Jugendliche mit Smartphones

Sich eine ausgewogene Meinung bilden und Falschnachrichten entlarven: Schülerinnen und Schülern im Main-Kinzig-Kreis sollen mithilfe einer App lernen, wie das geht. Sie sind Teil eines bundesweiten Pilotprojekts.

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zum Video Pilotprojekt - App gegen Fake News

hs
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Jona Jaeker und seine Mitschüler sitzen im Klassenzimmer und grübeln über eine Schlagzeile, die ein Beamer an die Wand strahlt: "Japan rüstet sich für Marsmenschen-Angriff". Gemeinsam sollen die Zehntklässler jetzt diskutieren, ob es sich dabei um Fake News oder um eine wahre Nachricht handelt.

"Es klingt sehr abwegig", findet der 15-Jährige: "Aber irgendwie könnte es auch wahr sein." Während die Hälfte seiner Klasse zu dem Schluss kommt, die Nachricht sei falsch, kommt die Auflösung: Die Meldung stimmt.

Raus aus der Filterblase

Wie kann es gelingen, Artikel wie diese besser einzuordnen? Vor allem für Jugendliche, die sich hauptsächlich über Soziale Medien wie Instagram, Tiktok oder Youtube informierten, sei es oft schwer, Falschmeldungen von echten Nachrichten zu unterscheiden, sagt Dario Nassal von der Nachrichten-App Buzzard.

Schüler meldet sich in Klasse.

"Schülerinnen und Schüler bleiben heutzutage sehr schnell in ihrer eigenen Filterblase gefangen und sehen oft nur das, was ihr Freundeskreis schon geliked hat oder Bekannte ihnen zuschicken", hat Nassal beobachtet. Um mehrere Sichtweisen auf eine Debatte zu erhalten und sich eine eigene Meinung bilden zu können, müsse man sich vielfältig informieren. Dabei will Buzzard helfen.

Rein in die vielfältige Medienlandschaft

Die App bietet ihren Nutzerinnen und Nutzern an, täglich zu drei aktuellen Debatten verschiedene Standpunkte aus dem politischen Meinungsspektrum angezeigt zu bekommen, erklärt Nassal. So hätten sie einen schnellen Überblick darüber, was Zeitungen, Magazine, Blogs und Menschen in Sozialen Medien zu einem Thema schreiben - von links bis rechts. Die Medienbeiträge seien journalistisch geprüft und politisch eingeordnet, ergänzt der Gründer des Berliner Start-ups. Dafür sorge ein Team aus Journalistinnen und Pädagogen.

Weitere Informationen

Anti-Fake-News-App

Die Buzzard-App wird derzeit an 600 Schulen in elf Bundesländern genutzt. Finanziert wird das Angebot durch Stiftungen und Sponsoren, die in den jeweiligen Regionen und Landkreisen eine Partnerschaft für den Einsatz der App an Schulen übernehmen. Im Main-Kinzig-Kreis wird das Projekt durch das Gelnhausener IT-Sicherheitsunternehmen doIT solutions gesponsert. Dadurch können Jugendliche an allen weiterführenden Schulen im Kreis die App kostenlos nutzen.

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Um sich umfassender informieren und mehrere Quellen vergleichen zu können, sei die App eine gute Idee, findet Philipp Bauer. Er ist Lehrer am Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg. Das Gymnasium ist eine von drei Schulen im Main-Kinzig-Kreis, die die App im Unterricht testen möchten.

Orientierung in der Online-Nachrichtenflut

"Gerade Schüler aus niedrigeren Klassen hinterfragen Informationen weniger, die sie durch Tiktok oder Youtube aufschnappen", sagt der Englisch- und Sportlehrer. Das betreffe auch Informationen, die durch Kettenbriefe auf Whatsapp oder Instagram-Stories an die Jugendlichen verschickt werden. Die App, glaubt Bauer, könne den Schülerinnen und Schülern Orientierung in der Online-Nachrichtenflut bieten.

Die Idee mit der App findet auch Birthe Müller-Dietrich gut. Sie unterrichtet an der Henry-Harnischfeger-Schule in Bad Soden-Salmünster, die ebenfalls an dem Pilotprojekt teilnimmt. "Besonders in Hauptschulen gibt es Schüler, die sich schwer damit tun, mehrere Texte mit unterschiedlichen Perspektiven zu lesen", sagt sie. Damit alle Schüler von der App profitieren können, müsse es leichtere Zugänge zum politischen Meinungsspektrum geben - beispielsweise durch Videos.

Bei Jona Jaeker und seinen Klassenkameraden kommt die App bereits gut an. "Ich finde es sehr sinnvoll, weil man durch die verschiedenen Artikel viel einfacher zwischen Dingen differenzieren kann", sagt der Schüler. Ein Schuljahr lang wird er die App im Unterricht ausprobieren können. Bis dahin hoffen die App-Macher, noch mehr Schulen in Hessen ins Boot zu holen. 15 Schulen im Main-Kinzig-Kreis hätten bereits Interesse angemeldet.

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