Ein Friedensaktivist wird am Frankfurter Römer von zwei Polizisten angesprochen

Die Ostermärsche feierten in diesem Jahr 60. Jubiläum: Doch dieses Mal fiel der Protest wegen der Corona-Krise etwas anders aus.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ostermärsche finden in diesem Jahr nur im Netz statt

Die Ostermärsche finden in diesem Jahr virtuell statt.
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An seinen ersten Ostermarsch kann sich Willi van Ooyen noch sehr gut erinnern. Als junger Mensch ging der hessische Linken-Politiker und Friedensaktivist in den 60er Jahren in Dortmund zum ersten Mal mit. Niemand konnte ahnen, welche Massenbewegung entstehen sollte. Notstandsgesetze, NATO-Doppelbeschluss oder der Irak-Krieg – es sind diese Themen, die die Friedensbewegung auch in Hessen groß gemacht haben. Hundertausende Menschen gingen damals für Frieden und atomare Abrüstung auf die Straßen.

Ostermärsche in Hessen abgesagt

Die Ostermärsche gibt es seit nunmehr 60 Jahren. Doch in diesem Jahr war wegen der Corona-Krise alles anders. Von Kassel über Eschwege und Gießen, von Limburg bis Bruchköbel. Weil Versammlungen wegen der Corona-Krise verboten sind, mussten die regionalen Friedensinitiativen an Ostern improvisieren.

Am Ostermontag hat van Ooyen ein verhalten positives Fazit gezogen: "Auch wenn in diesem Jahr die Straßen nicht den Ostermarschierern offen standen, war die eindeutige Zustimmung der Bevölkerung zu den Forderungen nach Frieden und Abrüstung spürbar", erklärte er in einer Pressemitteilung. Die Basisinitiativen der Friedensbewegung hätten trotz der Corona bedingten Verbote ihre Forderungen vielfältig in die Öffentlichkeit getragen. Dabei wies er auf die verschiedenen, alternativene Aktionsformen hin: von selbst gefertigten Banner und Plakaten, über bunte Pace-Fahnen aus den Wohnungen, Autos, Fahrrädern, über Spaziergänge und Nachbarschaftsbriefe.

Der Protest war auch von der Straße in die Online-Welt getragen worden. So wurde zum Beispiel eine Webseite gebaut, auf der Menschen ihre Fotos hochladen konnten.

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Van Ooyen hatte ursprünglich zu einer Motorradfahrt durch Frankfurt aufgerufen. Startpunkt sollte das amerikanische Generalkonsulat sein. Doch die Aktion wurde von der Stadt Frankfurt letztlich verboten. Die Befolgung des Kontaktverbots sei weder für die eingesetzten Ordner, noch für die Sicherheitskräfte der Polizei kontrollierbar gewesen, begründete Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU).

Politikwissenschaftler: Innovationsdruck könnte zum Umdenken führen

Die neuen Formen des Protestes können die Friedensbewegung nach Einschätzung von Gregor Hofmann vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung nicht schwächen: "Die Friedensbewegung basiert auf vielen lokalen Initiativen, Vereinen und auch größeren Organisationen. Sie ist auch noch immer stark im Kontext der Sozialdemokratie und der Grünen verankert, die die Märsche weiterorganisieren werden." Der Politikwissenschaftler glaubt, dass in diesem Jahr vielmehr ein Innovationsdruck entstanden sei, der zu einem Umdenken führen könnte.

Zu einer Massenbewegung wie damals in den 80er Jahren werde es aber nicht mehr kommen, meint Hofmann. Zwar hätten sich die Demonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss oder den Irak-Krieg auf die deutsche Politik ausgewirkt, junge Menschen ließen sich von einem bedingungslosen Pazifismus heute aber kaum noch ansprechen.

Der frühere Landtagabgeordnete van Ooyen sieht dies anders. Er glaubt, dass man mit klaren Forderungen noch immer Menschen bewegen könne, sich bei den Ostermärschen zu engagieren.

Protest findet auf Twitter, Facebook und Instagram statt

Wahr ist aber auch: Viele Aktivisten, die sich in ihren regionalen Friedensinitiativen engagieren, sind mit der Bewegung alt geworden. Neuere Bewegungen wie "Occupy Wallstreet" oder "Fridays for future" bestehen nicht mehr nur aus ritualisierten Märschen, sondern haben viel kreativere Ausdrucksformen entwickelt. Twitter, Facebook oder Instagram spielen heute auch bei Protestaktionen eine große Rolle. Politologe Hofmann stellt in der Forschung zudem fest, dass sich viele junge Leute heute deutlich themenzentrierter organisieren.

Die Corona-Krise kann also auch eine Chance für die Friedensbewegung sein, jetzt auch wieder junge Menschen über die sozialen Netzwerke zu erreichen.

Weitere Informationen

Ostermärsche

Die Ostermärsche der Friedensbewegung entstanden Ende der 50er Jahre in Großbritannien. Den ersten Ostermarsch in Deutschland gab es 1960 in der Lüneburger Heide: Am 18. April, dem Ostermontag, demonstrierten damals mehr als tausend Menschen gegen die deutsche Wiederbewaffnung und eine Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Auch heute noch sind die Themen traditionell Kriege und Konflikte sowie Waffenexporte, Auslandseinsätze der Bundeswehr. Neu hinzu kommt aber auch der Klimaschutz.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 13.04.2020, 19:30 Uhr