Pferde auf einer Weide

Bei Pferdebesitzern in Nord-, Ost- und Mittelhessen macht sich Angst breit. In den sozialen Netzwerken teilen sie Bilder von möglichen Pferdedieben. Mehrere mysteriöse Begegnungen sorgen für noch mehr Beunruhigung.

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Audioseite Versuchter Pferdeklau im Schwalm-Eder-Kreis

"Im frühmorgendlichen Nebel grasen diese Pferde und genießen ihr Frühstück", schreibt uns hessenschau.de-Nutzerin Ilona Nickel aus Siegbach-Tringenstein (Lahn-Dill) zu Ihrem Foto.
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Es sollte ein entspannter Ausritt am Wochenende werden, jetzt schläft Bianca S. aus Frielendorf (Schwalm-Eder) aus Angst in einem Wohnwagen in der Nähe ihrer Pferde.

Vor rund einer Woche bringt die 47-jährige ihre Tochter zum Stall, wo die beiden Pferde der Familie stehen. Während ihre Tochter mit einer Bekannten ausreitet, bleibt der Sohn in einem Wohnwagen, der seit längerem neben der Pferdekoppel steht und lernt für die Schule.

Unbekannte locken Tiere mit Futter

Plötzlich fällt dem Zehnjährigen etwas Seltsames auf. Zwei unbekannte Männer fahren mit einem schwarzen Auto mit Pferdeanhänger zum Feld, steigen mit einer Schüssel voller Pferdefutter aus und gehen zu den Tieren auf die Wiese. Als der Junge aus dem Wohnwagen kommt, merken die beiden Männer, dass sie doch nicht alleine auf der Weide sind und flüchten.

Haben die Unbekannten versucht, ein Pferd zu stehen? Für Bianca S. ist das keine Frage: "Unsere Pferde stehen an einem Feldweg außerhalb des Ortes in einer Sackgasse, niemand kommt hier zufällig vorbei." Die 47-Jährige hat Angst um ihre Pferde, denn es ist nicht der einzige Vorfall dieser Art.

Viele verdächtige Beobachtungen

Seit Anfang Juni erreichen die Polizeipräsidien in Mittel-, Nord- und Osthessen immer wieder besorgte Anrufe von Pferdebesitzern. Immer geht es um einen Transporter oder Sprinter, aus dem heraus Unbekannte Pferdekoppeln oder Reitanlagen beobachten, Tiere fotografieren oder sogar anlocken.

Ob es sich dabei tatsächlich um Pferdediebe handelt, weiß die Polizei nicht. "Wir nehmen die Vorfälle aber ernst", sagt Markus Brettschneider, Pressesprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Der letzte ihm bekannte Vorfall war in der Nacht zum Montag. Unbekannte hätten in Niedenstein (Schwalm-Eder) einen Weidezaun beschädigt und dann drei Pferden auf der Koppel Halfter angelegt, wohl um diese zu stehlen. Ein Zeuge, der zufällig vor Ort war, habe die Unbekannten gestört und dadurch vertrieben.

Polizei rät: Fotos machen und Bescheid geben

Brettschneider kann die Unsicherheit vieler Pferdebesitzer in der Region verstehen, trotzdem rät er: "ruhig bleiben und nicht hysterisch werden." Wer zum Beispiel ein verdächtiges Auto in der Nähe eines Stalls beobachtet, sollte Fotos machen und schnell die Polizei rufen, damit die den Fahrer dann überprüfen kann.

Auch Bianca S. hat sich an die Polizei gewandt. Leider waren die unbekannten Männer weg, bevor die Polizei sie überprüfen konnte. Um sicherzugehen, lässt sie ihre Pferde jetzt nicht mehr unbeaufsichtigt. Wegen des Vorfalls übernachten sie oder ein Familienmitglied im Wohnwagen neben der Koppel. An ruhigen Schlaf ist da gar nicht zu denken: "Ich bin fürchterlich angespannt. Beim kleinsten Geräusch wache ich auf." Eine Dauerlösung soll das aber nicht sein. Demnächst will sie ihre Pferde in einem Stall unterbringen, der bewacht und nachts verschlossen ist.

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