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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nabu empfiehlt nachhaltige Weihnachtsbäume

Mutter und Tochter tragen einen gekauften Weihnachtsbaum weg

Rund zwei Millionen geschmückte Weihnachtsbäume werden bald wieder in hessischen Wohnzimmern stehen. Viele stammen aus Plantagen und sind mit Umweltgiften behandelt. Der Naturschutzbund Hessen (NABU) ruft dazu auf, nachhaltige Weihnachtsbäume zu kaufen.

Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Für viele ist das undenkbar. Deshalb werden in diesem Jahr wieder Millionen Bäume in den Wohnzimmern landen. Die meisten dieser jungen Fichten und Tannen stammen aus Plantagen: sie sind mit Herbiziden, Pestiziden und Insektiziden gespritzt und mit Mineralstoffen gedüngt. Damit sollen die Bäume eine schöne Farbe und einen besseren Wuchs erhalten und garantiert ohne Läuse und Käfer im Wohnzimmer ankommen.

"Alles andere als nachhaltig", nennt das der NABU-Hessen. Der Naturschutzbund empfiehlt: wenn schon ein Weihnachtsbaum, dann bitte nachhaltig. Was das bedeutet, erklärt NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler.

hessenschau.de: Herr Eppler, wie sieht aus Ihrer Sicht der perfekte Weihnachtsbaum aus?

Gerhard Eppler: Die Weihnachtszeit bietet ja viele Möglichkeiten sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Das fängt an mit dem Kauf des Weihnachtsbaums. Der sollte ohne Pestizide, Herbizide, Insektizide und zusätzliche Düngung aufgewachsen sein. Gerade die Düngung mit Stickstoff kann das Grundwasser belasten.

Und der Baum sollte auch aus der Region kommen und nicht hunderte Kilometer transportiert worden sein. In diesen Fällen kann man von einem nachhaltigen Anbau sprechen. Einen Weihnachtsbaum in der guten Stube zu haben, der mit Insektiziden eingenebelt ist, das ist auch nicht besonders empfehlenswert.

hessenschau.de: Ist das denn ungesund, so einen gespritzter Baum im Wohnzimmer zu haben?

Gerhard Eppler: Man weiß nie, welche Reststoffe noch in den Bäumen sind. Schlecht sind die Insektizide aber vor allem für die Natur. Denn wir sollten überall auf Insekten und die Artenvielfalt Rücksicht zu nehmen. Deshalb ist es auf alle Fälle besser, ungespritze Bäume zu kaufen.

Gerhard Eppler Landesvorsitzender NABU Hessen

hessenschau.de: Im Trend liegen ja auch Weihnachtsbäume im Topf. Was halten Sie davon?

Gerhard Eppler: Die stammen aber meist aus Monokulturen und haben teils weite Strecken zurückgelegt. Und auch von einem Plastikbaum rate ich dringend ab. Wir haben doch schon genug Probleme mit Plastikmüll.

hessenschau.de: Wie erkenne ich eigentlich, ob es sich um einen nachhaltig produzierten Baum handelt?

Gerhard Eppler: Für nachhaltige aufgezogene Bäume gibt es verschiedene Siegel, an denen ich das erkennen kann: zum Beispiel von Demeter, Bioland oder Naturland, aber auch aus FSC-zertifiziertem Anbau. Der Staatswald Hessen ist mittlerweile FSC-zertifiziert, das heißt, wenn der Baum von Hessen-Forst kommt, dann hält er auch die Nachhaltigkeits-Bedingungen des FSC-Labels ein. Da kann man mit gutem Gewissen zugreifen. 

hessenschau.de: Wo bekomme ich diese Bäume?

Gerhard Eppler: Es gibt mittlerweile in vielen Baumärkten Bäume, die diese Labels haben. Man muss aber schon darauf achten, denn dort gibt es auch konventionelle Bäume. Ansonsten gibt es von Kassel bis Darmstadt Weihnachtsbaumverkäufe mit nachhaltig produzierten Bäumen. In Hessen gibt es mehr als 80 Verkaufsstellen, bei denen es zum Beispiel Bio-Weihnachtsbäume gibt.

hessenschau.de: Ist ein Bio-Weihnachtsbaum noch besser als ein nachhaltig aufgezogener Baum?

Gerhard Eppler: Nicht unbedingt. Die einzelnen Nachhaltigkeitssiegel sind unterschiedlich streng. Da ist es nicht so wichtig, ob der Baum nun ein Bio-Baum ist oder nicht. Hauptsache, er ist nachhaltig produziert. Das ist allemal besser als ein konventioneller Baum.

hessenschau.de: Und wie ist das mit Glitzerspray auf dem nachhaltigen Weihnachtsbaum?

Gerhard Eppler: Auf diese Sprays mit Glitzer oder Schnee sollte man grundsätzlich verzichten. Die enthalten in der Regel Plastikbestandteile. Und wir haben ja nun wahrlich genug Mikroplastik in unserer Umwelt. Außerdem ist der Baum dann auch nicht mehr kompostierbar. Zoos und Tierparks können besprayte Weihnachtsbäume auch nicht mehr an Tiere verfüttern, zum Beispiel an Elefanten.

Es gibt viele Möglichkeiten beim Weihnachtsbaumschmücken auf die Natur Rücksicht zu nehmen. Beim Schmuck etwa kann man vieles selber machen und bei der Beleuchtung gibt es stromsparende LED-Lichterketten.

hessenschau.de: Und was für einen Weihnachtsbaum holen Sie sich selbst nach Hause?

Gerhard Eppler: Dieses Jahr gibt’s bei uns gar keinen Baum. Wir haben ein bisschen Schmuck und ein paar Äste, das genügt.

Die Fragen stellte Marcus Narloch-Bode

Sendung: hr4 Mittelhessen, 02.12.19, 16.30 Uhr

Weitere Informationen

Tonnenweise Plastikmüll

620 Tonnen Plastik werden in Deutschland pro Jahr für die Verpackung von Weihnachtsbäumen verwendet, wie die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung GVM Mainz mitteilte. Jeder Baum wird in der Regel zweimal in ein Netz verpackt: für den Transport zum Händler und später für den Transport zum Kunden. Alternativen zum Plastiknetz könnten Baumwollnetze oder Sisal-Garn sein.

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