Ein Polizist und eine Polizistin mit OP-Masken in einer Flughafenhalle.

Die Omikron-Variante könnte sich in kürzester Zeit explosionsartig ausbreiten, warnen Experten. Reihenweise könnten auch Feuerwehrleute, Lehrer oder Pflegekräfte erkranken. Gibt es für diesen Fall einen Plan?

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Omikron auf dem Vormarsch – Reaktionen auf neue Beschränkungen

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Die Corona-Zahlen in Hessen sinken seit Tagen, die landesweite Inzidenz lag am Dienstag nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur noch haarscharf über 200. Selbst die Zahl der Krankenhauseinweisungen stagniert, wenn auch auf immer noch hohem Niveau. Die Lage entspannt sich rechtzeitig vor den Weihnachtsferien, könnte man meinen.

Doch der Schein trüge, warnen Experten. Schuld ist die neue Omikron-Variante, die in Großbritannien bereits 60 Prozent aller gemeldeten Corona-Fälle ausmacht. Statistiker beobachten, dass sich die Zahl der Infektionen mit der neuen Variante dort alle zwei bis drei Tage verdoppelt.

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Wie sich Omikron in Hessen ausbreitet

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Wie viele Menschen sich derzeit in Hessen mit Omikron anstecken, kann niemand genau sagen. Laut der jüngsten Erhebung des RKI mit Stand 12. Dezember macht Omikron hierzulande bisher rund ein Prozent der gemeldeten Corona-Fälle aus. Die Zahl ist aus einer Stichprobe von einem Zehntel der registrierten Neufälle hochgerechnet und hat auch deswegen eine begrenzte Aussagekraft, weil sich Omikron noch sehr ungleich über Deutschland verteilt.

Hohe Ansteckungsgefahr - auch für Geimpfte

Trotzdem: Die Geschwindigkeit, mit der sich Omikron ausbreitet, beunruhigt schon jetzt. Denn es ist nicht sicher, wie gut die bisher zugelassenen Impfstoffe vor einem schweren Krankheitsverlauf mit Omikron schützen. Das Robert-Koch-Institut stuft die Gefahr einer Ansteckung seit dieser Woche auch für Geimpfte und Genesene als hoch ein. Zudem empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Booster-Impfung neuerdings schon nach drei Monaten. Grund auch hier: Omikron.

Bund und Länder beschlossen deshalb am Dienstag auch, genauer auf die Pandemiepläne von wichtigen Einrichtungen wie Feuerwehr, Kliniken und Stromversorgern zu schauen - und gegebenenfalls nachzubessern. Zuvor hatte der Corona-Expertenrat der Bundesregierung vor einer extremen Belastung der gesamten kritischen Infrastruktur gewarnt. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten zeitgleich erkranken oder in Quarantäne müssen, so die Befürchtung. Wären die entsprechenden Einrichtungen in Hessen auf ein solches Szenario vorbereitet?

Polizeigewerkschaft: "Dürfen uns nicht selbst lähmen"

Bei der Polizei sei das der Fall, ist das Innenministerium überzeugt - und zwar "an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt". Seit Pandemiebeginn seien die Polizisten in Schichten eingeteilt, die sich nicht mischen sollen. Notfalls werde Personal innerhalb der Präsidien in anderen Rollen eingesetzt oder die Bereitschaftspolizei helfe aus. Ein Landeseinsatzstab koordiniere das ebenso wie weitere organisatorische Maßnahmen. 

Die Polizei sei vorbereitet, meint auch Björn Werminghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Die Beschäftigten im "operativen" Geschäft seien zu nahezu 100 Prozent geimpft, viele hätten bereits ihre Drittimpfung erhalten. Im Büro würden Konferenzen wie in anderen Firmen auch auf das Nötigste begrenzt oder die Arbeit gleich ins Homeoffice verlegt. Die Polizei werde ihre Beamten aber noch einmal sensibilisieren und gegebenenfalls Maßnahmen verschärfen, kündigte Werminghaus an.

Der Gewerkschaftsvorsitzende wies jedoch darauf hin, dass die Arbeitsbelastung für die Polizistinnen und Polizisten durch die vielen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen auch in kleineren Gemeinden zunehme. "Hier darf man sich nicht mit überzogenen Kräfteansätzen selbst lähmen", so Werminghaus. Es sei an den Versammlungsbehörden, solche "Spaziergänge" möglichst zu verbieten, denn "klare Regeln und Auflagen oder Verbote erleichtern die Arbeit der Polizei ungemein".

Hohes Verantwortungsbewusstsein bei der Feuerwehr

Bei der Frankfurter Feuerwehr sieht man sich ebenfalls gegen Omikron gerüstet. Dank der strengen Vorgaben auf den Wachen und der hohen Verantwortungsbereitschaft der Mitarbeiter sei die Feuerwehr bisher gut durch die Pandemie gekommen, sagte ein Sprecher. Bei der Feuerwehr gebe es immer schon Bereitschaftsdienste, auf die zum Beispiel in Grippewellen zurückgegriffen wurde.

