Das Marburger Autokino lädt zur Elektro-Party mit mehreren DJs. Tanzen kann man zwar nicht so richtig, aber das fast ausgestorbene Veranstaltungsformat lässt Kulturschaffende trotzdem hoffen.

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hessenschau vom 13.05.2020
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Auf dem Marburger Messeplatz findet am 13. Mai die erste Autokino-Disko Hessens statt. Statt einen Film zu sehen, können die Besucher ihr Autoradio aufdrehen und vier Stunden lang elektronische Tanzmusik hören. Auf der Leinwand können sie den DJs auf der Bühne beim Auflegen zuschauen und im Auto mitfeiern - so weit es der Platz zulässt. Im Anschluss läuft der Musik-Kultfilm "Berlin Calling".

Für das Programm des Drive-in-Clubs ist das DJ-Kollektiv "Marburger Clubs united" zuständig. Mehrere DJs aus der Stadt wollen nacheinander auflegen, sich gegenseitig "batteln" und für "richtig gute Stimmung" sorgen, sagt Sprecher Stefan Oberhansl. Außerdem habe man den niederländischen DJ Woody van Eyden für den Abend gewinnen können.

"Das wird ein Heidenspaß"

Oberhansl erklärt, dass auch für DJs der Lockdown sehr schwer sei – und das nicht nur, weil momentan alle Clubs geschlossen sind und aller Voraussicht noch lange bleiben werden. "Sie vermissen auch das Publikum sehr." Um die Kosten, etwa für Bühnentechnik und Ordner zu decken, kostet die Veranstaltung zwar Eintritt, aber die DJs legen ehrenamtlich auf.

Man wolle schauen, ob das Format ankommt und mit der Veranstaltung auch eine Art Lebenszeichen von sich geben. "Und obwohl die Leute im Auto sitzen und nicht tanzen können, glauben wir, dass das trotzdem ein Heidenspaß wird." Durch Lichteffekte solle auf dem Messeplatz außerdem für eine "clubähnliche Atmosphäre" gesorgt werden.

Don’t drink and drive

Die Party folgt strengen Regeln. Laut Veranstaltungsfirma Depro dürfen bis zu vier Personen gemeinsam in einem Auto sitzen. Einlass sei eine Stunde vor Beginn, vor Ort werde den Besuchern ein Stehplatz zugewiesen. Der Sound von der Bühne wird per Radiofrequenz empfangen. Die Fenster müssten allerdings die ganze Zeit geschlossen sein und verlassen dürfe man das Auto nur "in Notfällen", etwa für den Gang zu Toilette.

Vor Ort würden vorbestellte Snacks verkauft, doch Besucher könnten sich auch Getränke und Verpflegung mitbringen. Dass Alkohol für viele Menschen zur Club-Nacht dazugehört, ist auch Mitorganisator Stefan Oberhansl klar. "Wir wollen auf der Leinwand darauf hinweisen, dass die Leute nicht betrunken Autofahren sollen - aber letztlich ist dafür ja jeder selbst verantwortlich." Das sei in jeder Kneipe seiner Meinung ja auch so. "Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass die Polizei an dem Abend Autofahrer in der Gegend besonders kontrolliert."

Autokino als Format der Zukunft?

Die Drive-in-Party dürfte nicht die letzte ungewöhnliche Veranstaltung in einem Autokino sein. In Nordrhein-Westfalen wurde bereits in einem Autokino geheiratet, Bands und Comedy-Künstler treten derzeit immer öfter vor geparkten Autos auf. Auch für das Marburger Areal gebe es laut dem Betreiber bereits verschiedene Ideen und Anfragen, um es auch anderweitig zu nutzen, etwa für Gottesdienste oder von Firmen. Noch sei aber nichts offiziell.

Auch Stefan Oberhansl vom Marburger DJ-Kollektiv setzt große Hoffnung in das fast schon in Vergessenheit geratene Format. Aus pandemischer Sicht sei das "die ideale Lösung", um Alternativangebote für die Kultur- und Veranstaltungsindustrie trotz Abstandsregelungen stattfinden zu lassen. Er könne sich alle möglichen Kulturveranstaltungen in diesem Format vorstellen. "Das könnte viele Festivalbetreiber und Kulturschaffende halbwegs über den Sommer bringen."

Sendung: hr4 für Mittelhessen, 12.05.2020, 12.30 Uhr