Seda Basay-Yildiz
Die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız Bild © picture-alliance/dpa

Die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız hat erneut ein Drohschreiben erhalten. Der Staatsanwaltschaft zufolge ist es wieder mit "NSU 2.0" unterschrieben. Laut einem Medienbericht deutet einiges auf Polizisten als Täter hin.

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Ein Aktenordner mit der Aufschrift "NSU-Ausschuss Hessen 19/2"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurter Anwältin wird erneut bedroht

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Nach Drohbriefen im August und Dezember vergangenen Jahres hat die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız ein weiteres ähnliches Schreiben erhalten. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte dem hr am Mittwoch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung - zumindest zum Teil. In dem Zeitungsbericht ist die Rede von mehreren Schreiben. Die Staatsanwaltschaft berichtete von einem Fax.

Laut SZ gibt es in dem oder den Schreiben mit rassistischen Schmähungen gegen die türkischstämmige Juristin neue Hinweise auf mutmaßliche Täter aus den Reihen der hessischen Polizei. Der Verdacht gründe sich auf der verwendeten Abkürzung HLKA für Hessisches Landeskriminalamt. Dies deute auf Insiderwissen hin. Aus Sicht der Ermittler sei der Gebrauch des offziellen Kürzels ungewöhnlich, heißt es in dem Bericht. Die meisten Bürger sprächen vom Landeskriminalamt als LKA.

SZ: mit Namen eines Polizeiausbilders unterschrieben

Auf eine Anfrage des hr hatte Seda Başay-Yıldız selbst am Dienstagabend zu dem Bericht über neue Droh-Faxe nur knapp zurückgeschrieben: "Stimmt alles nicht." Nähere Angaben machte sich nicht. Offenbar bezieht sich ihr Dementi auf Details des Zeitungsberichts, nicht auf die Tatsache eines nunmehr dritten Drohschreibens.

Laut SZ ist das neueste Drohschreiben mit einem konkreten Vor- und Nachnamen unterschrieben. Der Mann sei ein bekannter Polizeiausbilder, stehe aber nicht im Verdacht, tatsächlich der Verfasser des Faxes zu sein, schreibt die Zeitung. Die Staatsanwaltschaft dementierte, dass das Schreiben mit einem Namen unterschrieben sei. Es sei wie die vorherigen mit "NSU 2.0" unterzeichnet. Das Schreiben sei im Januar an Başay-Yıldız gegangen.

Zuletzt hatte die Anwältin kritisiert, dass sie nicht richtig über die Ermittlungen in ihrem Fall informiert wurde. Sie forderte ein hartes Durchgreifen gegen "rechte Strukturen" in der Polizei. Başay-Yıldız vertrat im Münchener NSU-Prozess die Familie des ersten NSU-Opfers Enver Şimşek aus Schlüchtern (Main-Kinzig). Außerdem vertrat sie mutmaßliche islamistische Terroristen.

Brisante Details in Drohschreiben

Im ersten Drohschreiben vom August wurde als Vergeltung für ihre Tätigkeit im Fall des Islamisten Sami A. in drastischen Worten damit gedroht, ihre zweijährige Tochter umzubringen. Im zweiten Schreiben vom Dezember richteten sich die Drohungen auch gegen ihre Eltern.

Brisant: Die Schreiben enthielten Informationen, über die nur Behörden verfügen, zum Beispiel ihre Adresse und der Name ihrer Tochter. Bei den Ermittlungen kam heraus, dass an einem Computer im 1. Polizeirevier in Frankfurt ohne Anlass eine entsprechende Abfrage erfolgt war, und zwar unmittelbar bevor das erste Schreiben als Fax abgesendet wurde.

Sechs Beamte wurden mittlerweile suspendiert. Gegen sie ermitteln Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt unter anderem wegen Volksverhetzung. Sie sollen in einem Chat verfassungsfeindliche und rassistische Fotos, Symbole und Inhalte getauscht haben. Das LKA äußerte sich zu dem Bericht über ein neues Drohschreiben und mögliche Hinweise auf Polizisten als Täter nicht.