Christos Assiklaris, Teilnehmer bei "Jugend forscht", vor einer Schautafel
Christos Assiklaris vor einer Schautafel mit seiner "Zukunftsvision", wie Böden wieder plastikfrei werden könnten. Bild © privat/Albert-Schweitzer-Gymnasium Offenbach

In Ozeanen und Ackerböden finden sich Unmengen von Mikroplastik. Der Offenbacher Schüler Christos Assiklaris will das Problem mit plastikfressenden Pilzen angehen - dafür wurden er und zwölf weitere Nachwuchsforscher beim Landesentscheid von "Jugend forscht" ausgezeichnet.

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Update: 13 Nachwuchsforscher zum Bundesentscheid

Christos Assiklaris hat es geschafft. Wie der Pharmakonzern Merck am Donnerstag in Darmstadt mitteilte, ist der Offenbacher Schüler einer von 13 "Jugend forscht"-Teilnehmern, die den hessischen Landesentscheid gewonnen haben und am Bundeswettbewerb vom 16. bis zum 19. Mai in Chemnitz teilnehmen dürfen. Die weiteren Sieger sind: Vinh Phuc Tran (17, Darmstadt), Aaron Schlitt (17), Jochan Brede (17), Leon Kausch (20), Leon Nitsche (16) und Moritz Grumann (18, alle Kassel), Tom Götz, Moritz Neumann (beide 16) und Nikita Tatsch (17, alle Lampertheim), Xenia Epp und Lisa May (beide 16) sowie Emily Bauer (13, alle Marburg). Für den Landesentscheid hatten sich insgesamt 72 Nachwuchsforscherinnen und -forscher beworben.

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Weißer Kittel, Gummihandschuhe, in der einen Hand eine Pipette, in der anderen eine Petrischale - so sitzt Christos Assiklaris im Labor des Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen am Julius-Kühn-Institut in Darmstadt. "Ich wollte schon immer in die Forschung", sagt Assiklaris, und das hat er geschafft. Der Schüler aus Offenbach war einer von 13 Finalisten beim Landeswettbewerb "Jugend forscht".

Assiklaris hat sich mit einem Thema befasst, das uns alle angeht: Plastikmüll. Mikroplastik, also kleinste Kunststoffteilchen, findet sich massenhaft in Ozeanen und in landwirtschaftlichen Böden. Für das Problem hat der 17-Jährige womöglich eine Lösung gefunden. Mit der Verve eines Heranwachsenden verkündet er: "Ich habe Pilze gefunden, von denen man noch nicht wusste, dass sie Kunststoff abbauen können."

Pilze werden bereits im Ökolandbau eingesetzt

2012 entdeckten Biologen im Amazonas erstmals einen Pilz, der Kunststoffe zersetzen kann. Der Offenbacher Jungforscher kennt nun weitere. "Pilze, die man überall findet", sagt Christos Assiklaris. In der biologischen Landwirtschaft werden diese Pilze bereits zur natürlichen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Assiklaris entdeckte, dass die Lebewesen ein Enzym besitzen, das mit Wasser reagiert und dann auch Plastikteilchen fressen kann.

Christos Assiklaris präsentiert bei "Jugend forscht" seine Arbeit
Christos Assiklaris präsentiert bei "Jugend forscht" Pilze, die Kunststoff abbauen können. Bild © Bo Hyun Kim

Stolz präsentiert der Schüler seinen Versuchsaufbau, mit dem er an "Jugend forscht" teilnimmt: In seinem Fermentator, einem Glasgefäß, schwimmen bunte Plastikteile im Wasser. Der Fermentator sorgt für eine Art Strudel, damit die Plastikteile ständig in Bewegung sind. So reagiere das Plastik besser mit dem Enzym aus den Pilzen, erklärt Assiklaris. Für Anschauungszwecke ist diese Anordnung besser geeignet. Zur Anwendung bringen will der 17-Jährige seine Entwicklung jedoch in Böden, in denen sich inzwischen massenhaft Mikroplastikteile finden.

"Andere gingen ins Schwimmbad, er ins Labor"

Die Pilze können im Anschluss an die Fermentierung außerdem verwendet werden für biologischen Pflanzenschutz, so wie es im Öko-Landbau auch schon passiert, wie der Jungforscher weiter erläutert. Er habe den Versuchsablauf auch so weit optimiert, "dass wir nach drei Tagen 87 Prozent des Kunststoffs abbauen können". Für seine Entwicklung bekam der Jungforscher bereits einen Sonderpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zugesprochen.

Viele Stunden Arbeit habe er dafür investiert, bestätigt sein Projektbetreuer und Laborleiter Dietrich Stephan. Während eines Betriebspraktikums am Darmstädter Forschungsinstitut habe Christos Assiklaris mit seiner Forschung begonnen und darüber hinaus viel Freizeit geopfert. "Andere sind ins Schwimmbad gegangen, er kam ins Labor", erzählt Stephan: "Schön zu sehen, wenn Schüler sich so für die Forschung interessieren."

Am Donnerstag werden die Sieger gekürt

Neben Christos Assiklaris hatten sich 71 weitere junge Forscherinnen und Forscher mit 36 Projekten für das Landesfinale des wissenschaftlichen Nachwuchswettbewerbs qualifiziert. Am Mittwoch stellten sie ihre Arbeiten einer Fachjury vor, am Donnerstag durften dann auch interessierte Normalbürger zuschauen. Die Nachwuchsforscher präsentierten ihre Projekte in den sieben Wettbewerbskategorien Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kürte anschließend die Sieger.

Vielleicht könne er mit seiner Entdeckung im Kampf gegen Plastikmüll helfen, sagt Christos Assiklaris. Außerdem ist sich der 17-Jährige jetzt sicher: "Ich werde auf jeden Fall später in die Forschung gehen. Je schneller, desto besser!" Sagt er und widmet sich wieder seiner Petrischale, Pipette und Pilzen.