Schülerinnen und Schüler sitzen mit zwei Metern Abstand an Tischen in der Turnhalle.

Nach den Osterferien soll an den Schulen regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Wie das aussehen könnte, zeigt ein Pilotversuch in Riedstadt. Hier testen sich die Schülerinnen und Schüler selbst.

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40 Schülerinnen und Schüler sitzen am Donnerstag mit zwei Metern Abstand an Einzeltischen in der Turnhalle der Martin-Niemöller-Schule in Riedstadt (Groß-Gerau). Was nach einer Prüfungssituation aussieht, ist Teil eines Pilotversuchs des Kultusministeriums: Unter Anleitung testen sich die Jugendlichen selbst auf das Coronavirus.

Leon Bau vom Roten-Kreuz-Ortsverband in Riedstadt macht den Schülern vor, wie es geht: Teststreifen und Tupfer aus der Verpackung nehmen, zwei Zentimeter tief in die Nase stecken und dann 15 Sekunden lang hin und her drehen. Anschließend kommt der Tupfer in eine Lösungsflüssigkeit, die nach 15 Minuten anzeigt, ob der Test positiv ist.

Schulleiter: "Logistische Herausforderung"

"Wenn es zu einem positiven Ergebnis käme, müssten wir damit ganz entspannt umgehen", sagt Schulleiter Martin Buhl. "Wir vermeiden in der Schule Stigmatisierung. Bei uns ist es egal, ob jemand ein Bein ab hat, schwarze oder grüne Haare. Also werden wir auch mit einem positiven Corona-Test gut umgehen können." Die Eltern der Betroffenen würden informiert, anschließend müssten die Schülerinnen und Schüler einen PCR-Test machen, um das Ergebnis zu bestätigen. Die Verantwortung liege dann nicht mehr bei der Schule, sondern beim Gesundheitsamt.

Die Testaktion in der Turnhalle sei eine logistische Herausforderung gewesen, berichtet Buhl. Wichtig sei, dass alle Schüler und Lehrer den Ablauf einmal vorgemacht bekämen. "Wenn wir das für alle 350 Schüler anbieten wollen, geht das nur im Klassenraum. Wir haben gerade gesehen, dass es mindestens 40 Minuten dauert, bis sich alle getestet haben." Dass dafür eine komplett Schulstunde wegfalle, nehme er zum Schutz der Schüler und Lehrer aber gerne in Kauf. "Ich glaube, den Preis kann man zahlen."

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Ein negativer Corona-Test.
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14 Millionen Selbsttests bis zu den Sommerferien

Auch die Schülerinnen und Schüler scheinen die Selbsttests zu begrüßen. Ein bisschen aufgeregt sei sie schon gewesen, sagt zum Beispiel die 15 Jahre alte Celine. Ihr Herz habe geklopft. "Aber jetzt im Nachhinein bin ich erleichtert." Erleichtert sind auch alle anderen in der Turnhalle: Alle 40 Tests sind an diesem Tag negativ.

An 19 weiteren Schulen wurde am Donnerstag ebenfalls zum ersten Mal selbst getestet. Ziel des Kultusministeriums ist es, dass nach den Osterferien alle Schülerinnen und Schüler unter Aufsicht der Lehrkräfte einmal in der Woche einen Corona-Schnelltest durchführen. So hatte es Kultusminister Alexander Lorz (CDU) vergangene Woche angekündigt. Das Land will dafür bis zu den Sommerferien insgesamt 14 Millionen Selbsttests zur Verfügung stellen.

GEW kritisiert Selbsttests

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Ein negativer Corona-Test.
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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert allerdings, dass die Lehrkräfte die Tests ohne das nötige Fachwissen und die passende Schutzkleidung beaufsichtigen sollen. Die Tests sollten bereits im Elternhaus geschehen, fordert die Vorsitzende Maike Wiedwald: "Oder aber - und das machen bereits einzelne Städte und Kreise - es müssen mobile Teststationen her, die an die Schulen kommen, sodass die Schülerinnen und Schüler dort die Möglichkeit haben sich testen zu lassen."

Wiedwald spielt damit auf einen eigenen Pilotversuch der Stadt Kelkheim (Taunus) an. An vier Schulen finden dort ebenfalls bereits Corona-Tests statt - allerdings nicht als Selbsttest, sondern durchgeführt von ausgebildetem Fachpersonal.

"Wir wollten die Möglichkeiten ausschöpfen, die uns zur Verfügung stehen", sagt Schulamtsleiter Gert Nötzel. In der ersten Woche hätte sich ein Drittel der Schülerinnen und Schüler testen lassen, in der zweiten schon fast 70 Prozent. Die hohe Akzeptanz zeige, dass die professionellen Tests den Eltern Sicherheit geben würden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 25.03.2021, 19.30 Uhr