Polizisten tragen einen Demonstranten weg.

Die Polizei hat eine Blockade prokurdischer Aktivisten der Kasseler Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann beendet. Sie hatten sich an das Werksgelände gekettet und ein Dach erklommen, um gegen Waffenlieferungen an die Türkei zu protestieren.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Polizei löst Blockade auf

Prokurdische Aktivisten hissen ein Plakat auf dem Werksgelände.
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Am Mittwochnachmittag begann die Polizei damit, Schlösser, mit denen sich Demonstranten an das Werkstor des Kasseler Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann gekettet hatten, zu knacken. Spezialkräfte räumten mit technischer Unterstützung der Kasseler Feuerwehr das Dach eines Werksgebäudes, auf das einige Aktivisten geklettert waren. Dort hatten sie ein Transparent mit der Aufschrift "Kein Krieg in Nordostsyrien" entrollt.

Protest gegen Waffenlieferungen

Die Beamten sprachen von etwa einem Dutzend maskierter Personen, die sich an der Protestaktion beteiligt hätten. Sie hatten unter anderem Zufahrten blockiert und meterhohe Gerüste aufgebaut, auf denen sie Position bezogen.

Bei den Aktivisten handelte es sich nach eigenen Angaben um eine "autonome Kleingruppe, die sich alleinig zum Zweck dieser Aktion zusammengefunden hat". Sie protestierten gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien und die Lieferung von Waffen aus Kassel an die Türkei, wie sie in einer Mitteilung schrieben.

Unterstützung kurdischer Frauen

"Der Konzern produziert unter anderem Leopard II Panzer, die in Nordsyrien gegen die Zivilbevölkerung zum Einsatz kommen", teilten die Demonstranten mit. Außerdem wollen sie mit ihrem Protest den Kampf der kurdischen Frauen in der Provinz Rojava unterstützen.

Alarmiert wurde die Polizei gegen 8 Uhr am Morgen von Werksmitarbeitern. Sie griff zunächst nicht ein und setzte nach eigenem Bekunden auf Verhandlungen. Man habe mehrfach auf das Versammlungsrecht hingewiesen und die Aktivisten aufgefordert, ihre Vermummungen abzulegen sowie einen Ansprechpartner zu benennen, sagte ein Polizeisprecher. "Das traf auf wenig Gesprächsbereitschaft."

Elf Festnahmen

Aktivist auf einem dreibeinigen Stahlgestell

Schließlich begann die Polizei mit der Räumung. Sie sei weitgehend friedlich verlaufen, so die Einsatzkräfte. Elf Aktivisten seien vorläufig festgenommen worden. Gegen sie werde nun wegen Hausfriedensbruch, Nötigung und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz ermittelt.

Linke zeigt sich solidarisch

Die Linksfraktion im Landtag solidarisierte sich mit den Aktivisten. "Die Türkei setzt in Nordsyrien unter anderem Leopard-II-Panzer ein, deren Geschütztürme bei Krauss-Maffei Wegmann in Kassel hergestellt werden", sagte Jan Schalauske, friedenspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion.

"Dieser völkerrechtswidrige Angriff, die Vertreibung hunderttausender Menschen sowie der derzeitige Besatzungszustand müssen beendet werden."

Sendung: hr1, 23.10.2019, 17.00 Uhr