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Kita Wiesbaden iPad

Tippen, wischen und Aufgaben lösen: Kita-Kinder in Wiesbaden dürfen Tablets nutzen. Das ist einmalig in Hessen – und sorgt für Diskussionen.

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hs
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Schon kleine Kinder lieben es bekanntlich, mit Smartphones und Tablets zu spielen. Damit sie lernen, mit den Tablets sinnvoll umzugehen, hat die Stadt Wiesbaden 100 iPads gekauft - für rund 37.500 Euro. Mehr als die Hälfte der insgesamt 40 städtischen Kitas wurden schon mit den kleinen, transportablen Computern versorgt.

Pioniercharakter hat dabei die Kita Karl-Arnold-Straße in Wiesbaden. Dort nutzen die Kinder Tablets schon länger zum Spielen und Lernen. Die Erzieher betonen die Vorteile: Der Einsatz von Tablets helfe zum Beispiel manchen Kindern beim Sprechen lernen, sagt Erzieherin Sonja Sonnenberg.

Drei- und Vierjährige benutzen Lern-Apps

"Man kommt mit den Kindern gut ins Gespräch", sagt Sonnenberg. Ein Junge, der Probleme habe, sich auszudrücken, erzähle plötzlich sehr viel mehr. Die Spiele und Apps seien auf die Kinder abgestimmt, so die Erzieherin. Sie bekämen zum Beispiel eine Geschichte erzählt und es gebe Lern-Apps, mit denen die Drei- und Vierjährigen Aufgaben lösen und die Aufmerksamkeit trainieren könnten.

Manche Eltern begrüßen die frühe Medienerziehung in der Kita Karl-Arnold-Straße. "Ich war überrascht. iPads im Kindergarten kannte ich nicht. Aber wir haben auch eines zu Hause und deshalb habe ich das positiv aufgenommen", sagt Corinna Wollenhaupt, Mutter des drei Jahre alten Linus. Der Umgang mit dem Tablet sei zu Hause etwas ganz Normales.

Ungewöhnlich ist der Einsatz von iPads in Wiesbaden trotzdem, in anderen städtischen Kitas in Hessen gibt es keine gesponserten Tablets.

Kinder bekommen Zeit-Kärtchen

Ohne Regeln klappt es laut Erzieherin Sonnenberg aber nicht: Damit die Kinder nicht zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, ist die Nutzung reglementiert. Das läuft über Zeit-Kärtchen. "Die Kinder dürfen drei Mal die Woche für 20 Minuten ans iPad. Das können sie selbst regulieren, indem sie ihre Kärtchen abgeben. Wenn sie kein Kärtchen mehr haben, dürfen sie auch nicht mehr mit dem iPad spielen", so Sonnenberg.

Für das Sozialdezernat und die Kitaleitung geht es darum, dass die Kinder den richtigen Umgang mit Medien und Technik lernen. "Wir nutzen das Interesse der Kinder und versuchen es auf einen geschützten Weg zu bringen, um ihnen zu zeigen, wie man ein iPad nutzen kann - ohne nur zu konsumieren", sagt Andreas Marschhäuser-Korschan, Leiter der Kita Karl-Arnold-Straße. Die Tablets kommen auch bei Ausflügen zum Einsatz, etwa um Fotos und Filme zu machen.

Grüne: "Kleinkinder werden ruhig gestellt"

An der Tablet-Offensive gibt es allerdings auch Kritik. Die Grünen in Wiesbaden meinen, Tablets hätten nichts in den Händen von Kleinkindern zu suchen. "Dass Kleinkinder bereits vielfach mit Smartphones und Tablets ruhig gestellt werden und sich dies negativ auf ihre weitere Entwicklung auswirkt, müsste doch eigentlich bekannt sein", sagt Karl Braun, sozialpolitischer Sprecher der Wiesbadener Grünen.

Brauns Ansicht nach entstehen Defizite im Bereich Motorik und Empathie. Kneten, Malen oder Basteln seien viel wertvoller. Erzieherin Sonnenberg meint dagegen, das Tablet sei nur ein Spielzeug von vielen.

Sendung: hr4, 02.09.2019, 14.15 Uhr

Ihre Kommentare iPads für Kita-Kinder: Pädagogisch sinnvoll?

18 Kommentare

  • Kinder lernen im Kindergarten auch nicht den Umgang mit Zigaretten, Alkohol und Medikamenten. Mitmachen muss man nicht alles.

  • Ich empfehle, sich mal folgenden hochinteressanten Vortrag von Prof. Manfred Spitzer
    (Hirnforscher) zum Thema Lernen zu Gemüte zu führen.

    https://www.youtube.com/watch?v=oB55Iqwy1w8

    Man braucht etwas Durchaltevermögen um zu den interessanten Stellen zu
    kommen. Bis etwa zur 15. Minute geht es um Grundlagen.
    Bei Minute 16:30 kommt eine sehr interessane Grafik, auf die er sich im
    Folgenden öfters bezieht.

    Ich finde, es lohnt sich, den Vortag bis zum Ende anzusehen.

    Spitzer befürwortet ein Handyverbot für Schüler (ab Minute 45:20)

    Ab Minute 46:40 wird über Studien zur Einführung von Computern in Schulen
    berichtet.

    Spannend ist auch eine Studie über die Auswirkung von Playstationnutzung
    in der Freizeit ab Minute 64:30.

  • Sind digitale Geräte wirklich so furchtbar?
    Wichtig hierbei ist doch, die Werkzeuge an die Hand zu geben, um mit der Masse an digitalen Geräten umgehen zu können. Die Kids müssen einen gesunden Umgang mit den digitalen Medien lernen. Wenn wir so tun als wäre es kein Thema, ignorieren wir einen ganz großen Entwicklungsbereich und Interessenbereich von Kindern.
    Das tablet als Ergänzung im Alltag einsetzen. Sie sind Werkzeuge wie Pinsel, Hammer oder Kleber. Geheimnisse mit dem tablet erkunden, lässt die Kinder neugierig werden.

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