In der Dompfarrei St. Bartholomäus fand einer der vier ökumenischen Gottesdienste mit Abendmahl statt.

Auf dem ökumenischen Kirchentag in Frankfurt haben Katholiken und Protestanten gemeinsam das Abendmahl gefeiert. Neben prominenter Zustimmung erklingt aus Reihen der katholischen Kirche auch scharfe Kritik an dem "Widerspruch zur katholischen Lehre".

Videobeitrag

Video

zum Video Kritik an gemeinsamen Abendmahlfeiern

hs
Ende des Videobeitrags

Katholische und evangelische Christen haben am Samstagabend beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt ein Zeichen der Annäherung gesetzt. Bei insgesamt vier Gottesdiensten waren Katholiken eingeladen, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen, während Protestanten umgekehrt die katholische Eucharistie mitfeiern konnten.

Während der katholische Bischof vom Limburg, Georg Bätzing, und der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, dies als ökumenischen Fortschritt herausstellen, kommt aus Reihen der katholischen Kirche auch scharfe Kritik an den gemeinsamen Abendmahlfeiern.

Kardinal Müller: "Eine Provokation"

Die gemeinsamen Abendmahlgottesdienste seien "eine Provokation des Lehramts der katholischen Kirche", sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der ehemalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation. "Niemand kann eigenmächtig und nach eigenem Gusto die Gegensätze zwischen evangelisch-protestantischem und katholischem Glaubensbekenntnis für nebensächlich erklären oder ignorieren", kommentierte Müller, früher Bischof von Regensburg.

"Wer sich im Widerspruch zur katholischen Lehre und ihrer verbindlichen Auslegung durch das römische Lehramt verhält, ist nicht mehr katholisch." Auch vom Vatikan wird das gemeinsame Abendmahl kritisch gesehen. Müller leitete die Glaubenskongregation von 2012 bis 2017. Die Behörde wacht über die Reinheit der katholischen Lehre.

Bischof Bätzing: "Ein Zeichen der Einheit"

Kirchenpräsident Jung schlug ganz andere Töne an. Er würdigte die "wechselseitige Teilnahme" am Abendmahl als ökumenischen Fortschritt. Auch Bischof Bätzing betonte: "Wir wollen hier Zeichen der Einheit setzen."

Das Letzte Abendmahl hielt Jesus nach biblischer Überlieferung mit seinen Aposteln am Abend vor seiner Festnahme und Hinrichtung ab. Aus der Erinnerung daran entwickelte sich die wichtigste christliche Kultform, das gemeinsame Abendmahl der Gläubigen, das die Katholiken Eucharistie nennen. Neben vielen Gemeinsamkeiten gibt es hier auch Unterschiede im Verständnis, so darf die katholische Eucharistie nur vom Priester zelebriert werden.

Steinmeier in Frankfurt

Mit einem Open-Air-Gottesdienst auf der Weseler Werft am Mainufer geht der dritte Ökumenische Kirchentag am Sonntag zu Ende. Zu dem Gottesdienst unter dem Motto "schaut hin - blickt durch - geht hin" wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet.

Wegen der Corona-Pandemie konnte der Kirchentag nur eingeschränkt und anders als ursprünglich geplant stattfinden. Statt der Begegnung tausender Menschen unterschiedlicher Kirchen gab es digitale und dezentrale Formate. Lediglich einige Begegnungsgottesdienste fanden mit Abstand und Hygienekonzept statt. Der Kirchentag stand unter dem Motto "Schaut hin".

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 16.05.2021, 19.30 Uhr