Abgestellter Pesa-Zug im Bahnhof Rödermark-Ober-Roden (hinterer Zug)

Im Bahnhof Ober-Roden parkt die Deutsche Bahn nachts ihre Züge. Weil Heizaggregate stundenlang brummen, können Anwohner kaum ein Auge zutun. Der spezielle Zugtyp ist für Probleme bekannt.

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Abgestellte Züge im Bahnhof Ober-Roden
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Wer in die Nähe eines Bahnhofs zieht, sollte damit rechnen, dass vorbeifahrende Züge Lärm verursachen. Dass es aber auch Züge gibt, die im parkenden Zustand einen unerträglichen Dauerlärm machen, damit hatten die Anwohner am Bahnhof in Ober-Roden nicht gerechnet.

Seit knapp eineinhalb Jahren wohnen Michael und Gudrun Schäfer in einer Eigentumswohnung im Neubaugebiet im Rödermarker Stadtteil Ober-Roden (Offenbach). Das Haus steht direkt an den Gleisen und fast jeden Abend ab 20 Uhr ist die Abendruhe für das Ehepaar vorbei.

Abgestellter Pesa-Zug am Bahnhof Rödermark-Ober-Roden (hinterer Zug)

"Es gibt eigentlich kaum eine Nacht, in der wir durchschlafen können", klagt Gudrun Schäfer. Seit Februar vergangenen Jahres parkt die Deutsche Bahn abends Dieseltriebwagen des polnischen Herstellers Pesa auf den Gleisen direkt vor ihrem Gebäude. Und die verursachen ein Dauerbrummen, das selbst bei geschlossenem Fenster zu hören sei. "Das hört sich so an, als ob die ganze Nacht der Motor durchläuft", erzählt Michael Schäfer.

Fahrgastraum soll "angenehm warm" sein

Der Motor laufe aber nicht, erklärt ein Sprecher des DB-Regionalbüros Frankfurt auf Anfrage. Allerdings versorge die Bahn ihre Züge in Ober-Roden mit Fremdstrom, um die Heizaggregate zu betreiben. Der Grund: "Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, können Fahrgäste schon zu Betriebsstart in einen angenehm warmen Fahrgastraum einsteigen", erklärt ein Bahn-Sprecher schriftlich.

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hs
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Ab einer Temperatur von unter fünf Grad sei das Heizen nötig, so der Bahnsprecher. Doch auch im Sommer brummen die Züge, berichtet Anwohner Schäfer. Er vermutet, dass die Aggregate dann zur Klimatisierung angeschaltet werden. Dass man die Züge an einem anderen Ort parkt, sei wegen "verkehrsvertraglichen Kapazitätsforderungen" nicht möglich, so die Bahn.

"Als ob die ganze Nacht der Motor durchläuft"

Ein Argument, das Michael Schäfer nicht nachvollziehen kann. Denn manchmal würden statt der lauten Pesa-Fahrzeuge andere Züge dort geparkt, die keinen Lärm verursachen. "Das kommt zwar nur sehr selten vor, zeigt aber auch, dass es eine Lösung gäbe", so Schäfer. Im Verhalten der Deutschen Bahn sieht er reine Willkür.

Knapp 90 Wohnparteien aus dem Gebiet am Bahnhof sind von dem nächtlichen Lärm betroffen. Einige Nachbarn haben sich zusammengeschlossen, um etwas dagegen zu unternehmen. Doch weder bei der Deutschen Bahn, noch beim RMV oder der Stadt Rödermark haben ihre Beschwerden bisher etwas gebracht. Die Fahrzeuge seien durch das Eisenbahnbundesamt zugelassen, so die Antwort der Stadt. Deshalb könne man nichts dagegen unternehmen.

Pesa-Fahrzeuge machen häufiger Probleme

Wilfried Staub vom Fahrgastverband Pro Bahn kennt die Probleme der Pesa-Züge. "Wegen dieser Züge haben wir schon oft Gespräche mit der Bahn führen müssen, zum Beispiel wegen der Bremsanlage, der Elektronik und der Klimaanlage." Jetzt käme eben noch das Gebläse an den Heizaggregaten der Züge auf die Liste an Mängeln hinzu. "Dieses Gebläse ist bei dieser Serie extrem laut. Und hier muss sich die Bahn irgendetwas einfallen lassen."

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Anwohner in Ober-Roden sitzen in einem Wohnzimmer
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71 Pesa-Züge hat die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr in den Verkehr gelassen. Zehn davon wurden für die Dreieichbahn abgerufen, die zwischen Dreieich und Dieburg verkehrt und auch in Ober-Roden Halt macht. Mit den Zügen sei der Deutschen Bahn kein großer Wurf gelungen, findet Wilfried Staub. "Und alle, die die geordert haben - auch private deutsche Bahnbetreiber sagen: Nie mehr."

Softwareupdate und technischer Umbau

Familie Schäfer und die Nachbarschaft hoffen, dass der nächtliche Lärm bald ein Ende hat. Die Bahn hat angekündigt, die Heizaggregate der Züge bis zum Sommer technisch umbauen zu lassen. Sie sollen dann keinen Lärm mehr machen. Gudrun Schäfer ist aber noch skeptisch: "Seit einem Jahr ist nichts passiert. Ich glaube erst an Besserung, wenn ich nachts endlich wieder durchschlafen kann."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 26.02.2020, 19.30 Uhr