Oberste Priorität habe dabei die Besetzung der Einsatzwagen, dafür würden notfalls auch Mitarbeiter aus dem Büro abgezogen - "alles normale Maßnahmen", so der Sprecher. Der Deutsche Feuerwehrverband werde in Kürze Empfehlungen an die einzelnen Feuerwehren verschicken, wie mit der neuen Variante umzugehen sei.

Das Innenministerium wies außerdem darauf hin, dass eine Nachbarwehr die Rufbereitschaft übernehmen könne, falls eine Stadt- oder Ortsteilfeuerwehr komplett ausfallen sollte. Bisher sei es dazu aber nicht gekommen.

95 Prozent der Lehrkräfte geimpft

Angesichts der jüngsten Entwicklungen bleibt auch das hessische Kultusministerium entspannt. 95 Prozent aller Lehrkräfte in Hessen seien geimpft, die Booster-Quote gehe ebenfalls nach oben, teilte das Ministerium mit. Daher solle an den einzelnen Schulen flexibel auf einen möglichen Omikronausbruch reagiert werden. Wenn Lehrkräfte erkranken, müsse Unterricht ausfallen oder digital stattfinden. Flächendeckende Schulschließungen hatte auch die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) ausgeschlossen.

Mögliche Ausfälle bei der Hessischen Landesbahn

Die Hessische Landesbahn (HLB) warnt derweil vor möglichen Ausfällen im Nahverkehr. Sollte es einen größeren Ausbruch geben, müssten "zahlreiche Busse und Bahnen stehen bleiben", sagte eine Sprecherin. Vereinzelt ließen sich Krankmeldungen mit Reservediensten abfangen, aber einen Notfallplan gebe es nicht. "Dafür fehlt schlicht das Personal."

Die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) entwickelt dagegen gleich mehrere Notfallpläne, je nachdem, ob die Schulen auf oder zu sind oder die Geschäfte geöffnet haben. Im Busverkehr würden aktuell schon Mitarbeiter anderer Betriebe aushelfen, teilte ein Sprecher mit. Derzeit sei absehbar, dass über die Weihnachtsfeiertage ausreichend Personal zur Verfügung stehe. Ein Krisenstab komme täglich online zusammen.

Die Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) teilte mit, auch ihr Ziel sei es, den Betrieb so lange wie möglich "in gewohnter Form" aufrechtzuerhalten. Ob es einen auf Omikron angepassten Plan gibt, sagte sie nicht. Für Mitarbeiter gebe es Impfangebote.

Hunderte Flughafen-Mitarbeiter im Homeoffice

Der Flughafenbetreiber Fraport ist zuversichtlich, dass es wegen Omikron nicht zu Ausfällen kommen wird. Die Einhaltung der 3G-Regel werde streng kontrolliert, außerdem gebe es Impfangebote für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 2.500 Beschäftigte arbeiten den Angaben zufolge im Homeoffice.

Sollten trotzdem viele Mitarbeiter gleichzeitig ausfallen, gebe es für die einzelnen Bereiche verschiedene Notfallkonzepte. Die Flughafen-Feuerwehr beispielsweise habe ihre Einsatzkräfte in Schichten eingeteilt, die sich nicht mischen. Außerdem bestehe auf allen Feuerwachen am Flughafen FFP2-Masken-Pflicht. Die weitere Entwicklung beobachte man im engen Austausch mit dem Sozialministerium.

Müllabfuhr und Strom sichergestellt

Bei den Entsorgungsbetrieben der Städte Frankfurt, Wiesbaden und Kassel liegen die Notfallpläne schon in der Schublade. Die Frankfurter FES teilte mit, der Krisenstab sei alarmiert und habe die Aufgaben bereits priorisiert. Ähnlich ist es in Wiesbaden, wo zudem bereits 90 Prozent der Mitarbeiter geimpt seien. Eine Sprecherin der Stadtreiniger Kassel äußerte sich ebenfalls optimistisch. Im Notfall könnten Fahrerinnen von Recyclinghöfen oder aus der betriebseigenen Werkstatt abgezogen werden, Kollegen aus der Straßenreinigung könnten beim Müll einsammeln helfen, sagte sie.

Länger arbeiten müssten dagegen die Mitarbeiter des Frankfurter Energieversorgers Mainova. Sollte das Personal knapp werden, könnten die Schichten verlängert werden, damit die Energie- und Wasserversorgung weiterläuft. Damit es dazu nicht kommt, seien viele Mitarbeiter im Homeoffice oder dürften ihre Dienstfahrzeuge mit nach Hause nehmen, um möglichst kontaktfrei zur Arbeit zu kommen. Das größte Augenmerk liege auf dem Schutz der Mitarbeiter, sagte ein Sprecher.

Kliniken: Ruhe vor dem Sturm

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In den Krankenhäusern, wo die Situation seit Wochen angespannt ist, wird ebenfalls auf die schnelle Ausbreitung von Omikron reagiert. Noch herrscht auch auf den Stationen die Ruhe vor dem Sturm. Das wolle man nutzen, um das Personal zu schonen, teilten etwa die Agaplesion-Kliniken mit. Einige Stationen würden deshalb über Weihnachten ganz geschlossen. So dürfen die Pflegekräfte endlich mal durchatmen. Wenn die Fallzahlen dann im Januar wie erwartet in die Höhe schießen, gebe es Konzepte, um schnell zu reagieren.

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