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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nach den Osterferien: Wie geht es an den Schulen weiter?

Schüler und Schülerinnen testen sich in der Sporthalle selbst auf das Coronavirus.

Zurück in den Klassenraum - nach den Osterferien soll das mit flächendeckenden Selbsttests für viele Schüler und Schülerinnen wieder möglich sein. Doch während die Schulen sich darauf vorbereiten, ist das Ministerium inzwischen wieder skeptisch.

In gut eineinhalb Wochen sollen hessische Schüler und Schülerinnen wieder ganz oder teilweise in die Klassenzimmer zurückkehren. Wechselunterricht ab der siebten Jahrgangsstufe, eingeschränkter Regelbetrieb an Grundschulen - so lautet der Plan von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) für die Zeit nach den Osterferien. Möglich machen soll das eine Testoffensive an den Schulen. Oben auf den Lernplan steht dann: Wie teste ich mich selbst auf das Coronavirus?

Damit die Selbsttests auch wie geplant am 19. April anlaufen können, bereiten sich die Schulen derzeit unter Hochdruck vor. An zwei Schultagen pro Woche sollen sich die Kinder und Jugendlichen künftig unter Anleitung und Begleitung durch Lehrkräfte freiwillig vor Ort testen.

Straßensystem und gemeinsames Testen

Am Martin-Niemöller-Gymnasium in Wiesbaden werde es dafür im Klassenzimmer ein Straßensystem geben, erklärt Schulleiter Kai Hertrich. Schülerinnen und Schüler sollen sich zu Beginn des Unterrichts nacheinander beim Betreten des Raums zuerst ihre Hände desinfizieren und dann das Testkit für den Selbsttest mit an den Platz nehmen. Gestartet wird gleichzeitig. Die Fenster müssen geöffnet sein, die Abstände zueinander eingehalten werden.

"Das geht dann ruckzuck, die Maske wird kurz runtergeschoben, das Stäbchen wird in beiden Nasenlöchern mehrmals gedreht, vorher wird das Verfahren von dem Lehrer gut erklärt und dann ist die Maske wieder oben und es wird gewartet", sagt Hertrich. Anschließend kommt der Tupfer in eine Lösungsflüssigkeit. Nach 15 Minuten ist das Testergebnis da.

Ministerium zweifelt an Umsetzung

Positiv geteste Kinder sollen nach den Vorgaben des Kultusministeriums nicht am Unterricht teilnehmen. Finanziert und organisiert werden die Testkits vom Ministerium. Wie die Schulen nun mitteilten, werden zunächst Tests für die kommenden zwei Schulwochen nach den Ferien geliefert - also vier Testkits pro Schüler.

Ob sie letztlich wie geplant zum Einsatz kommen werden, ist indes noch unklar. Denn während sich die Schulen auf die Tests vorbereiten, ist man sich im Kultusministerium bei der Umsetzbarkeit der Pläne nicht mehr sicher. Geplant war die Strategie ursprünglich bei einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100. Zuletzt lag der Hessen-Wert bei 112,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Stand: 8.4.).

Die Lage habe sich geändert, teilte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch auf hr-Nachfrage mit: "Ob das nun so kommt, wissen wir auch nicht." Die Kultusminister und -ministerinnen der Länder wollen am Donnerstagnachmittag über das weitere Vorgehen an den Schulen beraten. Das Gespräch dient auch der Vorbereitung der kommenden Bund-Länder-Schalte am Montag. Erst danach wird das hessische Corona-Kabinett entscheiden, wie es weiter geht.

Probelauf in 25 Minuten

An der Martin-Niemöller-Schule kam die Lieferung der Tests schon in der vergangenen Woche an - in großen Paletten, wie Direktor Hertrich sagt. Rund 800 Schüler und Schülerinnen besuchen das Wiesbadener Gymasium. Am Dienstag testeten sich dort auch bereits die ersten selbst - sie nehmen in ihren Ferien an Präsenz-Lerncamps teil, die das Ministerium ebenso mit Tests versorgt.

