Wiese mit Sitzmöbeln, die komplett unter Wasser steht

Erst Corona, jetzt das Hochwasser. Gerade erst sollte es öffnen, doch dann versinkt das Schwimmbad Herzhausen nach dem Unwetter im Schlamm. Die Freibadsaison ist gefährdet, aber der Zusammenhalt im Dorf ist groß.

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hs vom 07.06.2021
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Was für ein Reinfall. Vor wenigen Tagen saßen die Ehrenamtlichen des Schwimmbads von Dautphetal-Herzhausen (Marburg-Biedenkopf) noch auf der Sonnenterrasse und stießen darauf an, dass die Badesaison nun endlich losgehen kann. "Alles war perfekt vorbereitet", sagt die DLRG-Vorsitzende Lisa Wassermann. Doch nach der Sonne kam der Starkregen – und das Schwimmbad versank im Matsch.

Das Schwimmbad liegt eigentlich idyllisch. Entlang der Liegewiese verläuft ein kleiner Nebenfluss der Dautphe. Genau der wurde nun zum Verhängnis. Nach einem starken Wolkenbruch am Freitag trat der Bach über die Ufer. Mehrere Keller im Ort liefen voll. Und auch das komplette Schwimmbadgelände wurde von dunkelbraunem Matschwasser überflutet – inklusive Liegewiese, Kiosk und natürlich dem Becken selbst.

"Was blieb war Matsch und Schaden"

"So was habe ich noch nie erlebt", sagt Lisa Wassermann über das Hochwasser. Es sei ein reißender Fluss gewesen. "Und was blieb war ganz viel Matsch und Schaden". Für sie und die anderen vom Förderverein sei das ein Alptraum.

Besonders bitter: Das Schwimmbad habe erst dieses Jahr für viel Geld eine neue Technik bekommen. Auch im Maschinenraum habe das Wasser nun 1,5 Meter hoch gestanden, berichtet Wassermann. Ein Gutachter müsse noch klären, wie groß der Schaden an der Pumpe sei.

Menschen, die ein halbleeres Schwimmbad mit Schaufeln vom Matsch befreien

Unklar ist momentan auch, ob das Schwimmbad diese Saison überhaupt noch in Betrieb genommen werden kann oder ob das Unwetter zu viel zerstört hat.

Helfer aus dem Dorf: Vom Erstklässler bis zum Rentner

Am Wochenende pumpte die Freiwillige Feuerwehr direkt das Matschwasser aus dem Becken ab. Außerdem kamen bereits am Freitag zahlreiche Helferinnen und Helfer - unaufgefordert, erzählt Wassermann. Für viele Menschen im Ort sei das Schwimmbad quasi das Herzstück von Herzhausen. "Das ist hier im Sommer unser Zuhause."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schlammchaos - Freibad in Dautphetal abgesoffen

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Die Freiwilligen hätten stundenlang mit Händen und Schaufeln alles vom gröbsten Dreck befreit, so Wassermann. "Das ging vom Erstklässler bis zum Rentner." Es sei wichtig gewesen, den Schlamm möglichst schnell wegzuschaffen. "Der wäre sonst hart wie Beton geworden und hätte noch mehr Schaden angerichtet." Insgesamt seien rund 130 Menschen aus dem Ort gekommen, um zu helfen.

Überwältigt von der Unterstützung

Nachdem Lisa Wassermann angesichts der Verwüstung zuerst am Boden zerstört gewesen sei, habe die enorme Unterstützung am Wochenende und der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft sie völlig überwältigt. "Wenn das nicht so ein schlimmer Hintergrund wäre, würde ich sagen: Das war ein wunderschöner Tag."

Helferinnen im Becken mit Matsch und Eimern

Sie zeigt auf das klare Wasser, das inzwischen wieder in das leergepumpte Becken einläuft. Bis es voll ist, wird es noch rund 13 Tage dauern. "Da plätschert die Hoffnung", sagt sie.

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