die Chefarzt-Visiten zu kurz und in der Ansprache zu sehr von oben herab, was auch der externe Berater der Landesregierung bemängelt.

Am meisten beunruhigt, was dieser Berater nur nebenbei erwähnt hat: Den Mitarbeitern der Klinik fehle es an gegenseitiger Wertschätzung.

Psychiatrie-Chef Grube soll sich äußern

Wie sollen Mitarbeiter, die sich gegenseitig nicht wertschätzen, freundlich und respektvoll mit Patienten umgehen? Hier müssten beim Chef der Psychiatrischen Klinik die Alarmglocken schrillen. Von diesem Chef aber hört man nichts.

Auch heute, bei der großen Präsentation vor der versammelten Presse, saß er nicht auf dem Podium: Michael Grube. Jener Arzt, der die Psychiatrie in Höchst seit vielen Jahren leitet und damit auch viele der Missstände verantwortet, die das Team um Wallraff aufgedeckt hat. Michael Grube soll endlich öffentlich zeigen und erklären, wie Patienten in der Akut-Psychiatrie in Höchst behandelt werden. Vorher ist kein neues Vertrauen möglich.

Sendung: hr-iNFO, 11.09.2019, 18.18 Uhr