Abitur in Hanau

Die Abiturprüfungen in Hessen haben planmäßig begonnen. Doch wegen Corona steht der Fortgang der Prüfungsphase auf wackligen Beinen. Das Kultusministerium bewertet die Lage täglich neu.

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Abitur in Zeiten von Corona: Mit besonderen Schutzmaßnahmen für die Schüler und Lehrer sind die Prüfungen für die Hochschulreife in Hessen nun also doch am Donnerstag angelaufen. Es habe keine größeren Probleme gegeben, sagte der Sprecher des Kultusministeriums, Stefan Löwer. Es habe "eine leicht höhere Quote von Schülern gegeben, die die Prüfung nicht antreten konnten". Vereinzelt seien Schüler mit leichten Symptomen einer Erkältung zur Sicherheit wieder nach Hause geschickt worden. Wegen eines Corona-Falls wurde das Abitur an zwei Gymansien in Oberursel (Hochtaunus) verschoben.

Am ersten Prüfungstag standen die schriftlichen Arbeiten im Grund- und Leistungskurs Englisch an. Doch die erste Zerreißprobe mussten tausende Schüler schon am Tag zuvor bestehen: Das Kultusministerium hatte erst am späten Mittwochnachmittag bekanntgegeben, dass das Abitur wie geplant beginnt. Dabei hatte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) noch in der vergangenen Woche betont, dass das Abitur trotz der Anti-Corona-Maßnahmen nicht verschoben werde.

Kommunikationspanne nach Entscheidung: "menschlicher Fehler"

Warum also diese neuerliche Entscheidung? "Wir müssen die Lage jeden Tag neu bewerten", erklärt Ministeriumssprecher Stefan Löwer. Das habe man auch am Mittwoch getan - "so, wie das derzeit für alle anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche auch geschieht".

Für Verwirrung sorgte obendrein, dass nicht zuerst das Ministerium den planmäßigen Start der Abiturprüfungen vermeldete, sondern die CDU-Landtagsfraktion. Sie verkündete auf ihrer Facebook-Seite: "Abiturprüfungen finden statt!" - mehr als eine Stunde vor der Mitteilung des CDU-geführten Ministeriums.

Die Kommunikationspanne wollte Ministeriumssprecher Löwer am Donnerstag nicht kommentieren. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es im Anschluss zwischen Fraktion und Ministerium zumindest geknirscht hat. Zur Frage, wie es dazu kam, erklärt Bastian Zander, Sprecher der Unionsfraktion, die Entscheidung sei in einer landtagsinternen Telefonkonferenz mitgeteilt worden. Jemand aus dem Fraktionsteam habe das dann gleich auf Facebook gepostet. "Das war ein menschlicher Fehler. Wir bitten das zu entschuldigen", sagt Zander reumütig.

Lorz: "Jede Klausur wird angerechnet"

Die Möglichkeit, dass sich so etwas wiederholen könnte, ist freilich gar nicht so unrealistisch. Minister Lorz sagte am Mittwoch in einer Videobotschaft an die Schüler: "Wir werden fortlaufend, das heißt Tag für Tag, in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden beurteilen und entscheiden, ob die Fortsetzung der Prüfungen bis zum Ende vertretbar ist."

Für die Abiturienten bedeutet das konkret: Im Zweifel kann das Abitur in den kommenden zwei Wochen immer noch abgebrochen werden. Letzter planmäßiger Termin der schriftlichen Prüfungen ist der 2. April.

Lorz versicherte aber, dass jede geschriebene Klausur in jedem Fall auch als Abiturleistung angerechnet werde. Das Risiko, sich bei den Klausuren zu infizieren, könne derzeit bei Beachtung aller Gesundheitshinweise der Experten weitgehend ausgeschlossen werden. So sollte zum Schutz vor Infektionen ein ausreichender Sicherheitsabstand zwischen den Schülern eingerichtet werden. Außerdem waren die Schulen angewiesen, die Prüfungsgruppen so klein wie möglich zu halten, am besten unter zehn Schülern.

Linke kritisiert Entscheidung

Die Linke im Landtag stellen die Maßnahmen allerdings nicht zufrieden: Mit Verweis auf die mangelhafte Hygieneausstattung an den Schulen kündigte Fraktion an, nachhaken zu wollen, welche Maßnahmen zum Schutz der Schüler getroffen wurden. "Jeder, der schon mal auf einer Schultoilette war, weiß, dass Seife und Handtücher oft Mangelware sind. Es ist zu klären, inwiefern das Kultusministerium hier Vorkehrungen getroffen hat, um die Schulen entsprechend auszustatten", so Elisabeth Kula, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Der Virologe Martin Stürmer von Uni Frankfurt hingegen hat keine Bedenken, dass die Prüfungen stattfinden. Inzwischen wisse man, worauf es bei den Vorsichtsmaßnahmen ankomme und wie man Infektionen vermeide. "Wenn man darauf achtet, kann ich es aus wissenschaftlicher Sicht unterstützen, dass die Prüfungen derzeit stattfinden."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Interview mit Landesschulsprecherin Lou-Marleen Appuhn

Ein Schild weist darauf hin, dass eine Schule geschlossen ist.
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Schüler gespalten

Dennoch dürften tausende Schüler nicht erfreut sein über die Entscheidung des Ministeriums. Insgesamt sind landesweit rund 23.500 Abiturienten am Start. Mehr als 7.000 von ihnen hatten eine Petition unterzeichnet, in der eine Verschiebung des Abiturs gefordert wird. Auch die Landesschülervertretung unterstützt diese Forderung.

Ein Problem für viele Schüler sei, dass sie nicht mit den Lehrern alle Verständnisfragen klären konnten, sagte Landesschulsprecherin Lou-Marleen Appuhn bei hr-iNFO. Und bedingt durch den Unterrichtsausfall hätten prüfungsrelevante Inhalte nicht wiederholt werden können. Unterm Strich seien die Schüler gespalten: Viele seien auch froh, dass sie die Prüfung nun ablegen könnten. Sie hätten sich schließlich nun wochenlang darauf vorbereitet.

Weitere Informationen

Abiturtermine in Hessen

  • 19. März: LK/GK Englisch
  • 20. März: LK/GK Physik
  • 23. März: LK Deutsch, Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft, Geschichte, Wirtschaftswissenschaften, Erdkunde, evangelische und katholische Religion, Informatik, Sport
  • 24. März: LK Latein, Spanisch
  • 25. März: LK/GK Mathematik
  • 26. März: LK/GK Französisch
  • 27. März: LK Altgriechisch, Leistungskurse des beruflichen Gymnasiums
  • 30. März: GK Deutsch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Latein, Altgriechisch, Kunst, Musik, LK Deutsch (2. Bildungsweg)
  • 31. März: LK/GK Chemie
  • 1. April: GK Geschichte, Politik und Wirtschaft (auch bilingual), Erdkunde, Wirtschaftswissenschaften, evangelische und katholische Religion, Ethik, Philosophie, Informatik, Grundkurse des beruflichen Gymnasiums
  • 2. April: LK/GK Biologie
Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 19.03.2020, 13 Uhr