"Die Kinder haben sich gut angestellt, wir brauchten gut 25 Minuten", so Hertrich. Anders als beim Start nach den Ferien waren in den Lerngruppen bloß fünf bis zehn Schüler, dazu drei Lehrkräfte während des Tests. "Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass eine Lehrkraft reicht." An dem Gymnasium sollen für den Einstieg die vertrauten Klassenlehrer die Anleitung der Tests übernehmen. Montag und Donnerstag sollen in den ersten Wochen zum Testtag werden. Hertrich vertraut auf eine schnelle Testroutine.

Auch an der Frankfurter Comeniusschule steht in der kommmenden Woche ein Test-Testlauf an, wie der kommissarische Schulleiter der Grundschule, Christian Uhling-Neumann, sagt. Dazu sollen sich die Lehrkräfte selber testen und in die Rolle der Schüler schlüpfen.

"Je jünger die Kinder, desto schwieriger"

Die Grundschule hatte vor den Osterferien zudem an die Eltern appeliert, zu Hause einen solchen Tests mit den Kindern zu proben. "Wir gehen ein Stück weit davon aus, dass auch Kompetenzen bei den Kindern da sein werden", hofft Uhling-Neumann. Über 300 Kinder sollen an der Comeniusschule in den eingeschränkten Regelbetrieb zurückkehren, fünf Tage Präsenzunterricht. Rund 1.400 Tests sollten mit der ersten Lieferung eintreffen - vor den Schülern soll sich zuerst auch das Schulpersonal testen.

Zum Start der Tests hofft Uhling-Neumann auch auf medizinisch fachkundige Eltern und auf das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Anders als das Martin-Niemöller-Gymnasium hat die Grundschule die vom Land angebotene DRK-Hilfe beantragt. "Je jünger die Kinder sind und je mehr Förderbedarf besteht, desto schwieriger wird das und desto mehr Begleitung wird auch nötig sein", so der kommissarische Schulleiter.

Rotes Kreuz stellt "Paten"

Das Kultusministerium hat die Unterstützung von DRK-"Paten" zum Start der Testoffensive allen über 1.800 Schulen zugesagt: Die Helfer sollen auf Wunsch der Schulen die Tests begleiten - praktisch durchführen dürfen und sollen sie diese an den Kindern aber nicht, betonte eine Sprecherin. An 20 Schulen in Hessen wurde dieses Verfahren in einem Pilotversuch bereits erprobt.

Auch die Lehrer sollen die Kinder und Jugendlichen nur anleiten und ihnen das Vorgehen erklären - sie haben dazu vom Kultusministerium Informationsmaterialen erhalten. Zehn DRK-Paten-Stunden stehen jeder Schule bis Ende April zu. Der Vertrag mit dem Ministerium wurde am Mittwoch geschlossen.

Testpflicht und besserer Schutz für Lehrer gefordert

Schulleiter Markus Crede vom Albert-Schweitzer-Gymnasium in Kassel kritisiert, dass die Tests für die Schüler und Schülerinnen freiwillig sind. "Ich kann einfach nicht nachvollziehen, was der ganze Aufwand soll, wenn nachher doch eine noch ungewisse Zahl an Kindern nicht getestet wird." Vor den Osterferien haben die Schulen bereits Formulare zur Einwilligung der Tests an die Eltern versandt. Wie groß der Anteil der Test-Unwilligen sein wird, ist noch nicht abzuschätzen, so Crede.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen fordert verpflichtende Tests - allerdings nicht in den Schulen. Wie Landesvorsitzende Birgit Koch erklärt, sollten die Schnelltests stattdessen vor dem Präsenzunterricht im Elternhaus durchgeführt und das Negativergebnis schriftlich bestätigt werden. Die Kritik: Die Lehrenden müssen die Tests in den Klassen anleiten. "Es kann nicht sein, dass das wieder unter der Leitung von Lehrkräften passiert", so Koch.

Sendung: hr-iNFO, 08.04.2021, 8.00 Uhr