Eine Nilgans kühlt sich im Main bei Offenbach ab.

Sie sind laut, stören die Menschen, hinterlassen überall ihren Kot: In Frankfurt sind Nilgänse schon länger ein Problem. Jetzt werden die Vögel auch in Offenbach zur Plage. Ein Experte rät zum Abschuss.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Abschießen ist das einzige, was hilft."

Eine Nilgans-Familie
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Zahlreich, lautstark und ziemlich aggressiv: Nilgänse gehören nicht gerade zu den Tieren, denen die Herzen der Menschen im Rhein-Main-Gebiet zufliegen. Ganz im Gegenteil. Seit Jahren versuchen Kommunen in Hessen ihrer zunehmenden Menge Herr zu werden. Denn wo die Nilgans auftaucht, verdrängt sie heimische Arten, verdreckt Parks und Schwimmbäder und verursacht stattliche Kosten. In Frankfurt und Darmstadt wurden deshalb schon Jäger beauftragt, die Gänse zu schießen. Ein Mittel, zu dem auch Offenbach greifen sollte, wie ein Experte findet.

In Offenbach ist derzeit vor allem das Mainufer betroffen. Dutzende Gänse tummeln sich dort diesen Sommer und hinterlassen überall ihren Kot. Dieser kann für Säuglinge und Kinder gefährlich werden, weil er häufig Krankheitserreger enthält - unter anderem Salmonellen. Ein Thema, mit sich jetzt auch die Lokalpolitik beschäftigt. Die Offenbacher SPD hatte unlängst zu einem Rundgang am Mainufer geladen. Mit dabei: ein Experte in Nilgansfragen, Jäger Axel Seidemann. Und sein Rat ist ebenso rabiat wie eindeutig: Abschießen.

Tricks durchschauen die Tiere schnell

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zum Video Zaun gegen Nilgänse und Co.

hs
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"Das Abschießen der Gänse ist das einzige, was wirklich ernsthaft hilft", betont Seidemann auch im Gespräch mit dem hr. Der Jäger kann auf einen reichen Erfahrungsschatz in Sachen Nilgänse zurückgreifen. Als sich das Frankfurter Brentano-Freibad im Jahr 2017 mit einer "Invasion" von bis zu 100 Tieren konfrontiert sah, wurde Seidemann beauftragt die Gänse zu vergraulen. Zunächst mit nicht tödlichen Mitteln.

Zwei schwarze Plastikschwäne - die von den Nilgänsen gefürchtet werden - wurden ausgesetzt. Nach zwei Tage seien den Attrappen aber schon die Augen ausgepickt worden, berichtet Seidemann. Auch künstliches Greifvogel-Gekreische aus den Schwimmbadlautsprechern ließ die Nilgänse unbeeindruckt. Also sei nur das Schießen geblieben. Seidemann zog eine türkisfarbene Bademeisterjacke an und schoss sechs Vögel. Die übrigen flohen - und hatten fortan Angst vor den Bademeistern im Brentanobad.

Offenbach will noch warten

An anderer Stelle versucht man nach wie vor den Nilgänsen ohne Schusswaffeneinsatz beizukommen. Im Frankfurter Ostpark soll seit diesem Jahr ein bepflanzter Zaun den Tieren die Sicht auf den Weiher verstellen und so dafür sorgen, dass sie sich weniger auf der angrenzenden Liegewiese aufhalten. Ein Konzept, dass Seidemann nicht überzeugt. Die Tiere würden einfach den Sichtschutz überfliegen.

Für den Abschuss der Nilgänse in Offenbach bedürfte es allerdings einer Sondergenehmigung der Stadt. Im Offenbacher Rathaus ist man indes noch nicht soweit. Man beobachte sehr genau, ob sich die "Vergraulungsmaßnahmen" in Frankfurt bewährten, erklärte Pressesprecher Fabian El Cheikh: "Wir zücken hier aber nicht gleich das Gewehr."