Neue Proteste gegen den A49 Ausbau

Auch wenn im Dannenröder Forst und im Herrenwald bei Stadtallendorf alle Bäume für den Ausbau der A49 gefällt sind - der Protest geht weiter. Im Wald haben sich wieder einige Ausbaugegner versammelt.

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Protest im Dannenröder Forst.
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"Vielleicht sind die Bäume auf der Schneise gefällt, aber der Widerstand geht weiter", sagt ein Sprecher der Aktivisten, der sich Hedwig nennt. Wie viele genau noch mit ihm vor Ort bei Temperaturen um den Gefrierpunkt campen, will er nicht sagen. Es seien weniger als bei den Räumungen von Oktober bis Dezember, aber "es sind auf jeden Fall noch einige hochmotivierte Menschen da".

Am Donnerstag waren laut Polizei Ausbaugegner "im unteren zweistelligen Bereich" und Beamte "im unteren dreistelligen Bereich" im südlichen Herrenwald unterwegs. Die Polizisten räumten Barrikaden und Zelte von der Trasse, die die Aktivisten in den letzten Tagen aufgebaut hatten.

Autobahnausbau soll noch im Frühjahr beginnen

Die meisten Aktivisten hätten sich wegtragen lassen oder seien sogar freiwillig gegangen. Eine Ausbaugegnerin habe aber bei der Räumung angefangen, die Einsatzkräfte zu treten. Beamte seien bei der anschließenden Festnahme zweimal von der Frau gebissen worden. Verletzt worden sei aber niemand. Gegen die Frau wurde einen Tag später Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der gefährlichen Körperverletzung erlassen, wie die Polizei Mittelhessen am Freitag berichtete.

Währenddessen gehen die Bauarbeiten auf der geplanten Trasse der A49 weiter. Die Baufirma ist derzeit dabei, die gefällten Bäume abzutransportieren. Danach werden dann Baumstümpfe und Wurzeln entfernt.

Die zuständige Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) rechnet damit, dass der eigentliche Autobahnbau "voraussichtlich im Frühjahr 2021" beginnen kann und 2024 abgeschlossen ist.

Lokaler und Internationaler Protest

Neue Proteste gegen den A49 Ausbau

Den Ausbaugegnern bleibt also noch viel Zeit für neue Protestaktionen: "Der Danni hat im ganzen Land seine Samen verteilt," sagt Aktivistensprecher Hedwig. "Die Menschen haben gemerkt: Wenn wir uns zusammenschließen, können wir einiges schaffen, und so sprießen jetzt überall im Land verschiedene Formen des Widerstandes auf." Mehrere Aktivisten hätten sich inzwischen zu anderen Protest-Orten aufgemacht.

Ein Teil der Aktivisten im Wald kommt aus unterschiedlichen Ländern Europas, zum Beispiel Spanien. Aber auch Menschen vor Ort kritisierten weiter den Ausbau in ihrer Nachbarschaft, sagt Aktivistensprecher Hedwig: "Wir haben immer noch Unterstützung von den Anwohnern und sind täglich im Gespräch mit ihnen, das hilft uns enorm." Trotzdem sei die Unterstützung aktuell nicht mehr ganz so groß wie während der Räumungen von Oktober bis Dezember.

Der andauernde Protest sorgt auch dafür, dass immer noch jeden Tag die Polizei im Einsatz ist. Friedliche Proteste außerhalb des gesperrten Trassenbreichs seien kein Problem, teilt die Polizei mit: "Wir tolerieren jedoch keine Verstöße der Ausbaugegner."

Wie viel der Einsatz bisher gekostet hat, will die Polizei nicht verraten. Die festgenommenen Ausbaugegner sollen sich aber daran beteiligen. Die Polizei prüft gerade, ob und wie das möglich ist.