Bildcombo: Hochzeit/ Coronatest

Nach einem Corona-Ausbruch auf einer Hochzeitsfeier bei Kassel gestaltet sich die Nachverfolgung schwierig. Oberbürgermeister Geselle kritisiert "ignorantes Verhalten" und fordert eine grundsätzliche Einschränkung bei Privatpartys.

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hsk
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In Kassel steigen die Corona-Zahlen. Grund dafür ist offenbar eine Hochzeit im nahegelegenen Lohfelden, die Ende September stattfand. Mindestens 36 der 250 Gäste hätten sich infiziert, teilte die Stadt am Sonntag mit. Da die Mehrzahl der Gäste aus Kassel kamen, sei die Zahl der Corona-Fälle in der Stadt deutlich gestiegen.

Stadt: Nachverfolgung "schwierig und langwierig"

Die Ermittlung von Kontaktpersonen liefe weiterhin unter Hochdruck, sei aber "schwierig und langwierig", so die Stadt: Teils verhielten sich die Betroffenen unkooperativ gegenüber dem Gesundheitsamt, beim Veranstalter gäbe es "organisatorische Mängel", es habe falsche oder unvollständige Angaben zu Gästen gegeben.

Am Wochenende kletterte die Sieben-Tage-Inzidenz in Kassel auf 27,7. Ein weiterer Anstieg wird erwartet, da einige Test-Ergebnisse noch ausstünden. Die Stadt untersucht derzeit, inwiefern Neuinfektionen auf die Hochzeitsfeier zurückzuführen sind.

Geselle fordert Reduzierung bei Veranstaltungsteilnehmern

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sieht durch die Ignoranz Einzelner alle gefährdet: Es könne nicht sein, "dass einige wenige Unvernünftige durch ignorantes Verhalten die Rückkehr zu einem weitgehend normalen Leben unter Pandemie-Bedingungen gefährden", sagte er am Sonntag.

Geselle ist derzeit auch der Präsident des Hessischen Städtetages. Er nahm den Ausbruch bei der Hochzeit zum Anlass, grundsätzliche Konsequenzen zu fordern und die Teilnehmerzahl bei privaten und öffentlichen Veranstaltungen "ohne Genehmigungsvorbehalt" auf 30 Gäste zu reduzieren. Bisher liegt die Zahl der erlaubten Teilnehmer bei 250.

Größere Feiern mit mehr als 30 Menschen gingen dann nur noch mit viel Planung: "Für alles, was darüber hinausgeht, muss eine behördliche Genehmigung nach Vorlage eines Abstands- und Hygienekonzepts beantragt werden", sagte Geselle. In Nordrhein-Westfalen ist man am Sonntag bereits einen ähnlichen Schritt gegangen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erklärte, dass künftig nur noch 50 Personen bei Privatfeiern erlaubt sind.

Erstaufnahmeeinrichtung unter Qurantäne

Ein Corona-Ausbruch hatte am Wochenende auch eine Erstaufnameeinrichtung in Kassel getroffen: Alle 301 Bewohner wurden unter Quarantäne gestellt. Grund für den Ausbruch war offenbar eine ehrenamtliche Helferin, die vier Bewohner ansteckte, darunter ein Kind.

Alle Bewohner der Unterkunft sollen am Dienstag getestet werden. Bis dahin dürfen sie die Einrichtung nicht verlassen.

Auch Main-Kinzig-Kreis hat Probleme mit Feiern

Auch der Main-Kinzig-Kreis verzeichnet wegen privaten Feiern derzeit eine Zunahme der Fälle. Der Kreis steuert mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 29,2 Fällen auf die nächste Warnstufe zu. Die Zahl der Erkrankten könnte sich durch Folgeansteckungen noch weiter erhöhen, teilte das Gesundheitsamt mit.

Die Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler bittet die Bürger deswegen um mehr Achtsamkeit. "Corona ist ein echter Spaßverderber, ganz klar. Aber die Trotzreaktion kann nur sein: Jetzt ganz bewusst einige Dinge zu verschieben, um später all das nachzuholen mit den Menschen, die einem lieb sind", sagte Simmler.

In Offenbach gelten schon jetzt verschärfte Maßnahmen

Vor dem Hintergrund steigender Corona-Infektionszahlen hat die Stadt Offenbach bereits Hilfe von der Bundeswehr erbeten. Wie Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) dem hr am Sonntag auf Nachfrage sagte, habe er ein entsprechendes Amtshilfeersuchen unterschrieben. Ein Beauftragter der Bundeswehr nahm daraufhin bereits am Sonntag an der Sitzung des Verwaltungsstabs teil. Offenbach hat derzeit hessenweit mit 80,6 die höchste Inzidenz.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 12.10.2020, 16.45 Uhr