Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) auf der Pressekonferenz

Die Stadt Offenbach hat wegen zahlreicher Neuinfektionen mit dem Coronavirus weitere Konsequenzen gezogen. Öffentliches Grillen wird verboten, Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen sich testen lassen.

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hessenschau vom 03.08.2020
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In der Stadt Offenbach gelten ab sofort weitere, strengere Regeln zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Darüber informierten am Montag Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) und weitere Magistratsmitglieder.

Die Stadt reagierte damit noch einmal auf eine hohe Zahl von Neuinfektionen. Am Sonntag hatte die Stadt 35,3 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen registriert und somit die zweite Warnstufe überschritten und Phase 3 des Eskalationskonzeptes der Landesregierung erreicht. Zu den Regeln, die für die kommenden zwei Wochen gelten, gehören:

  • Reiserückkehrer aus Risikoregionen müssen sich auf das Coronavirus testen lassen und der Stadt umfangreich Auskunft geben
  • im Freizeitsport dürfen maximal zehn Personen oder Mitglieder eines gemeinsamen Haushaltes mit Körperkontakt Sport machen, bei mehr Teilnehmern muss der Sport kontaktlos und mit einem Mindestabstand von anderthalb Metern ausgeübt werden
  • bei städtischen Veranstaltungen wie zum Beispiel Kulturveranstaltungen müssen pro Gast fünf Quadratmeter Platz bereitgestellt werden
  • in der Gastronomie verzichtet die Stadt auf eine Fünf-Quadratmeter-Regel, hier gilt aber wieder Maskenpflicht beim Betreten und Verlassen des Lokals sowie beim Weg zur Toilette
  • Grillen oder Picknick in der Öffentlichkeit ist verboten

Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) wies darauf hin, dass die Einhaltung der Maskenpflicht mithilfe von Stadt- und Landespolizei verstärkt kontrolliert werden solle. Bei Verstoß drohe ein Ordnungswidrigkeiten- oder Bußgeld. Vorherige Verwarnungen soll es nicht mehr geben.

Bereits am Freitag hatte die Stadt mehrere Maßnahmen vorgestellt, darunter eine Informationskampagne, Hallensport ohne Zuschauer, eine verschärfte Maskenpflicht und verstärkte Kontrollen in der Gastronomie, ob die Gästelisten korrekt geführt werden.

Das Eskalationskonzept beinhaltet ein gestuftes Vorgehen zur Bekämpfung der Pandemie

Lage "gut im Griff"

Als Ursache für die steigenden Zahlen nannte Oberbürgermeister Schwenke wie zuvor bereits Reiserückkehrer aus Risikogebieten sowie eine Busreise zur Besichtigung einer Käsefabrik in Holland am 25. Juli.

Schwenke bezeichnete die Lage als schwierig. Deshalb habe der Krisenstab der Stadt die weiteren Maßnahmen ergriffen. Man wolle sich am Dienstag wieder treffen. Das Gesundheitsamt habe die Lage "gut im Griff". Von den 46 neuen Erkrankten gingen 21 auf Kontaktpersonen von Urlaubern oder auf Teilnehmer einer Busreise zurück, die sich bereits in Quarantäne befänden. "Sie laufen nicht durch die Stadt und stecken andere an."

Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) betonte, man setze auf eine konsequente Nachverfolgung der Infektionsketten. Die Behörden gehen von weiteren Erkrankungen aus, verwiesen aber darauf, dass sich 410 weitere Kontaktpersonen der Erkrankten derzeit in Quarantäne befänden.

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hessenschau vom 03.08.2020
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Mehrstufiges Eskalationskonzept

Das Konzept des Sozialministeriums zur Eindämmung lokaler Coronavirus-Ausbrüche sieht mehrere Stufen vor:

  • Bis 20 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gibt es keine verschärften Maßnahmen.
  • Ab 20 Neuinfektionen gelten eine erhöhte Aufmerksamkeit, verstärkte Informationspflicht sowie bedarfsgerecht angepasste Maßnahmen.
  • Ab 35 Neuinfektionen gelten wieder strengere Kontaktbeschränkungen. Betriebe und Einrichtungen, in denen das Coronavirus aufgetreten ist, werden geschlossen. Zusätzliche Krankenhausbetten werden geschaffen.
  • Ab 50 Neuinfektionen kommt es zu weitgehenden Einschränkungen: Einrichtungen und Betriebe müssen geschlossen, Zusammenkünfte untersagt und auch der ÖPNV eingeschränkt werden.
  • Ab 75 Neuinfektionen übernimmt zusätzlich der Krisenstab des Sozialministeriums die Steuerung der Maßnahmen.
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Anm. d. Red.: In einer früheren Version hieß es zu den neuen Regeln, dass im Freizeitsport maximal zehn Personen oder Mitglieder eines gemeinsamen Haushalts nur kontaktlos und mit anderthalb Metern Abstand Sport machen dürfen. Richtig ist, dass die Kontaktlos-Regel erst ab Gruppengrößen von elf und mehr Mitgliedern gilt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 03.08.2020, 19.30 Uhr