Corona-Bilder

Der Corona-Ausbruch nach einem Gottesdienst in Frankfurt hat Folgen: Hanau und der Landkreis untersagen eine schon genehmigte muslimische Stadion-Großveranstaltung. Bis zu 1.000 Besucher waren erwartet worden.

Die Vorbereitungen waren getroffen, die Veranstalter erwarteten bis zu 1.000 Menschen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion. Den politisch Verantwortlichen des Main-Kinzig-Kreises und der Stadt Hanau war das aber nicht mehr geheuer. In einer Dringlichkeitssitzung beschlossen sie deshalb: Ein geplantes Treffen zum Abschluss des muslimischen Fastenmomats am Sonntag erlauben sie doch nicht.

Die am Mittwochabend vom Gesundheitsamtes des Landkreises erlassene Genehmigung eines gemeinschaftlichen Gebets habe man widerrufen, heißt es in einer am Samstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von Stadt und Kreis. "Angesichts der jüngsten Entwicklungen beim Infektionsgeschehen in Hanau ist das Risiko zu groß", teilten Vize-Landrätin Susanne Simmler und Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) mit.

"Es wäre unverantwortlich"

Zuvor war bekannt geworden, dass sich bei einem Gottesdienst in einer Frankfurter Baptistenkirche am 10. Mai zahlreiche Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet mit dem Coronavirus angesteckt haben. Von mehr als 40 Fällen spricht das Frankfurter Gesundheitsamt inzwischen. Mindestens 16 von ihnen wohnen nach Angaben der Stadt in Hanau.

Das Infektionsgeschehen in der Region habe sich dadurch verändert. Es sei noch nicht abzusehen, welche Folgen die Ereignisse in Frankfurt für die Region hätten. "Vor diesem Hintergrund wäre es unverantwortlich, wenn in Hanau mehrere hundert Muslime zum gemeinsamen Fastengebet zusammenkämen", heißt in der Erklärung Simmlers und Kaminskys.

Konzept war schlüssig

Veranstalter im Herbert-Dröse-Stadion sollten der muslimische Arbeitskreis und verschiedene Hanauer Moscheegemeinden sein. Seit 1. Mai sind Gottesdienste und religiöse Veranstaltungen in Hessen unter strengen Auflagen wieder möglich. Angesichts der Werbung, die seit Freitag im Internet für die Veranstaltung gemacht worden sei, hatten die politisch Verantwortlichen aber nach eigenen Angaben die Sorge: Statt der zunächst eingeplanten mehreren hundert Besucher wären an die 1.000 Gläubige aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet gekommen.

"Die Teilnehmerzahl zu kontrollieren ist, vor allem auch bei der Anreise, nicht mehr möglich", heißt es in der Erklärung. Vize-Landrätin und OB betonen, dass die Veranstalter sehr wohl ein schlüssiges Konzept vorgelegt hatten. Alle vom Land vorgesehenen Hygienereglungen seien berücksichtigt worden. Durch die Infektionen nach dem Frankfurter Gottesdienst und die breite Bewerbung der Hanauer Ramadan-Veranstaltung habe sich "die Bewertungsgrundlage aber verändert".

Hoffnung auf das kommende Jahr

Über die Absage haben Landkreis und Stadt den muslimischen Arbeitskreis nach eigenen Angaben am Samstagmorgen sofort informiert. Die Entwicklung sei bedauerlich, weil die muslimischen Gemeinden schon sehr viel Arbeit in die Veranstaltung gesteckt hätten. "Wir hoffen sehr darauf, dass die Feierlichkeiten zum Ende des Ramadans im kommenden Jahr wieder wie gewohnt stattfinden können", sagte Hanaus Oberbürgermeister Kaminsky.

Die Fastenzeit des Ramadan endet an diesem Samstag. Dann hätte eigentlich ein dreitägiges Fest begonnen, das sogenannte Zuckerfest. Auf eine Feierlichkeit mit gemeinsamem Essen hatten die Veranstalter des Treffens im Dröse-Stadion wegen Corona aber ohnehin verzichtet.

Sendung: hr3, 23.05.2020, 21.00 Uhr