Mobile Kaffeemaschine steht in einer Parklücke
Kaffee gibt es auch: Eine mobile Kaffeemaschine stet beim Parking-Day in Kassel in einer Parklücke. Bild © Jens Wellhöner

Eine Kaffemaschine, Zimmerpflanzen und Campingstühle: Umweltschützer besetzen in fünf hessischen Städten Parkplätze und machen es sich darauf gemütlich. Einige Autofahrer finden das nicht besonders witzig.

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Wer an diesem Wochenende in Kassel, Darmstadt, Frankfurt, Offenbach und Fulda parken will, könnte eine Überraschung erleben: Denn Aktivisten von Greenpeace, ADFC, BUND und anderen Umweltverbänden haben einige Parkplätze in den Innenstädten besetzt, dort Wohnzimmermöbel aufgestellt, einige spielen auf den Parkplätzen sogar Badminton und lassen es sich gut gehen.

Die Aktionen gehören zum weltweiten "Parking Day". Er soll darauf aufmerksam machen, dass es in Großstädten zwar viele Parkplätze und Straßen, aber zu wenige Wohnungen und zu wenig Grün gibt.

Wohnzimmermöbel auf dem Parkplatz

In Kassel zum Beispiel haben die Aktivisten Parkplätze am Ständeplatz besetzt, am Rande der City.  Motorräder und Autos fahren vorbei, doch Barbara Lehmann vom BUND trägt gerade eine Zimmerpflanze herbei und stellt sie liebevoll auf dem Parkplatz ab. "Ich habe sie mitgebracht, damit es hier noch gemütlicher wird", sagt sie. Lehmann wünscht sich mehr Grün in den Städten und weniger zubetonierte Flächen. Auf einigen Parklücken stehen Liegestühle, ein Zelt lädt zum Ausruhen ein, eine Kaffeemaschine läuft: Der Parkplatz wird zum Wohnzimmer für etwa zwei Dutzend Aktivisten.

Sie haben die Aktion bei der Stadt Kassel angemeldet und ein Schild an der Einfahrt aufgestellt, auf dem sie höflich darum bitten, hier am Ständeplatz heute nicht zu parken. BUND, ADFC, Greenpeace, studentische Gruppen: Sie alle machen mit beim Parking Day. Etwas später werden Studenten auch ein Sofa mitbringen, eine Wohnzimmerlampe daneben aufstellen. Der Platz ist mittlerweile frei dafür, denn immer, wenn Autos ihre Parklücken verlassen, nehmen die Aktivisten sie in Beschlag.

Zelt steht auf Parkplatz
Parking-Day in Kassel: Das Zelt steht. Bild © Jens Wellhöner

Autofahrer: "Wir brauchen doch die Parkplätze"

Doch nicht alle sehen das so entspannt. Ein Motorrad kommt vorbei, der Fahrer schüttelt wütend den Kopf, saust in eine Parklücke, die noch frei ist und schimpft: "Die haben eine Meise! Zu behaupten, dass es zu viele Parkplätze gibt ist Schwachsinn: Das sind Aktivisten, die keine Ahnung haben. Wir brauchen doch Parkplätze in den Innenstädten, sonst sind die Innenstädte tot!"

Andere Autofahrer, die einen Parkplatz suchen, schauen irritiert, dann wenden sie ihren Wagen und suchen woanders weiter. Lennart König vom ADFC sucht das Gespräch mit den Autofahrern, er muss sich auch unfreundliche Kommentare anhören. Doch er lächelt, verteilt Flyer, hilft sogar Autofahrern beim Ausparken. "Wir brauchen im Straßenverkehr mehr Miteinander, nicht Gegeneinander! Darum bleiben wir freundlich", sagt er.

Ein Happening mit Charme und Seifenblasen

Die Charme-Offensive der Parkplatz-Besetzer kommt bei einigen Autofahrern auch gut an. Eine Frau zum Beispiel, die gerade einen Parkschein am Automaten gezogen hat, schaut freundlich zu den Aktivisten herüber und sagt, dass sie heute nur ausnahmsweise mal mit dem Auto in die Stadt gefahren sei, sonst laufe sie. Die Parking-Day-Aktion findet sie in Ordnung. Andere meinen, der ÖPNV solle bezahlbarer werden, dann brauche man auch nicht mehr so viele Parkplätze.

