Illustration zur Reise der Klimaaktivistin von Glasow inklusive Route

Geschirrspülen bei Seegang, Delfine beobachten am Bug, über emissionsarmes Reisen debattieren: Klimaaktivistin Clara von Glasow berichtet von ihrer Reise mit dem Segelschiff zum UN-Klimagipfel - der nun gänzlich in den Sternen steht.

In sieben Wochen über den Atlantik segeln - diese Reise hat Anfang Oktober die Studentin Clara von Glasow aus Wiesbaden angetreten. Ihr Ziel: Gemeinsam mit 33 anderen jungen Klimaaktivisten wollte sie auf der Weltklimakonferenz Anfang Dezember in Chile sprechen und Lösungen für eine neue, möglichst ressourcenschonende und mit geringem CO2-Ausstoß verbundene Art des Reisens entwerfen.

Für hessenschau.de berichtet Clara von Glasow in einem Logbuch von ihrer Reise. Weil sich die Reisenden die meiste Zeit auf einem Segelschiff aufhalten, wo sie keinen Internetempfang hat, kann sie ihre Eindrücke und Schilderungen in Text und Bewegtbild nur auf den seltenen Landgängen ins hr-Funkhaus in Frankfurt schicken.

Am Mittwoch sagte Chile als Gastgeberland den UN-Klimagipfel kurzfristig ab. Trotzdem nahm das Segelschiff weiter Kurs auf Südamerika. Eine Fahrt zum neuen Gipfelort Madrid wurde verworfen. Das Schiff wäre nicht rechtzeitig in der spanischen Hauptstadt angekommen. So wird die Regina Maris am Montag, dem 11. November im brasilianischen Belem erwartet. Geplant ist, dass die Organisatoren der Reise eine Delegation nach Madrid schicken, um dort die Ideen der Klimaaktivisten zu präsentieren, die auf dem Segelschiff entworfen wurden.

Claras Logbuch

6. Oktober, Ärmelkanal

Die ersten Tage auf unserem Segelschiff "Regina Maris" waren sehr bewegt - wir hatten gerade in der Nordsee ziemlich starke Stürme, und viele von uns sind seekrank geworden. Mir ging es auch nicht immer super, aber zum Glück die meiste Zeit so gut, dass ich mich um die kranken Leute kümmern und meine Arbeiten an Bord weiter absolvieren konnte.

9. Oktober, westlich von Frankreich

Zum Arbeiten sind wir in verschiedene Schichten eingeteilt. Meine geht immer von 17 bis 21 Uhr. In der Schicht ist es unsere Aufgabe zu steuern. Wir bekommen einen bestimmten Kurs genannt, und eines der Mitglieder der Schicht - wir nennen sie auch Wache - ist dafür verantwortlich, den zu halten. Außerdem wurde unserer Gruppe die Aufgabe zugeteilt, die Toiletten zu putzen.

Videobeitrag

Video

zum Video 360-Grad-Video von der "Regina Maris": von der Koje bis zum Aufgang

Klimaaktivistin auf dem Segelschiff "Regina Maris" auf der Reise zum UN-Klimagipfel in Chile
Ende des Videobeitrags

Abgesehen von den Segelschichten haben wir auch Küchenschichten. An Bord ist eine Köchin, aber die Mahlzeiten müssen auch vorbereitet werden. Dafür sind drei Menschen zuständig. Wir spülen auch - das ist ziemlich lustig, weil wir uns dann zu dritt Musik anmachen. Es dauert aber auch lange, weil das Schiff die ganze Zeit in Bewegung ist.

Oft sind wir in einer ziemlichen Schieflage, mit jeder meiner Bewegungen muss ich dann die Bewegung des Schiffs ausgleichen. Daran habe ich mich aber gewöhnt. Auch die Leute, die am Anfang seekrank waren, können inzwischen gut mit dieser Bewegung leben. Ich stelle es mir sehr komisch vor, irgendwann wieder an Land zu gehen und komplett festen Boden unter den Füßen zu haben.

11. Oktober, nordwestlich von Spanien

Auch in unseren Schlafkammern ist es immer ein bisschen unruhig, und man muss sich festhalten - zum Schlafen ist das aber ganz schön, weil man so in die Träume geschaukelt wird. Meine Koje ist die obere in einem Hochbett, ich schlafe zusammen mit drei Niederländerinnen in einer Kammer.

