Das AfD-kritische Banner am Zaun
Dieses Banner gefiel anonymen Briefeschreibern nicht. Bild © Stadt Bensheim

Wegen eines AfD-kritischen Banners ist ein Bensheimer Unternehmer anonym beschimpft und seine Firma mit Buttersäure attackiert worden. Jetzt ruft die Stadt zu einer Kundgebung gegen Rechtspopulismus auf.

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Mehrere hundert Teilnehmer erwartet die Stadt Bensheim am Sonntag zu einer Kundgebung unter dem Motto "Herz statt Hass! -Bensheim zeigt Gesicht gegen Rechtspopulismus". Hintergrund der Veranstaltung sind anonyme Drohungen gegen den Geschäftsführer einer Firma für Werbematerialien.

Banner mit Bezug zu Gauland-Zitat

Der 43-Jährige, der sich nach Worten des Pressesprechers der Stadt, Matthias Schaider, schon länger für Flüchtlinge und gegen Rechtspopulismus engagiert, hatte im September am Zaun seiner Firma ein Banner mit der Aufschrift "Lieber ein Migrant als Nachbar als die AfD im Bürgerhaus" befestigt.

Damit bezog er sich auf ein Zitat des AfD-Bundessprechers Alexander Gauland. Dieser hatte in einem Interview über den dunkelhäutigen Nationalspieler Jerome Boateng gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

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Das AfD-kritische Banner am Zaun

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Auf das Aufhängen des Banners hin wurde der Eingangsbereich des Unternehmens von Unbekannten mit Buttersäure beschmiert. Zudem ging ein Schreiben ein, das dem Firmenchef vorschlägt, er solle die Geschäftsräume "platt machen" und an gleicher Stelle eine Flüchtlingsunterkunft oder eine Moschee errichten. Der Briefeschreiber, der sich als "Handwerker" und "ehemaliger Kunde" bezeichnet, schließt mit den Worten "Ich habe Sie genau im Blick."

"Erwarten Sie kein Mitleid"

Ein zweiter Brief, der wenige Tage später einging, war noch drastischer formuliert. Der Firmeninhaber solle kein Mitleid erwarten, wenn Mitglieder seiner Familie begrapscht oder vergewaltigt würden, hieß es darin. "Denn Menschen wie Sie sind mit verantwortlich, dass unsere Kriminalitätsraten sprunghaft in die Höhe schnellen.“ In dem Schreiben werden Migranten als "Horden" bezeichnet, deren "Schandtaten" die Politik unter den Teppich kehre.

Anonymer Drohbrief
Anonymer Brief Bild © Stadt Bensheim

Für Bürgermeister Rolf Richter (CDU) war damit eine Grenze überschritten. "Er hat sofort die Familie aufgesucht und ihr seine Unterstützung zugesagt", berichtete Schaider am Donnerstag hessenschau.de. Auch für die Veranstaltung am Sonntag habe sich der Bürgermeister angekündigt.

Polizei ermittelt gegen Unbekannt

Die Polizei ermittelt unterdessen wegen Sachbeschädigung und einer möglichen Bedrohung. Wegen des Ekels, den die Buttersäure hervorrufen könne, käme auch eine Körperverletzung in Betracht, sagte eine Sprecherin. Hierzu müsse aber ein Strafantrag gestellt werden, der bislang nicht vorliege.

Die Beamten erwarten einen friedlichen Verlauf der Kundgebung am Sonntagabend. Der Bensheimer Unternehmer hat das Banner an seinem Zaun inzwischen gegen ein anderes ausgetauscht. Darauf heißt es: "Lieber ne Meinung am Zaun als anonyme Hetze in der Post."