Als wieder ein Auto herankommt, begrüßt ein Aktivist den Fahrer mit Seifenblasen. Der lächelt etwas genervt und sucht das Weite. Die anderen Aktivisten machen es sich derweil auf ihren Liegestühlen gemütlich, während die Kaffeemaschine läuft. Der Parking Day: Ein Happening.

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"Parking-Day" in Hessen

In Hessen machen 2018 fünf Städte beim Park(ing) Day mit. Darmstadt, Frankfurt, Kassel, Offenbach und Fulda. Die Aktion wird unter anderem von Greenpeace, dem Bund für Umwelt und Naturschutz und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club unterstützt. In Darmstadt und Kassel wurden am Freitag, 21. September, die Parkplätze in der Grafenstraße und am Ständeplatz besetzt. In Frankfurt schlagen die Park(ing)-Day-Aktivisten am Samstag, 22. September, zu. Hier ist die Töngesgasse ab 10 Uhr Schauplatz der Aktion. In der Offenbacher Waldstraße werden am 22. September ab 12 Uhr Parkplätze besetzt, in Fulda am Samstag ab 11 Uhr die Parkplätze in der Friedrichstraße.

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Parking Day

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Ihre Kommentare Camping und Kaffee auf dem Parkplatz - gute Idee, oder Quatsch?

48 Kommentare

  • Wetten das ???
    Solch eine Parkraumbehinderung hätte bei mir nicht allzulange gedauert.
    Da hätte mal diese Leute sehen können, wie schnell man aus drei "besetzten"
    Parkflächen in Sekundenschnelle Drei freie Parkplätze machen kann.
    Und der Gesetzgeber hätte mir sogar Recht geben müssen, diese "Störer" aber
    sich vor Gericht verantworten dürfen.

  • Debatten können dann zielführend sein, wenn die Äußerungen der Gegenseite aufrichtig widergegeben werden. Wer aus Menschen, die den Individualverkehr begrenzen möchten, pauschal und unreflektiert "Gegner des Individualverkehrs" macht, trägt nichts Produktives zu einer Debattenkultur bei, sondern dokumentiert nur seine Rechthaberei und kognitive Begrenztheit.

    Ich unterscheide stets zwischen Menschen, die aus persönlichen oder beruflichen Gründen darauf angewiesen sind, den eigenen PKW (punktuell) zu nutzen und solchen, die aus Bequemlichkeit und Rücksichtslosigkeit auf Mensch und Natur JEDE Fahrt mit dem PKW machen. Und sei es nur zum nächsten Briefkasten oder Zigarettenautomaten. Für Erstere habe ich Verständnis, für Letztere nicht. Sie sind es, die durch ihre Gedankenlosigkeit für den Klimawandel verantwortlich sind, weil sie nach dem Motto "Nach mir die Sindflut" handeln. Und: die Sindflut wird kommen.

  • JOO !! verzichten wir auf das Auto, die KFZ-Steuer, damit verbunden Umsatzsteuer für Neuwagen, Öko-/Steuer auf Kraftstoffe wie Benzin usw. dann sind Arbeitsplätze in der Automobil- und Zulieferindustrie weg, aber was soll's sind doch nur x MRD !!!, wir haben es doch! Aber ich befürchte dann ist auch für Soziales kein Geld mehr da oder neue Wohnungen. Der Lebensstandard wird definitiv geringer sein, wenn man die 4 Grundrechenarten einigermassen beherrscht! neue Steuern wenn kein Geld da ist, dürfte auch nicht der Bringer sein. Aber der Staat kann ja Schulden machen, kein Problem!!! ... nur das klappt auch nicht mehr wie die Vergangenheit gezeigt hat. Ich bin sicher der Öko-Lifestyle ohne Auto und dem ganzen industriellen 'Gedöhns' der dranhängt wird uns zu einer neuen Blüte führen; ich hoffe das ich das nicht mehr erleben werde, dafür bin ich Gott Sei Dank zu Alt!

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