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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Basay-Yildiz setzt Belohnung aus

Seda Basay-Yildiz hat den vierten Drohbrief innerhalb weniger Monate erhalten, in dem sie und ihre Familie bedroht werden.

Noch immer sind die Urheber der "NSU 2.0"-Drohschreiben an die Frankfurter Anwältin Basay-Yildiz unbekannt. Weil sie nicht mehr an eine Aufklärung der Polizei glaube, wird die Anwältin jetzt selbst aktiv. Mit Hilfe ihrer Unterstützer.

Über zwei Jahre ist es inzwischen her, dass die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz die ersten anonymen Drohschreiben erhalten hat. Unterzeichnet waren sie mit "NSU 2.0". Wer sie verfasst hat, ist immer noch ungeklärt. Hoffnungen auf eine Aufklärung durch die Polizei macht sich die Frankfurter Anwältin keine: Sie glaube auch nicht mehr, dass die Ermittlungen noch etwas ergeben könnten, sagte sie dem hr.

Trotzdem wolle sie nichts unversucht lassen, damit der Fall doch noch aufgeklärt wird, so Basay-Yildiz. Nun hat sie eine Belohnung ausgesetzt: Auf Twitter stellte sie für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters oder der Täter führen, 5.000 Euro in Aussicht.

Für Hinweise, die zur Aufklärung der Urheberschaft der NSU 2.0 Drohmails (Stichwort:Türkensau) und zur Ermittlung oder Ergreifung des Täters/der Täter führen, wird eine Belohnung in Höhe von 5.000,00 Euro (in Worten:fünftausend Euro) ausgesetzt. Hinweise_NSU2.0@protonmail.com

[zum Tweet]

Daraufhin meldeten sich Basay-Yildiz zufolge "viele Leute gemeldet, die gerne für eine Belohnung spenden wollen". Das freue sie sehr. Sie überlege daher sogar, 10.000 Euro auszuloben. Sie müsse aber rechtlich prüfen, ob darin Spenden enthalten sein könnten oder ob sie die Gesamtsumme aus privaten Mitteln zahlen würde.

Tochter mit dem Tod bedroht

Die Anwältin, die Nebenklägerin im Prozess um die Morde des rechtsextremistischen Trios "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) war, hat seit August 2018 mehr als zehn anonyme Drohungen per Mail und Fax erhalten. In dem ersten Schreiben war auch ihre damals zwei Jahre alte Tochter namentlich genannt und mit dem Tod bedroht worden.

Die unbekannten Verfasser hatten immer wieder auch weitere, öffentlich nicht zugängliche Informationen über Basay-Yildiz und ihre Familienmitglieder genannt, darunter auch die Adresse. Persönliche Daten über die Anwältin waren zuvor aus einem Polizeicomputer in einem Frankfurter Revier abgerufen worden.

Knapp 100 Drohungen bekannt

Insgesamt sind knapp 100 ähnliche Drohungen an unterschiedliche Personen des öffentlichen Lebens bekannt, über 80 davon waren mit dem Kürzel "NSU 2.0" unterzeichnet. Das berichtete Innenminister Peter Beuth (CDU) Ende August. In vielen Fällen waren sie an Frauen gerichtet, auch die hessische Linken-Fraktionschefin Janine Wissler und die Kabarettistin Idil Baydar waren unter den Empfängerinnen. In diesen beiden Fällen waren persönliche Daten aus Computern in Wiesbadener Polizeirevieren abgerufen worden.

Trotz des Einsatzes eines Sonderermittlers mit 30-köpfigem Team haben die Ermittlungen bisher kein erkennbares Ergebnis erbracht.

Sendung: hr-iNFO, 20.11.2020, 18.30 Uhr