Tausende Gläubige trafen sich beim 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München

Zum 3. Ökumenischen Kirchentag wurden für Mai in Frankfurt 100.000 Menschen erwartet. Zu viele in Corona-Zeiten. Die Veranstalter setzen deshalb auf ein neues, digitales Konzept.

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Audioseite Kirchentag wird digital

Dutzende kleine Kerzen leuchten in der Dunkelheit.
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Keine internationalen Besucher und Massengottesdienste, stattdessen ein vollständig digitales Programm: Der 3. Ökumenische Kirchentag von evangelischen und katholischen Christen im Mai 2021 in Frankfurt wird grundlegend anders als seine Vorgänger in Berlin und München. Das gaben die Veranstalter am Donnerstag bekannt.

In Gesprächen mit dem Frankfurter Gesundheitsamt sei deutlich geworden, dass sich ein Glaubensfest mit hunderttausend Besuchern im kommenden Jahr nicht zuverlässig planen lasse.

Von den mehr als 1.000 geplanten Programmpunkten bleibe eine Handvoll digitaler, interaktiver Angebote. Statt einer fünftägigen Veranstaltung soll das meiste nun am Samstag, 15. Mai, stattfinden. Inhaltlich werde der Fokus auf den aktuellen Herausforderungen von Kirche und Gesellschaft liegen.

Gottesdienste werden in andere Gemeinden übertragen

Trotzdem soll es auch vor Ort einzelne Angebote geben: einen zentralen Eröffnungsgottesdienst an Christi Himmelfahrt, konfessionelle Gottesdienste am Samstagabend und einen Schlussgottesdienst am Sonntag - aller Voraussicht nach aber ohne Zuschauer. Die Gottesdienste sollen dafür bundesweit übertragen und in den Heimatgemeinden mitgefeiert werden können.

Anfang kommenden Jahres wollen die Veranstalter Details zum neuen Konzept bekanntgeben.

"Da die Menschen nicht nach Frankfurt kommen können, kommt der Kirchentag zu ihnen nach Hause. Wir laden alle dazu ein, den Tag in der Kirchengemeinde, im Verband oder im Freundeskreis mitzuerleben", sagte Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Präsident des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT).

Bischof Bätzing: Verlegung ins Digitale "schmerzt"

"Wir wissen um die Hoffnung der Menschen auf Begegnung und gelebte Gemeinschaft. Deshalb werden wir alles daransetzen, um diese mit neuen Formaten zu erfüllen", sagte die evangelische ÖKT-Präsidentin Bettina Limperg.

Diskussionsforen mit hunderten Besuchern, große Gottesdienste oder der Abend der Begegnung - viele Kirchentagstraditionen könnten wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden, sagte der Limburger Bischof und Gastgeber, Georg Bätzing. "Das schmerzt." Eine Absage wäre aus seiner Sicht aber keine Alternative.

Jung: "Ohne Druck etwas Neues entstehen lassen"

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, sagte als zweiter Gastgeber: "Jetzt kann ganz entspannt und ohne Druck etwas völlig Neues entstehen." Die gastgebenden Kirchen würden sich inhaltlich in das neue Programm einbringen.

Am ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin hatten im Jahr 2003 mehr als 200.000 Menschen teilgenommen, 2010 in München waren es mehr als 130.000 Besucher. Im Jahr 2022 soll ein Katholikentag in Stuttgart stattfinden, für das Folgejahr lädt der Deutsche Evangelische Kirchentag nach Nürnberg ein. Beide Tage sollen nun ökumenischer gestaltet werden, kündigte ÖKT-Präsident Sternberg an.

Sendung: hr-iNFO, 17.12.2020, 17.00 Uhr