Ich habe auch einen Lieblingsort an Bord: das Klüvernetz, ein Netz vorne am Schiff. Wir brauchen es, um die Segel einzupacken, wenn wir sie herunterlassen. Aber wenn gerade nichts zu tun ist, dürfen wir uns auch in dieses Netz legen. Wenn man Glück hat, und das hatte ich jetzt schon ein paar Mal, schwimmen Delfine vorne am Bug mit uns mit. Man liegt dann anderthalb Meter über diesen Delfinen und kann ihnen beim Schwimmen und Spielen zuschauen.

Videobeitrag

Video

zum Video 360-Grad-Video von der "Regina Maris": Chillen an Deck

Klimaaktivistin Clara von Glasow an Deck der "Regina Maris"
Ende des Videobeitrags

14. Oktober, entlang der portugiesischen Westküste

Seit fast zwei Wochen arbeiten wir auf der "Regina Maris" in einem Think Tank, in dem wir über die Zukunft des Reisesektors nachdenken. Die Zeit an Bord nutzen wir natürlich nicht nur, um aufs Meer zu schauen, sondern auch, um Ergebnisse zu produzieren. Wir alle reisen sehr gerne und haben viel vom Reisen profitiert. Und wir wollen, dass es in Zukunft einfacher ist zu reisen, ohne dem Planeten stark zu schaden.

Videobeitrag

Video

zum Video 360-Grad-Video von der "Regina Maris": Aktivisten stimmen den Eagles-Klassiker "Hotel California" an

Klimaaktivisten an Bord der "Regina Maris" singen "Hotel California"
Ende des Videobeitrags

Im Moment befinden wir uns in der Phase der Problemanalyse, dafür haben wir uns in vier Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe kümmert sich um die Frage, wer die Menschen sind, die reisen. Eine andere schaut sich an, wer die Menschen sind, die nicht reisen - dabei geht es viel um Gerechtigkeitaspekte. Die dritte Gruppe betrachtet, welche Transportformen es gibt und welche nachhaltigen Alternativen zum Fliegen existieren. In meiner Gruppe kümmern wir uns darum, welche internationalen Richtlinien und Gesetze den Status quo des Reisens geprägt haben.

Im Moment schauen wir uns also an, wo in diesen Bereichen Probleme liegen. In der nächsten Phase wollen wir dann innovative und kreative Lösungsansätze finden, um den Status quo zu ändern.

Die Ergebnisse des Think Tanks werden wir auf der Welt-Klimakonferenz Anfang Dezember in Santiago de Chile vorstellen.

16. Oktober, Casablanca, erster Landgang

Das Schwanken vom Segelschiff überträgt sich auch auf meine ersten Schritte auf festem Boden seit zwei Wochen. Ich sende mein erstes Datenpaket an den hr.

17. Oktober, vor Marokko

Zurück auf dem Meer. Wir nehmen Kurs auf die Kapverdischen Inseln.

30. Oktober, Atlantik vor der Nordwestküste Afrikas

Welch ein Schock: Chile hat die Klimakonferenz wegen der anhaltenden Unruhen im Land kurzfristig abgesagt. Zwar müssen wir jetzt umdenken, aber unsere inhaltliche Arbeit auf dem Atlantik - gerade im Bezug auf nachhaltiges Reisen - wird das nicht beeinflussen.

31. Oktober, Kapverdische Inseln

Wir werden Kurs auf Brasilien nehmen, aber nicht wie ursprünglich gedacht nach Recife. Wir fahren nach Belém im Norden des Landes. Das liegt einerseits daran, dass eine recht große Gruppe innerhalb des Projekts ein weiteres Projekt im Amazonaswald hat.

Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die Klimakonferenz nun in Costa Rica oder Anfang des neuen Jahres in Bonn nachgeholt wird. Für diesen Fall haben wir vom Norden Brasiliens aus die besten Chancen, über den Atlantik zurückzusegeln und es noch zeitlich zu schaffen.

Wird fortgesetzt...

Protokolliert von Sophie Spelsberg.