Musikpädagoge Ralph Baumgartner mit Gitarrenverstärker und Grafik, wie er sich auf den Weg zu den alternativen Verkehrsmitteln macht
Musikpädagoge Ralph Baumgartner macht mit bei der VGF-Aktion #Autofasten2019. Bild © hessenschau.de

Manche verzichten auf Schokolade, andere auf Alkohol. Aber wer lässt schon zwischen Aschermittwoch und Karsamstag sechs Wochen lang seinen Wagen stehen? Die Aktion #Autofasten2019 will zeigen, wie es funktioniert.

Audiobeitrag
Umzugswagen von Book-n-Drive

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found VGF und Book-n-Drive werben für Verzicht aufs eigene Auto

Ende des Audiobeitrags

Angellica Seegoolam hat sich riesig gefreut, als die Nachricht von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) kam. Die Marketingfachfrau aus dem Stadtteil Sindlingen gehört zu den vier Gewinnern bei der Aktion #Autofasten2019 von VGF und dem Carsharing-Anbieter Book-n-Drive. Die 28-Jährige muss - oder darf - während der nun beginnenden Fastenzeit auf ihr Auto verzichten. Sie bekommt aber auch einiges dafür. "Das wird eine kleine Herausforderung, aber ich freue mich drauf", sagt Seegoolam.

Autoschlüssel werden öffentlich abgegeben

Seegoolam und die anderen Gewinner der Aktion geben am Aschermittwoch für sechs Wochen ihren Autoschlüssel ab und bekommen dafür ein kostenloses VGF-Ticket für Bus und Bahn für ihre gewohnte Pendelstrecke. Für die Fälle, dass sie doch einmal ein Auto nutzen müssen, erhalten sie auch 250 Euro Guthaben für den Carsharing-Dienst Book-n-Drive, das beliebig eingesetzt werden kann. Das eigene Auto darf in dieser Zeit nicht bewegt werden. Die Teilnehmer geben öffentlich ihre Autoschlüssel ab.

Familienausflüge und Transport von Musikinstrumenten - geht das?

Gut 40 Autobesitzerinnen und -besitzer aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet bewarben sich für die Aktion. Unter ihnen auch Ralph Baumgartner. Der Musikpädagoge unterrichtet Gitarre, Songwriting und Bandcoaching an der Musikschule Frankfurt. Das Auto braucht er vor allem, um schwere Dinge wie etwa seine Instrumente zu seinen Konzerten zu transportieren. Auch für Familienausflüge am Wochenende nimmt er eigentlich gerne das Auto. "Das wird die größte Umstellung", sagt der 50-Jährige. "Aber zur Hohemark im Taunus, wo wir oft wandern oder Rad fahren gehen, fährt ja direkt eine U-Bahn. Dann nehmen wir einfach die."

Weitere Informationen

Carsharing Beispielrechnung

250 Euro Guthaben für Book-n-Drive klingt üppig - und in der Tat: Für das Geld dürfte man mit einem Kompaktwagen fast 800 Kilometer und 24 Stunden lang fahren. Die Tarife variieren, je nachdem für welches Auto- oder Transportermodell man sich entscheidet und ob man ein Abo hat oder den Carsharing-Anbieter nur hin und wieder nutzt.

Ende der weiteren Informationen

Durch die Kombination aus öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing fehle ihm im Grunde nichts, vielmehr komme die Aktion wie gerufen. Er und seine Frau hätten schon öfter daran gedacht, das Auto abzuschaffen - auch aus politischen Gründen. "Ich bin für eine Verkehrswende. Ich finde, Autos haben in einer Großstadt eigentlich nichts zu suchen", sagt Baumgartner. Der Musiker ist sich sicher, dass er und seine Familie nach den sechs Wochen Autofasten ihren eigenen Wagen dann auch tatsächlich abschaffen werden.

"Für mich ist das wie der letzte Tritt in den Hintern"

So ähnlich geht es auch Angellica Seegoolam. Sie wohnt im äußersten Frankfurter Westen und pendelt jeden Tag mit dem Auto nach Offenbach zur Arbeit. Fast jeden Tag steht sie im Stau, fast jeden Tag ärgert sie sich, wenn sie wieder mal statt der normalen 40 Minuten eineinhalb Stunden und länger pro Weg braucht. Schon öfter habe sie darüber nachgedacht, auf den öffentlichen Nahverkehr auszuweichen und das Auto stehen zu lassen. "Für mich ist diese Aktion wirklich wie der letzte Tritt in den Hintern", sagt sie.

