Nazi-Treffpunkt in Leun
Szenetreff für Rechtsextreme in Leun (Lahn-Dill) Bild © Volker Siefert (hr-iNFO)

Ein NPD-Mitglied hat das finanzielle Aus für einen rechtsextremen Szenetreff in Leun verhindert. Neonazi-Treffen und Rechtsrock-Konzerte sollen dort offenbar die Szene stärken.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neonazitreff in Leun bleibt erhalten

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Eigentlich stand das ehemalige "Bistro Hollywood" in Leun-Stockhausen im Lahn-Dill-Kreis vor der Zwangsversteigerung. Der Eigentümer war ein für die NPD gewähltes Mitglied im Ortsbeirat von Stockhausen. Wegen Überschuldung sollte sein Haus Mitte Februar im Rahmen einer Zwangsvollstreckung versteigert werden. "Dies wurde durch ein NPD-Mitglied abgewendet", erklärte das hessische Landesamt für Verfassungsschutz nun auf hr-iNFO-Anfrage.

Wer aus den Reihen der NPD als "weißer Ritter" das Haus als Treffpunkt für Veranstaltungen erhalten hat, ist nicht bekannt. Doch die Mobilisierung von Geld aus dem Umfeld der Partei passt zu einer möglichen strategischen Neuausrichtung der Partei.

Krisenbewältigung mit Kameradschaften

"Die NPD sieht den Lahn-Dill-Kreis als Leuchtturmprojekt für Westdeutschland", erklärte Andreas Balser, Vorsitzender des Vereins Antifaschistische Bildungsinitiative in Friedberg. Die Partei wurde zwar vom Bundesverfassungsgericht nicht verboten. Aber die Begründung des Gerichts gilt vielen Anhängern als Schmach: "zu klein und unbedeutend für ein Verbot".

Ein Flügel der NPD kämpft nun dafür, dass die Partei sich wieder stärker als Teil der rechtsextremen Bewegung sieht und ihr in den letzten Jahren gepflegtes biederes und bürgerliches Image ablegt. Der Konkurrent AfD scheint übermächtig. "Also sucht man ein neues, altes Betätigungsfeld wie in den neunziger Jahren, indem man die Parteiarbeit weiter definiert", sagt Reiner Becker vom Demokratiezentrum Hessen an der Uni Marburg. Bei einer anstehenden Rückverwandlung von der "bürgerlichen Partei" hin zur martialisch auftretenden Kameradschaftspartei könnte dem "Hollywood" also in Zukunft noch eine wachsende Bedeutung zukommen.

NPD-Veranstaltung wechselte nach Verbot von Wetzlar nach Leun

Das ehemalige "Bistro Hollywood" befindet sich im Stadtteil Stockhausen. Nach Angaben der  Bundesregierung ist es eine von fünf rechtsextremistisch genutzten Immobilien in Hessen. "Vor zwei Jahren ging es hier rund. Da hieß es 'Juden raus'", erinnert sich eine Nachbarin des zweigeschossigen Hauses. Aber inzwischen sei es ruhiger geworden.

Bis Ende März 2018 gab es gelegentliche Treffen von Gruppen von 20 bis 30 Teilnehmern aus der rechtsextremen Szene in dem ehemaligen Kneipenraum. Dann wurde das ehemalige Lokal zum Ausweichquartier für ein Rechtsrock-Konzert, das eigentlich in der Wetzlarer Stadthalle stattfinden sollte. Die Stadt hatte das damals als Auftaktveranstaltung der NPD Hessen für den Landtagswahlkampf getarnte Konzert verboten. Rund 60 Anhänger feierten dann statt in der Stadthalle im knapp zwanzig Kilometer entfernten "Bistro Hollywood" mit Rechtsrock-Bands wie "Kategorie C" oder Flak. "Das sind eben nicht nur Konzerte. Es waren und sind wichtige Knotenpunkte für die gesamte Szene", sagt Reiner Becker.

Bürgermeister und Anwohner bleiben gelassen

Leuns Bürgermeister Björn Hartmann (CDU) sieht derzeit keinen Handlungsbedarf. Da es sich um Privatveranstaltungen handelt, könne die Stadt ohnehin auf dem Wege des Ordnungsrechts nichts gegen die Treffen unternehmen, so Hartman. Außerdem kämen die Besucher des "Bistro Hollywood" überwiegend von außerhalb.

Ein Nachbar hat auch kein Problem mit dem Treffpunkt. Zwar sei die Polizei-Präsenz ein bisschen lästig, wenn die Beamten bei Konzerten auf der Straße kontrollierten. "Man hätte es natürlich gerne, dass es nicht da wäre. Aber ein großes Problem ist es nicht."

Die NPD stößt in Leun auf vergleichsweise hohe Zustimmung: Bei der Kommunalwahl 2016 holte die Partei hier mit 11,2 Prozent der Stimmen ihr hessenweit bestes Ergebnis.