Philosophenweg
Besucher spazieren auf dem Philosophenweg, der mitten durch den Opel-Zoo in Kronberg führt. (Archivfoto) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Dem Opel-Zoo in Kronberg entgeht Eintrittsgeld, weil der öffentliche Philosophenweg mitten durch den Park führt. Seit Jahren wehren sich Anwohner gegen eine Sperrung. Ihren Ärger hat ein Beschluss der Stadt neu entfacht.

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Worum geht es bei dem Streit?

Der 900 Meter lange und öffentlich zugängliche Fußweg zwischen Kronberg und Königstein (beides Hochtaunus) führt mitten durch den Opel-Zoo. Für Fußgänger und Radfahrer ist er die kürzeste Verbindung zwischen den beiden Taunusstädten.

Zoo-Direktor Thomas Kauffels und der Träger des Tierparks, die "von Opel Hessische Zoostiftung", beklagen allerdings, dass sich Besucher einen Teil der Tiere kostenlos anschauen könnten. So würden dem Zoo wertvolle Einnahmen verloren gehen. Sie fordern deshalb seit Jahren, den Durchgang zu schließen. Dabei stießen sie bislang auf viel Widerstand.

Nun die Wende: Nach langem Streit stimmten die Stadtverordneten Kronbergs und Königsteins für die Umwidmung zu einem Privatweg. "Wir haben zwei Formen von Menschen, die den Weg besuchen. Das eine sind die Anwohner und die anderen, die kommen wegen dem Zoo hierher", sagt Leonhard Helm, Bürgermeister der Stadt Königstein. Er fordert die Bürger auf, Verständnis für den Zoo und seine Bedürfnisse zu zeigen. Der Opel-Zoo sei auf die Einnahmen angewiesen.

Wie sehen die Pläne aus?

Der Philosophenweg soll fortan nur noch für die Bürger von Kronberg und Königstein mithilfe einer Chipkarte begehbar sein. 60 Minuten haben die Anwohner Zeit, um die Strecke zu passieren - ohne Zahlung des Eintrittspreises. Wer länger braucht, muss den vollen Eintrittspreis zahlen. Verwandte und Freunde können den Weg nicht mehr nutzen.

Allerdings wird das System nur während der Öffnungszeiten des Zoos funktionieren. Das bedeutet: Eine Nutzung des Wegs morgens vor neun Uhr wird nicht mehr möglich sein. Auch im Winter nach 17 Uhr und im Sommer nach 18 beziehungsweise 19 Uhr kann der Weg nicht mehr betreten werden.

Einschränkungen gibt es vor allem für Jugendliche unter 15 Jahren. Laut Zoo-Ordnung dürfen diese nämlich nur im Beisein einer erwachsenen Aufsichtsperson das Zoo-Gelände besuchen. Wenn der Philosophenweg zum Privatweg umgewidmet wird, können unter 15-Jährige diesen nicht mehr alleine betreten. Für die Bürger der beiden Städte ist eine Vergünstigung vorgesehen: Sie sollen die Zoo-Jahreskarte zum halben Preis bekommen.

Wer wehrt sich gegen das Vorhaben?

Gegen die Einigung regt sich Widerstand. Die vor wenigen Tagen gegründete "Initiative Philosophenweg für Alle" möchte ein Bürgerbegehren in Königstein erwirken. Sie fordert, dass der historische Verbindungsweg weiterhin öffentlich zugänglich bleibt, auch außerhalb der Öffnungszeiten des Opel-Zoos.

Initiative Philosophenweg für Alle
Die "Initiative Philosophenweg für Alle" wirbt auf dem Wochenmarkt in Königstein für Unterschriften. Bild © Tobias Weiler

Die Initiatoren der Bürgerinitiative sagen, dass aktuell vor allem Schüler und Wanderer den Durchgang nutzen. "Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Leute den Weg nutzt, um einen Zoobesuch kostenlos zu bekommen", sagt Runa Hammerschmitt von der Bürgerinitative.

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Damit das Bürgerbegehren zu Stande kommt, müssen sich zehn Prozent der wahlberechtigten Königsteiner für einen öffentlichen Philosophenweg aussprechen. Das wären rund 1.100 Menschen. Bereits 2015 hatten sich knapp 1.300 Königsteiner an einer Unterschriftenaktion beteiligt.

Was entgegnen die Befürworter?

Zoo-Direktor Kauffels versteht die Aufregung nicht. "Es gibt einen Alternativweg, der ist jetzt bereits da und nur 42 Meter länger", sagt er. Dieser Weg sei genauso sicher wie der Philosophenweg, betont auch Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm.

Die Einwilligung Kronbergs allein reiche für das Vorhaben, erläuterte der Zoo-Direktor. "Das Übereinkommen mit Königstein ist nur dafür da, um das Ganze gut nachbarschaftlich zu lösen", sagt Kauffels. Damit sei ein Bürgerbegehren in Königstein für die Entscheidung gar nicht von Belangen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.06.2019, 19.30 Uhr