Der neue Präsident der Goethe Universität Frankfurt, Enrico Schleiff

Der Molekularbiologe Enrico Schleiff wird neuer Präsident der Frankfurter Goethe-Universität. Der Wahl war gehöriger Ärger vorausgegangen. Die bisherige Amtsinhaberin zog ihre Kandidatur nach zwei Wahlgängen zurück.

Drei Wahlgänge hat es gebraucht, bis der Molekularbiologe Enrico Schleiff am Mittwoch als neuer Präsident der Frankfurter Goethe-Universität feststand. Stimmberechtigt waren 34 Mitglieder des Erweiterten Senats. Nach dem zweiten Wahlgang habe die amtierende Präsidentin Birgitta Wolff ihre Kandidatur im Interesse des Gesamtwohls der Universität und unter Betonung der eigenen Unabhängigkeit zurückgezogen, sagte ein Hochschulsprecher nach der Wahl.

Ungültige Stimmen erzwingen drei Wahlgänge

Vor der Wahl hatte die Abstimmung für viel Wirbel gesorgt. Mitglieder des Senats kritisieren, dass der Hochschulrat lediglich Wolff und Schleiff nominierte. Dabei hatten zwei weitere Professoren ebenfalls kandidiert. Einige Mitglieder des Senats hatten sich nach Informationen der FAZ dazu entschieden, aus Protest ungültige Stimmen abzugeben.

Das passierte dann in den ersten beiden Wahlgängen auch. Nach dem zweiten Wahlgang und einer einstündigen Aussprache zog Wolff ihre Kandidatur zurück. Wolff, einst Kultusministerin des Landes Sachsen-Anhalt, ist seit 2015 Präsidentin von Hessens größter Hochschule.

Birgitta Wolff, Präsidentin der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main

Im dritten Wahlgang bekam Schleiff dann 18 Stimmen - 16 Stimmen waren erneut ungültig. Schleiff, früherer Vizepräsident und Professor für Molekulare Zellbiologie der Pflanzen, beginnt seine sechsjährige Amtszeit nach der Ernennung durch den Hochschulrat am 1. Januar 2021. "Ich werde mit aller Kraft darauf hinwirken, die in den letzten Wochen in der Universität aufgetretenen Spannungen konstruktiv zu überwinden", sagte Schleiff nach seiner Wahl.

Ministerin Dorn wünscht "glückliches Händchen"

Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) wünschte Schleiff eine "glückliche Hand bei der Leitung der größten hessischen Universität". Als ehemaliger Vize-Präsident der Goethe-Universität habe er beträchtliche Erfahrung mit der Arbeit in den Gremien.

Dorn dankte der scheidenden Präsidentin, die sie nicht zuletzt bei den Verhandlungen über den Hessischen Hochschulpakt als konstruktive Gesprächspartnerin kennen- und schätzen gelernt habe.

Hochschulgruppen fordern Anpassung des Wahlverfahrens

Die Hochschulgruppen der Grünen und Jusos forderten am Mittwoch eine Veränderung des Wahlverfahrens. Der Hochschulrat dürfe nicht länger die Möglichkeit haben, das Verfahren mit nicht nachvollziehbaren Entscheidungen zu beschädigen, erklärte Anna Yeliz Schentke, studentische Senatorin der Grünen Hochschulgruppe. Der Hochschulrat bestehe qua Satzung nur aus Externen und werde nicht gewählt. Der Präsident oder die Präsidentin sollten von den Angehörigen der Universität bestimmt werden, der Hochschulrat in einen beratenden Beirat umgewandelt werden, so der Vorschlag von Grünen und Jusos.

Sendung: hr-iNFO, 8.07.2020, 18 Uhr