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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mit der Akten-Beschlagnahmung sollen Beweise gesichert werden

Stephan Ernst und sein früherer Anwalt Frank Hannig (r.).

Der mutmaßliche Lübcke-Mörder Stephan Ernst hat zum Tathergang verschiedene Angaben gemacht. Das Frankfurter Oberlandesgericht will nun anhand der Akten seines Ex-Verteidigers herausfinden, welche Version stimmt.

Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) Akten des früheren Rechtsanwaltes des Hauptangeklagten Stephan Ernst sicherstellen lassen. Diese seien mittlerweile vom zuständigen Senat gesichtet worden, sagte eine OLG-Sprecherin am Mittwoch. Es handelt sich dabei um Dokumente des Dresdener Rechtsanwalts Frank Hannig, der im Juli als Verteidiger des mutmaßlichen Lübcke-Mörders abberufen wurde.

Hintergrund der Sicherstellung ist, dass Stephan Ernst in dem Verfahren mehrere Versionen zum Tatablauf geschildert hat. Das Gericht möchte nun mithilfe der Handakten klären, welche Tatversion zutrifft. Die vertraulichen Notizen des Rechtsanwalts Hannig über Gespräche mit seinem Mandanten Stephan Ernst sollen dem Gericht Klarheit darüber bringen, was in der Tatnacht tatsächlich geschehen ist. Zuerst hatte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) über das Thema berichtet.

Ernst beschuldigt Ex-Anwalt Hannig

Schon in der vergangenen Woche versuchte das Gericht mithilfe eines Mitarbeiters Hannigs herauszufinden, welche Version stimmig sein könnte. Welche Erkenntnisse sich das Gericht erhofft, sagte die Sprecherin zunächst nicht. Das weitere Verfahren bezüglich der Akten werde am Donnerstag in der Verhandlung erörtert.

Hannig spielt in dem Prozess eine besondere Rolle, weil er für seinen Mandanten Stephan Ernst Teile eines Geständnisses erfunden haben soll. Deswegen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Kassel gegen ihn.

Ernst wird vorgeworfen, im Juni 2019 den CDU-Politiker Lübcke auf dessen Terrasse in Wolfhagen aus einem rechtsextremen Motiv erschossen zu haben. In einem seiner drei Geständnisse beschuldigte Ernst den Mitangeklagten Markus H., den Schuss abgefeuert zu haben. Dies hat Ernst inzwischen widerrufen und erklärt, Hannig habe ihn zu der falschen Aussage gedrängt.

Sendung: hr-iNFO, 2.12.2020, 17.00 Uhr