Ein handgemaltes Schild am Offenbacher Hafen fordert seine Betrachter auf: "Raus aus dem Haus! Abstand - Maske - Sonne"

Offenbach überschreitet als erste hessische Großstadt wieder die Inzidenz von 50. Die Stadt verschärft die Corona-Regeln - aber weniger als im Eskalationskonzept des Landes vorgesehen. Auch im Kreis Offenbach und in Wiesbaden gelten wieder schärfere Corona-Regeln.

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Angesichts steigender Infektionszahlen verschärft auch die Stadt Offenbach ihre Corona-Regeln wieder. Am Donnerstag lag die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohner bei 55,3 - so hoch war der Inzidenz seit Anfang Juni nicht mehr. Als erster Kreis bzw. kreisfreie Stadt knackte Offenbach damit wieder die 50er-Marke.

Stadtrat: "Kopieren Maßnahmen nicht blind"

Von diesem Sonntag (15.8.) an gelte die sogenannte 3G-Regelung, teilte die Stadt in einer Mitteilung mit. Demnach dürfen unter anderem nur noch Genesene, Geimpfte oder negativ getestete Personen die Innengastronomie oder Veranstaltungen in Innenräumen betreten. Das gilt den Angaben zufolge auch für körpernahe Dienstleistungen, für Sport im Innenbereich, für Hotels und Pensionen sowie für Freizeit- und Kultureinrichtungen.

Die Teilnehmerzahl für Veranstaltungen werde zudem auf 500 Personen im Freien und 100 Menschen in Innenräumen zuzüglich Geimpfte und Genesene begrenzt.

Man orientiere sich "maßgeblich an den Vorgaben des 'Präventions- und Eskalationskonzeptes SARS-CoV-2' des Landes Hessen", heißt es in der Mitteilung. "Allerdings haben wir die dort angeregten Maßnahmen nicht blind kopiert", teilte Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FDP) mit.

Tatsächlich sieht das Eskalationskonzept des Landes für einen Inzidenzwert von über 50 drastischere Maßnahmen vor, als von der Stadt nun beschlossen. Demnach müssten etwa wieder Kontaktregeln im öffentlichen Raum eingeführt und eine generelle Homeoffice-Empfehlung angeordnet werden - wenn ein diffuses, nicht klar eingrenzbares Infektionsgeschehen vorliegt.

Infektionsherde lokalisiert

Ob Offenbach sein Infektionsgeschehen als eingrenzbar bewertet, blieb zunächst unklar, für Rückfragen war im Rathaus am Donnerstagabend niemand zu erreichen. Die Infektionsherde seien in einer ersten Analyse klar identifiziert, heißt es in der Mitteilung lediglich. 34 Prozent der Infektionen stammen demnach von Reiserückkehrern, 25 Prozent aus dem privaten Umfeld und 20 Prozent erfolgten auf der Arbeit.

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"Wir reagieren immer so passend wie möglich, nie einfach nach Schema F", teilte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) mit. "Wir ergreifen heute bei einer Inzidenz von über 50 völlig andere, deutlich geringere Maßnahmen als vor einem Jahr."

Kreis Offenbach und Wiesbaden verschärfen ebenfalls

Auch der Kreis Offenbach verschärft seine Regeln. Grund dafür ist, dass die Inzidenz am Donnerstag mit einem Wert von 35,7 erstmals wieder die Marke von 35 überschritt. Zudem sei die Infektionslage im Kreis diffus und lasse sich nicht klar eingrenzen, wie Landrat Oliver Quilling (CDU) mitteilte. "Die seit Anfang Juni geltenden Lockerungen müssen wir deswegen zurücknehmen."

Die neue Allgemeinverfügung des Kreises tritt am Samstag in Kraft. Ab dann wird beispielsweise in Restaurants für den Innenbereich wieder ein negativer Corona-Test, ein Genesenen- oder Impfnachweis verlangt.

Und auch in Wiesbaden gelten von Samstag an strengere Corona-Regeln. Die Landeshauptstadt hatte am Donnerstag eine Inzidenz von 38,8 erreicht. Die entsprechende Allgemeinverfügung werde am Freitag veröffentlicht und trete einen Tag darauf in Kraft, teilte die Stadt mit. Ab dann müssen Besucher von Restaurants und Cafés vor dem Betreten der Innenräume nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind oder einen negativen Test gemacht haben.

Bereits am Mittwoch hatte Frankfurt seine Corona-Regeln wieder verschärft. Der Main-Taunus-Kreis hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass es zunächst keine weiteren kreisweiten Corona-Einschränkungen geben wird, obwohl die Inzidenz-Schwelle von 35 überschritten wurde.

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