Viele brenndene weiße Kerzen. Zwei Hände in Großaufnahme mit Streichhölzern, welche die Kerzen anzünden.

An diesem Sonntag sollen die Deutschen der Corona-Toten gedenken. Richtig Abschied nehmen von ihren Angehörigen konnten viele nicht - so wie Pascal Leiva aus Friedberg und Carmen Längin aus Maintal.

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Fast 80.000 Todesopfer starben in Deutschland bislang im Zusammenhang mit Covid-19, in Hessen rund 6.600. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat für diesen Sonntag zu einem deutschlandweiten Gedenken für die Corona-Toten aufgerufen, denn ihre Angehörigen konnten oft nicht richtig Abschied nehmen. Hier berichten zwei Betroffene, wie sie einen geliebten Menschen in der Pandemie verloren.

Pascal Leiva: "Sie sagte, wir sehen uns wieder"

Pascal Leiva ist 17 Jahre alt. Er will den Autoführerschein machen und arbeitet auf sein Fachabitur hin. Ein ganz normaler Jugendlicher, der in Friedberg (Wetterau) lebt. Doch Pascal und sein jüngerer Bruder sind seit dem 23. Januar Halbwaisen. Ihre Mutter starb an diesem Tag an den Folgen von Corona - mit 49 Jahren. Das habe sie völlig unvorbereitet getroffen, erzählt Pascal.

Pascal Leiva hat seine Mutter in der Pandemie verloren

"Ich dachte immer: Das Coronavirus gibt es und es ist gefährlich, aber nicht für mich. Und auch nicht für meine Familie. Mein Bruder ist gesund, mein Vater und meine Mutter auch, keiner hat eine Vorerkrankung, keiner raucht." Er habe daher keinen Grund zur Sorge gesehen, berichtet Pascal Leiva: "Ich ging davon aus, dass, wenn es irgendjemand von uns hat, er halt eine Grippe für zwei Wochen hat und fertig."

Anfang Dezember kam seine Mutter mit Atemnot ins Krankenhaus. Per Videoanruf machte sie ihren Söhnen Hoffnung, erinnert sich Pascal: "Sie hat gesagt: Wir sehen uns wieder. Das brachte mich zum Weinen." Der 17-Jährige erzählt ausführlich von jenen schweren Wochen, immer wieder bricht seine Stimme. "Ich weine eigentlich nicht so viel, aber wenn ich mich an diese Zeit erinnere, kommt alles wieder hoch."

Altar im Wohnzimmer

Die vergangenen Monate waren nicht einfach für Pascal Leiva. Er habe wochenlang Albträume gehabt, sagt er. Immer wieder macht er beim Erzählen eine Pause. Blickt zu dem Altar, den die Familie in ihrem Wohnzimmer zum Gedenken an die Mutter aufgebaut hat. Bilder zeigen eine lebenslustige Frau mit dunklen Locken.

Die Trauer hält knapp drei Monate nach ihrem Tod an. Doch es gebe inzwischen auch mal wieder gute Tage, berichtet Pascal.

Carmen Längin: "Ohne Corona wäre er nicht gestorben"

Auch Carmen Längin aus Maintal (Main-Kinzig) trauert. In ihrem Wohnzimmer steht das weiße Holzkreuz, das bis vor kurzem noch auf dem Grab ihres Vaters stand. Ihr Vater starb am 9. Dezember in einem Pflegeheim an Corona. Das hätte nicht so kommen müssen, denn eigentlich sei der 82-Jährige noch fit gewesen, sagt seine Tochter: "Er war halt alt. Aber er wäre ohne Corona definitiv jetzt noch nicht gestorben."

Carmen Längins Vater starb an den Folgen einer Covid-Erkrankung

Carmen Längin macht dem Pflegeheim schwere Vorwürfe. Wie habe es überhaupt dazu kommen können, dass ihr Vater trotz Quarantäne erkrankte, fragt sie. Sie habe ihm versprochen, für ihn da zu sein, wenn er sie brauche, erzählt sie.

Wunsch nach besserem Schutz in Pflegeheimen

Wegen der strengen Auflagen für Besucher sei sie aber erst ins Heim gekommen, als er schon nur noch schwer atmen konnte, sagt Carmen Längin: "Das fand ich sehr schlimm, weil ich immer zu ihm gesagt hatte: Ich lasse Dich nicht alleine. Und dann kam ich hin und konnte nicht mehr mit ihm sprechen. Man denkt ja, er höre einen, das redet man sich ein. Ob es wirklich so ist, weiß man aber nicht."

Carmen Längin sagt, sie könne sich langsam mit dem Tod ihres Vaters abfinden. Aber sie wünscht sich, dass Pflegeheime künftig besser gegen Ansteckungen unter ihren Bewohnerinnen und Bewohnern gewappnet sind. Das sollte aus ihrer Sicht eine Lehre aus der Pandemie sein.

Gedenktag? "Eine nette Geste"

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Den Gedenktag am Sonntag hält Carmen Längin eigentlich für eine gute Idee. Allerdings findet sie es noch zu früh dafür. Pascal Leiva sieht in der Initiative des Bundespräsidenten vor allem eine nette Geste: "Es ist ein Zeichen von Respekt, das kann man machen. Aber es bringt die Person, die man verloren hat, nicht zurück. Ein paar Minütchen Gedenken, und das war's dann wieder."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.04.2021, 19.30 Uhr