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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Astrazeneca: Hessen storniert Großlieferung

Drei Fläschchen in Großaufnahme mit dem Impfstoff von Astrazeneca.

Hessen storniert eine schon geplante Großlieferung des Impfstoffs von Astrazeneca. Grund: Kaum ein Landkreis will das Serum noch abnehmen, die Nachfrage wird immer geringer.

Genau 122.400 Dosen "Vaxzevria", so der Produktname des Impfstoffs, sollte Hessen in der kommenden Woche vom Bund bekommen. Doch das Land hat die Astrazeneca-Lieferung ersatzlos abbestellt, wie das Innenministerium auf hr-Anfrage mitteilt. Denn das Serum liegt wie Blei in den Kühlregalen. Die Impfzentren bekommen es kaum noch verimpft.

Es sollte Teil zwei einer Großlieferung von rund einer Viertel Million Impfdosen sein. Teil eins war diese Woche in Hessen eingetroffen, hat aber bisher kaum Abnehmer gefunden. Im Landeslager liegen laut Ministerium rund 100.000 Dosen. Dazu kommen die Bestände der 28 Impfzentren. In den Kühlschränken dort schlummern insgesamt noch über 120.000 Dosen.

Keine Termine mehr für Astrazeneca-Erstimpfung

Das Land vergibt schon seit mehreren Wochen keine Termine mehr für Erstimpfungen mit Astrazeneca. Die Bestände waren zum größten Teil für Zweitimpfungen vorgesehen. Doch vergangene Woche hat die Ständige Impfkommission (StiKo) ihre Empfehlung geändert: Wer zuerst Vaxzevria bekommen hat, soll bei der Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff bekommen, also entweder Biontech/Pfizer oder Moderna. An diese Vorgaben sollen sich die Impfzentren halten.

Das Land hat den Landkreisen und kreisfreien Städten aber große Astrazeneca-Bestände für Sonderimpfaktionen angeboten. Doch viele Landkreise haben sich nach der geänderten StiKo-Empfehlung davon sofort verabschiedet. So hat etwa der Werra-Meißner-Kreis eine geplante Astrazeneca-Aktion gestoppt und plant auch keine weitere mehr. Auch der Landkreis Kassel will dieses Vakzin nicht mehr ordern.

Angekratztes Image wegen Nebenwirkungen

In anderen Kreisen laufen zwar Impfaktionen, aber nur schleppend. Der Kreis Darmstadt-Dieburg hatte 7.000 Dosen Vaxzevria für eine eigene Impfkampagne geordert. Doch das Darmstädter Echo meldet, der Kreis habe davon in drei Wochen erst 1.550 Dosen verimpft. Der Kreis erwäge, die übrigen Impfdosen ans Land zurückzuschicken, wird eine Sprecherin zitiert.

Der britische Impfstoff leidet schon seit Monaten an einem angekratzten Image. Die Wirksamkeit ist laut Studien nicht ganz so hoch wie bei mRNA-Impfstoffen. Außerdem waren seltene, aber schwere Nebenwirkungen bekannt geworden: Hirnthrombosen, die in einigen Fällen tödlich verliefen. Die Ständige Impfkommission änderte immer wieder ihre Empfehlungen für dieses Produkt, zuletzt am vergangenen Freitag, als sie grundsätzlich die Kreuzimpfung empfahl.

Bund hat fünf Millionen Dosen bestellt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sah darin zwar eine gute Nachricht für den Impfstoff und warb auf einer Pressekonferenz für die Kreuzimpfung. Doch offenbar ohne jeden Erfolg. Im Gegenteil: Von den 27.000 Astrazeneca-Impfungen in Hessen in den vergangenen sieben Tagen waren der Großteil Zweitimpfungen, die ja eigentlich gar nicht mehr empfohlen werden. Nur 2.800 Menschen konnten sich zu einer Erstimpfung mit dem Serum entschließen.

Möglicherweise warb Spahn auch deshalb für den Impfstoff, weil der Bund gerade eine Großlieferung des Stoffes von fünf Millionen Dosen erwartete. Laut Spahn will Astrazeneca sogar noch 30 Millionen weitere Dosen liefern. Deutschland wird diesen Impfstoff größtenteils dem UN-Programm Covax spenden, so wie es schon andere Länder getan haben, Schweden und Japan etwa.

 

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