Auf einem Tisch in einer Hausarztpraxis stehen Ampullen mit dem Covid-19 Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca.

Wegen möglicher Nebenwirkungen hat Deutschland die Impfung mit Astrazeneca gestoppt. Hessen setzte inzwischen alle Impftermine mit dem Präparat aus. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hält die Entscheidung für richtig.

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Nach dem vom Bund angeordneten Astrazeneca-Impfstopp hat auch Hessen die Impfungen mit diesem Präparat vorerst gestoppt. Wie das Innenministerium am Montagnachmittag mitteilte, wurden alle 28 Impfzentren angewiesen, die Impfungen mit dem Vakzin umgehend einzustellen.

150.000 Dosen bleiben vorerst auf Lager

Alle Impftermine mit Astrazeneca im Land werden demnach storniert. Ein Ministeriumssprecher sagte auf hr-Anfrage, es gehe um rund 30.000 Termine. Die Menschen würden sofort darüber informiert. Ihnen solle so schnell wie möglich ein neuer Termin mit einem anderen Impfstoff angeboten werden. Das Bundesministerium veröffentlichte ein FAQ zur ausgesetzten Impfung mit Astrazeneca.

In Hessen wurden dem Ministerium zufolge bisher 114.703 Personen mit Astrazeneca geimpft. 43 Menschen hätten die Corona-Zweitimpfung damit erhalten. Laut RKI wurden bisher 264.000 Dosen des Impfstoffs an das Land geliefert. Fast 150.000 bleiben nun vorerst auf Lager.

PEI: Weitere Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen

Am Mittag hatte das Bundesgesundheitsministerium angekündigt, die Impfung mit Astrazeneca auszusetzen und damit einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen zu folgen. Dieses teilte mit, es gebe weitere Meldungen in Deutschland von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung.

Das Institut halte weitere Untersuchungen des Impfstoffs deshalb für notwendig. Die Daten würden nun von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA weiter analysiert und bewertet.

Das Paul-Ehrlich-Institut wies darauf hin, dass Personen, die den Astrazeneca-Impfstoff erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen und beispielsweise unter starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen leiden, sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben sollen.

Virologe Stürmer: "Sicherheit geht vor"

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hält den Impfstopp für richtig. "Sicherheit geht vor. Vertrauen ist beim Impfen sehr wichtig", sagte Stürmer zu hessenschau.de. "Sollten sich die Fälle tatsächlich überproportional häufen, finde ich es gerechtfertigt, da genauer hinzuschauen."

Der nun erfolgte Stopp werde das Vertrauen in den Impfstoff sicherlich nicht fördern, so Stürmer: "Es wäre aber schlimmer, jetzt die Impfkampagne durchzuprügeln, um dann im Nachhinein festzustellen: Es gab doch Probleme mit dem Impfstoff." Der Vertrauensverlust sei daher das kleinere Übel als mangelnde Sicherheit.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 16.03.2021, 19.30 Uhr