Weitere Informationen

Was bringt Fasten?

Jeder zweite Deutsche hat schon mal längere Zeit auf Süßigkeiten oder liebgewonnene Laster verzichtet - aber bringt das wirklich was? Antworten dazu in der Sendung "Engel fragt" am 6. März, 21.45 Uhr und an weiteren Terminen im hr-fernsehen.

Ende der weiteren Informationen

Seegoolam und Baumgartner passen mit ihren Aussagen genau in die Kategorie Pendler, die VGF und Book-n-Drive mit ihrer gemeinsamen Aktion erreichen möchten. Menschen, bei denen nur noch ein kleiner Anstoß zu fehlen scheint, um vom eigenen Auto auf Alternativen umzusteigen.

"Verkehrsmittel kombinieren je nach Bedarf"

Das Stichwort heißt New Mobility, wie Elisa Hörst von der VGF sagt: "Es geht längst nicht mehr darum, ein Verkehrsmittel gegen ein anderes auszutauschen." Also etwa Auto gegen Bahn. Es gehe darum, verschiedene Verkehrsmittel miteinander zu kombinieren. Je nach Bedarf und Situation.

Deshalb auch die Kooperation zwischen VGF und Book-n-Drive. "Das macht absolut Sinn", sagt auch Nadine Pintner von Book-n-Drive. Der Carsharing-Anbieter hatte eine ähnliche Aktion schon einmal durchgeführt. Neu ist nun die Kombination mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Weitere Informationen

Autofasten-Aktion in den Sozialen Medien

Das sechswöchige Autofasten werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Berichten, Filmen und Fotos von sich selbst begleiten und damit zeigen, wie schwer oder leicht ihnen der Verzicht auf den eigenen Wagen tatsächlich fällt. Die persönlichen Berichte werden auf den Social-Media-Kanälen der Organisatoren veröffentlicht.

VGF bei Facebook
VGF bei Twitter
Book-n-Drive bei Facebook
Book-n-Drive bei Twitter

Ende der weiteren Informationen

Ihre Kommentare Wie fasten Sie dieses Jahr?

13 Kommentare

  • Das ist mal wieder ein typischer missionarischer Ansatz und ja es klappt durchaus, allerdings halt leider nicht für jeden und es braucht schon einige Rahmenbedingungen damit das gut kappt.

    Ich bin derzeit in der glücklichen Lage fast alle meiner regelmäßigen Fahrten/Dienstreisen ohne Auto und dem dazugehörigen Verkehrschaos erledigen zu können. Weis jedoch auch wo die Knackpunkte sind und wo es ohne Auto nicht mehr möglich wäre, da ich auch keine Leidenschaft für Autos habe wäre das einzige harte kriterium die Lieferbarkeit innerhalb weniger Tage, rest egal.

    Der versuch anderen vorzuschreiben, wie Sie Ihren Mobilitätsbedarf zu lösen haben würde mir nicht in den Sinn kommen.
    Weil es eben kein One Size fits all gibt (mit ausnahme dem Auto vor der Tür, das eigentlich fast immer geht)

    Ich nutze Fahrad eigen/geliehen, Carsharing, Mietwagen, Taxi, Bus und Bahn je nach Bedarf und die Vollkostenrechnung zeigt das es nur guenstiger ist wenn fast alles zu Fuss oder Fahrrad geht.

  • Diese Sorgen möchte ich einmal haben. Nur für vier Wochen.

    Als Armutsrentner habe ich die Wahl zwischen meinen eigenen Beinen und dem ÖPNV. Und was das Essen angeht, gilt: Fasten ganzjährig. Danke Deutschland. Danke für nichts.

    Armut - und Deine Sorgen lösen sich in Wohlgefallen auf. Für IMMER. ;-)

  • Ich kombiniere auch verschiedene Verkehrsmittel, Auto und Motorrad oder Motorrad und Auto, mit dieser Kombi fahre ich am besten.

Alle Kommentare laden