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Weitere Zeugen: "NSU 2.0"-Prozess wird fortgesetzt

Ein Einsatzkommando des Landeskriminalamts überraschte den Angeklagten im "NSU 2.0"-Prozess bei seiner Festnahme Zuhause. Dieser wehrte sich einem Beamten zufolge massiv - stellt das nun vor Gericht aber ganz anders dar.

Im Prozess um die Drohschreiben des sogenannten "NSU 2.0" sind am Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht Details zur Festnahme des Angeklagten öffentlich geworden. Wie ein Beamter des hessischen Landeskriminalamts (LKA) aussagte, richtete der mutmaßliche Verfasser der Drohschreiben-Serie, Alexander M. aus Berlin, einen echt aussehenden Revolver auf die Polizisten.

Erst nach mehrmaliger Aufforderung habe M. diesen weggelegt, auch beim Anlegen der Handschellen habe er weiter Widerstand geleistet. Festgenommen wurde M. am Abend des 3. Mai 2021 in seiner Wohnung in Berlin. Ein Einsatzkommando des LKA hatte zuvor die Wohnungstür mit einer Ramme geöffnet, wie der LKA-Beamte schilderte.

M. sei gezielt in seiner Wohnung und nicht etwa auf der Straße festgenommen worden, um dort Beweismittel sichern zu können. Es habe die Möglichkeit bestanden, dass er an seinem hochgefahrenen und entsicherten PC sitze, das habe man nutzen wollen.

Angeklagter: "Keinen Widerstand geleistet"

Anders stellte der Angeklagte M., der sich in dem Prozess unter anderem wegen Beleidigung in 67 Fällen, versuchter Nötigung und Bedrohung verantworten muss, seine Festnahme vor Gericht dar: Er sagte, er habe die Waffe genommen, weil er zunächst an einen Überfall geglaubt habe. Er habe keinen Widerstand geleistet. Wie sich auch herausstellte, habe es sich nicht um einen echten Revolver gehandelt.

Alexander M. bestreitet bisher sämtliche Vorwürfe der Anklage in dem Verfahren. Die Anklage legt ihm unter anderem zu Last, in der Zeit zwischen August 2018 und März 2021 nicht weniger als 116 Drohschreiben per Mail, Fax oder SMS an verschiedene Personen der Öffentlichkeit geschickt zu haben - darunter auch an die Komikerin Carolin Kebekus, die am Donnerstag als Zeugin geladen war, aber nicht vor Gericht erschien. Zuletzt hatte Alexander M. den als Zeugen anwesenden Journalisten Deniz Yücel massiv verbal angegriffen.

Opfer-Daten von Polizeicomputern abgerufen

Die Serie der Drohschreiben hatte im August 2018 mit Todesdrohungen gegen die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz und ihre Familie begonnen. Die Schreiben waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet - eine Anspielung auf die rechtsextreme Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). 

Da die Schreiben teils nicht-öffentliche Daten enthielten, führten Ermittlungen zu der Erkenntnis, dass diese Daten teilweise in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den Drohschreiben an Polizeicomputern abgefragt worden waren. Infolge der Ermittlungen wurden auch rassistische Polizei-Chats von Beamten des 1. Frankfurter Reviers öffentlich.

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