Wiederaufbau nach der Jahrhunderflut im Ahrtal

Einen Monat nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz sind immer noch tausende Helfer aus ganz Deutschland im Einsatz, zahlreiche aus Hessen. Sie berichten von ungeahnter Zerstörung - und ersten sichtbaren Erfolgen.

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hessenschau vom 12.08.2021
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Mindestens 190 Menschen sind durch die Flutkatastrophe vor einem Monat in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ums Leben gekommen. Besonders schlimm hat es die Region im rheinland-pfälzischen Ahrtal getroffen. Doch es geht langsam voran: In einigen Orten haben die Menschen inzwischen angefangen ihre Häuser zu renovieren, die bei der Flut überschwemmt wurden. Sie reißen den Putz von den Wänden, die Stromkabel kommen raus, alles muss neu gemacht werden.

Andere Gebiete hat es noch schlimmer getroffen. Hier gibt es nichts mehr zu renovieren: Ganze Häuser und Straßen sind einfach verschwunden. Der Anblick schockt auch erfahrene Helfer wie Jürgen Christmann. Er ist Vizepräsident des Deutschen Roten Kreuzes in Hessen (DRK) und hat in über 40 Dienstjahren schon einige Hochwassereinsätze erlebt. "Dass da ganze Häuserzeilen verschwunden sind und in Schutt und Asche im Tal liegen, das habe ich aber noch nie gesehen."

DRK Hessen versorgt Menschen mit Trinkwasser

Rund 35 DRK-Helfer aus Hessen kümmern sich um die Trinkwasserversorgung im Ahrtal. Denn viele Haushalte haben auch einen Monat nach der Katastrophe weder Strom noch fließend sauberes Wasser. Also fahren die Helfer aus Hessen mit einem großen Tank-Laster voller Wasser in die Orte. Dann können die Anwohner sich bei ihnen Trinkwasser abholen. Und es gibt Container mit Waschmaschinen und Duschen. Ein kleines Stückchen Normalität mitten im Chaos.

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Wiederaufbau nach der Jahrhunderflut in Ahrtal
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Langsam aber sicher tut sich hier etwas, wie DRK-Vizechef Christmann beobachtet. "Als ich vor zwei Wochen hier war, war alles ein riesiger Berg aus Schutt. Jetzt gibt es bereits provisorische Brücken, und der Schutt ist beseitigt." Er ist sich sicher: "Irgendwie geht es nach vorne jetzt."

Hessische Helfer werden noch länger gebraucht

Vom Technischen Hilfswerk (THW) sind mehrere hundert Hessen im Einsatz. Die Aufgaben haben sich für sie in den vergangenen Wochen geändert. Am Anfang haben sie vor allem Trümmer weggeschippt. Jetzt geht es darum, die Infrastruktur nach und nach wieder aufzubauen. "Wir haben schon erste provisorische Brücken gebaut, damit die Menschen wieder von der einen auf die andere Seite des Flusses kommen", berichtet Michael Walsdorf, Sprecher des THW-Landesverbands. "Es geht weiter vorwärts, die Aufträge lassen nicht nach."

Er geht davon aus: Bis alles wieder aufgebaut ist und das Leben hier im Ahrtal wieder ganz normal läuft, könnte es noch Jahre dauern. Auch die hessischen Helfer von THW und Rotem Kreuz werden hier noch eine ganze Weile bleiben müssen. Unter ihnen Sebastian Beller, dem die Hilfsarbeit auch ein gutes Gefühl vermittelt: "Wir halten einfach zusammen, es wird an einem Strang gezogen", sagt er. Am Donnerstagabend sollte es für Beller erst einmal wieder zurück in die Heimat gehen. Doch nächste Woche will er wiederkommen - wenn seine Frau ihn lässt.

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