Häuser in Offenbach

Der Bau-Boom in Offenbach ebbt nicht ab. Die jüngste Idee: Der lange Zeit vernachlässigte historische Stadtkern soll umgestaltet werden. Allerdings nicht so opulent wie in Frankfurt.

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Die neue Altstadt in Frankfurt zieht scharenweise Touristen an und räumt Auszeichnungen ab. Das entgeht natürlich auch der Nachbarstadt Offenbach nicht, deren historischer Kern nicht gerade zum Flanieren einlädt.

Der Rathaus-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern schwebt nun auch vor, den lange Zeit vernachlässigten alten Stadtkern aufzuwerten. Sie brachten einen entsprechenden Antrag für die Stadtverordnetensitzung am 29. August ein.

Der historische Stadtkern von Offenbach

Das Bündnis rechnet in ihrem Antrag mit einem Kostenaufwand von 100.000 bis 150.000 Euro. Ein Klacks im Vergleich zur millionenschweren Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt.

Für Wiederaufbau fehlt das Geld

Offenbachs Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) stellt deshalb klar: "Es geht keineswegs um die Wiederherstellung einer Altstadt wie zum Beispiel in Frankfurt." Für einen Wiederaufbau hätte Offenbach gar kein Geld. Tatsächlich gehe es um eine "langfristig orientierte planerische Neuordnung", sagte er dem hr. Darüber hatten bereits FAZ und FR berichtet.

Ein Fachwerkhaus in der Sandgasse blieb erhalten. (Archivbild)

Der konkrete Anlass ergibt sich laut Weiß aus der geplanten privaten Neubebauung des geschlossenen Toys'R'Us-Areals in der 124.000-Einwohner-Stadt. "Dort wird bereits eine historische Wegebeziehung wiederhergestellt - der Übergang vom Salzgässchen in die Sandgasse mit einem neuen Platz und Gastronomie dazwischen."

Aus Sicht der Stadtplanung liegt es aufgrund dieser Pläne nahe, den Fokus nun auf die Sandgasse - die einst bogenförmig den östlichen Teil der Altstadt durchzog und hinunter zum Main führte - sowie auf das umliegende Areal zu legen. Dieses sei "noch immer von einer ungeordneten Nachkriegsbebauung geprägt", so der Baudezernent. Das Areal, in dem etliche Gebäude im Zweiten Weltkrieg zerbombt wurden, erstreckt sich zwischen Herrnstraße, Berliner Straße, Großem Biergrund und Mainstraße.

In dem Gebiet liegt das Isenburger Schloss sowie die Hochschule für Gestaltung, die ins Offenbacher Hafenviertel umziehen wird.

Stadtkern soll sich zum Main hin öffnen

Nach Ansicht des stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Dominik Mangelmann geht es um die strategische Frage: "Wie kann Offenbach auf Dauer mehr Qualität in Richtung Main bekommen?" Derzeit sei in dem Quartier alles zugebaut, in den kommenden 20 bis 30 Jahren soll es eine Öffnung zum Main hin geben, sagte Mangelmann dem hr. Der Ingenieur gilt als Vordenker des Altstadt-Wiederaufbaus in Frankfurt.

Heute erinnert nichts mehr an die Fachwerkidylle der kleinen Residenz, die Offenbach einmal war

Auch das letzte große Bauprojekt im klammen Offenbach drehte sich ganz um den Main: Im neuen Hafenviertel sollen die Bewohner durch das Leben am Fluss mehr Lebensqualität gewinnen.

Bei dem jüngsten Vorhaben geht es aber nicht nur um einen besseren Zugang zum Wasser. Fachleute sollen auch prüfen, ob historische Gebäude rekonstruiert werden können. Die Pläne der Koalition sind Donnerstagabend Thema im Bauausschuss.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 16.45 Uhr