Das AWO-Logo vor einem Haufen Euo-Scheine

Ihren bisherigen Geschäftsführer Ansgar Dittmar hat die AWO Hessen-Süd schon im Februar mit sofortiger Wirkung abberufen. Nun steht der Nachfolger fest. Der Bundesverband hofft auf ein Ende der Skandale.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ulrich Bauch wird neuer Geschäftsführer der AWO Hessen-Süd

Ulrich Bauch wird neuer Geschäftsführer bei der AWO Hessen-Süd.
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Viel zu hohe Gehälter, Nobelklasse-Dienstwagen, teure Reisen - bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt und Wiesbaden lag in den vergangenen Jahren einiges im Argen. Nun hat der Bezirk Hessen-Süd des Sozialverbandes nach eigenen Angaben einen neuen Geschäftsführer berufen. Im September wird demnach Ulrich Bauch den Posten im Bezirk antreten.

Der 55 Jahre alte Mittelhesse ist Diplom-Verwaltungswirt. Bisher war er Bundesgeschäftsführer beim Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland, ebenfalls eine Wohlfahrtsorganisation. Davor leitete er die Bundesvereinigung Lebenshilfe in Berlin als Geschäftsführer.

Bundesverband begrüßt Ende der Berater-Ära

Der AWO-Bundesverband begrüßte den personellen Neuanfang. Der Bezirksverband sei jahrelang durch externe Berater geführt worden. Diese Ära könne mit dem neuen Geschäftsführer zu Ende gehen und der Bezirksverband sich so wieder an die Richtlinien der AWO halten, sagte Bundesgeschäftsführer Wolfgang Stadler.

Der Bezirksverband Hessen-Süd bestätigte auf hr-Anfrage, dass er bereits die Auflösung des Vertrages mit dem langjährigen Berater Torsten Hammann vorbereite. Hammann war selbst drei Jahre lang Chef des AWO-Bezirksverbandes und beriet seitdem für rund 200.000 Euro im Jahr die AWO weiter.

Bauch folgt auf abberufenen Dittmar

Der Vorstand des Bezirksverbandes Hessen-Süd hatte im Februar den bisherigen Geschäftsführer, den SPD-Politiker Ansgar Dittmar, mit sofortiger Wirkung abberufen. Ausschlaggebend war nach hr-Informationen seine Rolle als Vorstandsmitglied im Frankfurter Kreisverband. Unter seiner Aufsicht sollen dort über dubiose Tochterfirmen Veruntreuungen stattgefunden haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines möglichen Schadens in Millionenhöhe.

Der Bezirksverband wollte sich mit der Abberufung "deutlich von den Missständen bei den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden distanzieren", wie es damals in einer Stellungnahme hieß.

Aufarbeitung des Skandals bis Ende des Sommers

Als Konsequenz aus dem AWO-Skandal stellte die AWO bereits die Präsidien in Frankfurt und Wiesbaden neu auf. In Frankfurt geht man davon aus, dass zwischen 2015 und 2019 ein Gesamtschaden von etwa 4,5 Millionen Euro entstanden ist - unter anderem durch überhöhte Gehälter und Dienstwagen sowie ungerechtfertigte Spenden an den mit Frankfurt personell verflochtenen Kreisverband Wiesbaden.

Unter der Federführung der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) werden derzeit die wirtschaftlichen Entscheidungen der vergangenen Jahre aufgearbeitet. Nach hr-Informationen wird sie ihren Abschlussbericht Ende des Sommers vorlegen.

Sendung: hr-iNFO, 03.07.2020, 18.30 Uhr