Von links nach rechts: der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck Beate Hofmann und der Limburger Bischof Georg Bätzing.

In ihren Osterbotschaften haben die christlichen Kirchen dazu aufgerufen, trotz aller Herausforderungen und Ängste in der Corona-Krise die Hoffnung nicht zu verlieren. Ostern sei das Fest des Lebens und die Osterbotschaft womöglich wichtiger denn je.

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hessenschau vom 12.04.2020
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Predigten vor leeren Kirchenbänken, Osternachtsfeiern ohne Chorgesang - wegen der Corona-Pandemie müssen die Kirchen in diesem Jahr auf einige Traditionen verzichten. Ostern finde aber dennoch statt, betonen Vertreter der christlichen Kirchen in Hessen. "Gerade in diesem Jahr, wo uns der Tod so nahe kommt, hat Ostern als Fest des Lebens eine besondere Bedeutung", schreibt die Bischöfin der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, in ihrer Osterbotschaft.

Bätzing: Der Bedrohung solidarisch entgegentreten

"Die christliche Botschaft und unsere konkrete Bedrängnis gehören zusammen", sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Samstagabend bei der Osternachtsfeier im Dom. In Zeiten der Corona-Pandemie seien Zeichen besonders wichtig, so der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

Das Licht der Kerzen, der Klang von Orgel und Glocken sowie das Ostermahl seien "Signale nach außen, mit denen wir deutlich machen, dass uns diese Epidemie nicht bezwingen wird und auseinandertreibt." Sie seien zusammengenommen "ein Manifest unseres Willens, der Bedrohung solidarisch und mit allen Kräften entgegenzutreten", so Bätzing.

Die Krise lehre hoffentlich, wie sehr man aufeinander angewiesen sei, ergänzte Bätzing am Ostersonntag. Kein Volk, kein Land, keine Wirtschaft sei eine Insel. Alles hängt mit allem zusammen." Wenn man zu einem erheblichen, auch persönlich spürbaren Opfer und Einsatz von Mitteln aus allen gesellschaftlichen Bereichen bereit sei, dann könne auch die Corona-Krise - so wie Ostern - zum "Glücksfall der Geschichte" werden.

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Jung: Versammlungsverbot ist richtig

Auch der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung rief dazu auf, in der Corona-Krise auf die besondere Kraft der Osterbotschaft zu vertrauen. "Für mich gehören die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und das Leben hier und jetzt fest zusammen. Der Glaube daran, dass das Leben, das Gott schenkt, größer ist als das, was wir hier erleben, gibt mir immer wieder Kraft", schreibt er auf der Internetseite der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Jung verteidigte zudem die Verordnungen zur Eindämmung des Coronavirus, die auch öffentliche Gottesdienste untersagen. "Dass wir uns zurzeit nicht in den Kirchen versammeln, um Gottesdienste zu feiern, ist richtig. Es geht darum, dass wir alles tun müssen, um eine schnelle Ausbreitung der tückischen Krankheit zu verhindern."

Kohlgraf: Auferstehung als Bild der Hoffnung

Es sei zwar schmerzlich, dass die Menschen in diesem Jahr Ostern "nicht mit den Zeichen und der Festlichkeit" feiern könnten wie gewohnt - aber Ostern finde doch statt, sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf laut vorab verbreitetem Predigtmanuskript in der Osternacht.

Die Coronakrise sei auch eine Anfrage an den Glauben. Dabei vermittele das Bild vom offenen Grab und dem weggerollten Stein ein starkes Bild der Hoffnung, sagte Kohlgraf. "Fürchtet euch nicht, das heißt: Lasst euch eine Perspektive für die Zukunft geben. Lasst euch ein Fundament schenken, das euch gerade auch in dieser Zeit trägt. Gott ist stärker als der Tod."

Gerber: In der Krise wächst neues Leben

Bischof Michael Gerber

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber sagte, die Corona-Krise habe die Menschen "wie ein Blitz aus heiterem Himmel" getroffen. "Erdbeben, Blitz, Furcht, Wächter, die erbeben. Nicht gerade vertrauenserweckend beginnt Ostern, so wie es uns im Matthäusevangelium geschildert wird." Diese bildliche Beschreibung der äußeren Umstände könnte die bildliche Beschreibung der Seelenlage der Frauen und Männer aus dem Umfeld Jesu an jenem Morgen des dritten Tages nach der Kreuzigung sein. "Zugleich kann das die Seelenlage von vielen von uns charakterisieren."

In die Finsternis des Karfreitags, in das Chaos der Seelenlage der Frauen und Männer damals wie heute, habe Jesus bereits seinen Geist eingehaucht, sagte Gerber. "In der Krise wächst ungeahnt neues Leben. In der Krise wachsen sie als Persönlichkeit." Wenn die Gläubigen nun in die Zeit einträten zwischen Ostern und Pfingsten, "dann dürfen wir das tun in dem Glauben, dass diese Dynamik von damals auch heute lebendig wird".

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 12.04.2020, 19.30 Uhr