Anwärterinnen in weißer Uniform.

500 Leute wollte die hessische Polizei zum September einstellen. Das wird wohl nichts. Viele Bewerber fallen durch - und laut Gewerkschaft schreckt auch Gewalt ab.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Polizei hat Nachwuchssorgen

Ein Polizist hält bei einer Polizeikontrolle einen E-Scooter-Fahrer an.
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In der hessischen Polizei gibt es nach Gewerkschaftsangaben derzeit Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen. Bilder von Gewaltattacken gegen Beamte wie jüngst auf dem Frankfurter Opernplatz und Berichte über Pöbeleien und Beschimpfungen hätten selbstverständlich Auswirkungen, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hessen, Peter Wittig.

Aber auch die Einstellungsvoraussetzungen und die unterschiedlichen Besoldungen innerhalb der Polizeien in Deutschland seien ein Grund. Die eigentlich zum September erhofften rund 500 Neueinstellungen werde man nicht erreichen. "Wenn wir bis dahin bei 400 angekommen sind, ist das schon gut", sagte Wittig. "Wir hinken ein bisschen hinterher."

Doppelt so viele Plätze wie vor zehn Jahren

Nach Angaben des Innenministeriums können 2020 insgesamt bis zu 1.100 Stellen besetzt werden. Einstellungstermine sind im Februar und im September. Die Zahl der zu besetzenden Stellen hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. 2010 wurden dem Ministerium zufolge noch 551 Frauen und Männer eingestellt.

Ausgewählt wird heute nur noch für den gehobenen Dienst. "Hierfür studieren die Polizeianwärterinnen und -anwärter an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung und müssen alle als Zulassungsvoraussetzung über eine Hochschulzugangsberechtigung wie beispielsweise Abitur, Fachabitur verfügen", teilte das Ministerium mit.

Die Hälfte schafft den Computertest

Beim Auswahlverfahren zur Zulassung zum Studium würden kognitive Fähigkeiten im Rahmen eines Computertests abgefragt. Zudem gebe es einen Sporttest und die kommunikativen Eigenschaften der Bewerber würden in einer Gruppendiskussion und einem Einzelinterview getestet.

Beim intellektuell kognitiven Test bestehe gut die Hälfte der Bewerberinnen und Bewerber, davon seien rund 80 Prozent beim Sporttest erfolgreich. Bei den kommunikativen Eigenschaften liege die Erfolgsquote dann bei rund 75 Prozent. "Wir haben eine Menge an Bewerbern, wollen aber auch die Voraussetzungen für den Polizeidienst nicht reduzieren."

Gut elf Prozent der Bewerber werden eingestellt

Alleine bei den gestaffelten Einstellungstests mit Rechtschreib- und Computerkenntnissen, sportlicher Eignung und persönlichen Interviews blieben schon eine Menge Bewerber auf der Strecke. 2019 bewarben sich nach Angaben des Innenministeriums 2.908 Frauen und 5.367 Männer bei der hessischen Polizei. 325 Frauen und 623 Männer wurden schließlich eingestellt - jeweils gut elf Prozent.

Andere, geeignete Kandidaten entscheiden sich der Gewerkschaft zufolge kurzfristig um. So sei zum Beispiel bei der Bundespolizei die Bezahlung für Einsteiger nach der Ausbildung höher. Da gebe es im gehobenen Dienst vom Kommissar bis zum Ersten Hauptkommissar erhebliche Unterschiede.

Polizisten raten ihren Kindern: "Mach das nicht"

Bilder wie jüngst am Frankfurter Opernplatz oder in Stuttgart, zunehmende Angriffe auf Einsatzkräfte und Pöbeleien gegen Polizisten seien auch ein Grund, die Polizeilaufbahn zu meiden. Lokale Befindlichkeiten würden für eine Bewerbung aber keine Rolle spielen. "Wenn ich Polizist werden will, schaue ich mir die Lage in ganz Deutschland an", sagte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Jens Mohrherr. Fragen seien: Wer biete den besten Schutz, wo gebe es das meiste Geld.

Die Gewalt gegen Einsatzkräfte sei ein Hemmnis. "Der Mensch in Uniform wird ja gar nicht mehr gesehen." Vor 10, 15 Jahren hat man sich Wittig zufolge noch keinen Kopf um Gewalt gemacht. Mittlerweile gebe es aber auch Ratschläge von Eltern, die Polizisten sind: "Mach das lieber nicht." Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) fordert schon seit geraumer Zeit härtere Strafen bei Attacken gegen Einsatzkräfte.

Sendung: hr1, hr1 am Mittag, 24.07.2020, 13.30 Uhr