Die muslimische Kita Sonnenschein in Kassel

In Kassel hat am Montag die erste muslimische Kita der Stadt ihre Türen geöffnet. Die Eröffnung verzögerte sich immer wieder: Erst stand durch den Verfassungsschutz eine Nähe zu Salafisten im Raum, dann kam die Zulassung mit Auflagen.

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Audioseite Erste muslimische Kita in Kassel eröffnet

Ein Spielzeug-Zug steht im Aufenthaltsraum einer Kita in Offenbach.
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Die muslimische Kita "Sonnenschein" im Kasseler Stadtteil Nord-Holland hat am Montag die ersten jungen Gäste zur Eingewöhnung begrüßen können. Seit Jahren läuft das Projekt des Muslimischen Fördervereins für Erziehung, Bildung und Integration (Mebi). Zwischenzeitlich führte ein Bericht des hessischen Verfassungsschutzes dazu, dass der Kita-Betrieb auf der Kippe stand.

Verfassungsschutz: Indizien für salafistische Beeinflussung

Der Verfassungsschutz hatte 2019 Anhaltspunkte für eine mögliche "salafistische Beeinflussung" gesehen. Der Vorstand des Vereins wurde explizit von den Vorwürfen ausgenommen.

Der Mebi-Vorsitzende Fatih Erden kritisierte damals in der Zeitung HNA, dass ihm keine Informationen gegeben worden seien, welche Personen überhaupt im Verdacht stünden. Bei ihm sei der Eindruck entstanden, die Kita sei "politisch nicht gewollt", sagte er der Zeitung. "Wir sind keine Koranschule", sagte Erden, sie seien als "Extremisten abgestempelt" worden.

Im März vergangenen Jahres hatte dann auch das für die Zulassung der Kita zuständige Landesjugendamt noch Kritik. Möglicherweise sei die gesellschaftliche und sprachliche Integration der Kinder nicht gewährleistet, hieß es. Es wurde weiter geprüft.

Der Träger musste laut hessischem Sozialministerium sein Konzept in den Punkten gesellschaftliche Integration, Fortbildung der Mitarbeiter, Bildung eines Fachbeirats und Vernetzung im Stadtteil mit anderen Einrichtungen nachbessern. Im Sommer wurde dann endgültig die Betriebserlaubnis erteilt.

CDU: Entscheidungen "plötzlich auf den Kopf gestellt"

Die CDU äußerte sich kritisch zur Entscheidung. Erst habe es die Ablehnung gegeben, dann sei diese Haltung vom Ministerium mit der Zulassung "plötzlich auf den Kopf gestellt worden", sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kasseler Rathaus, Michael von Rüden, am Montag dem hr.

Nachvollziehbar sei das nicht, zumal zumindest bei der CDU keine Informationen vorlägen, welche genauen Auflagen denn nun erteilt worden seien. Der auf Antrag der CDU einberufene Akteneinsichtsausschuss der Stadtverordnetenversammlung in dieser Sache sei noch nicht abgeschlossen, die Betriebserlaubnis trotzdem erteilt. Rüden nennt das eine "Ohrfeige für unsere Kontrollrechte".

Halal-Ernährung und islamische Feiertage

Pünktlich zum Frühlingsanfang am Montag konnte die Kita "Sonnenschein" nun eröffnen, wegen Corona ohne Feier und zunächst mit nur einer Kita-Gruppe. Genug Bedarf gebe es, sagte der Vereinsvorsitzende Erden der HNA, künftig solle es mehr Gruppen geben. Die Kita habe einen muslimischen Schwerpunkt, bei der Anmeldung werde nicht nach der Religion gefragt. Der Glaube mache vielleicht fünf Prozent im Kita-Alltag aus, erklärte Erden.

Die islamischen Feiertage würden begangen, dazu gebe es Halal-Ernährung, also Essen, das nach Vorgaben des Koran erlaubt ist. Die Kita Sonnenschein ist nicht die einzige hessische Kita mit islamischer Ausrichtung, auch in Frankfurt und Wiesbaden gibt es ähnliche Kitas, die auch für Kinder aller Religionen offenstehen.

Sendung: hr4, 02.03.2021, 17.30 Uhr