Junge Polizisten bei ihrer Vereidigung am Frankfurter Flughafen
Junge Polizisten bei ihrer Vereidigung für ihren Dienst in der Bundespolizei Bild © picture-alliance/dpa

Der Anteil der Polizeianwärter mit Migrationshintergrund hat sich in Hessen binnen sechs Jahren fast verdoppelt. Laut einer aktuellen Studie stammt jeder Fünfte aus einer Einwandererfamilie. Die Polizei will den Anteil weiter erhöhen.

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Polizist im Einsatz.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Immer mehr Polizeianwärter kommen aus Einwandererfamilien

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Mehmet, Dimitri oder Katarzyna - Namen, die immer häufiger bei der Polizei vertreten sind, vor allem bei jungen Polizisten. Denn der Anteil von Nachwuchspolizisten aus Einwandererfamilien hat sich in Hessen innerhalb von sechs Jahren fast verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Mediendienstes Integration zur Vielfalt bei der Polizei, die am Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde.

Demnach stieg der Anteil von neu eingestellten Polizisten mit Migrationshintergrund von 11,8 Prozent im Jahr 2011 auf 21,7 Prozent im Jahr 2017. Im Jahr zuvor hatte er noch bei 18,2 Prozent gelegen. "Aktuell entspricht der Anteil auch dem der Abiturienten mit Migrationshintergrund", erklärte Eva Hertel, Leiterin der Abteilung Nachwuchssicherung bei der Polizeiakademie Hessen.

Migranten-Anteil bei ausgebildeten Polizisten unbekannt

In den letzten drei Jahren seien in Hessen rund 3.000 Polizeianfänger eingestellt worden, "etwa 200 von ihnen haben eine fremde Staatsangehörigkeit", so Hertel. Die deutsche Staatsbürgerschaft sei seit 25 Jahren keine Voraussetzung mehr. Der Anteil derjenigen mit Migrationshintergrund sei aber wesentlich höher. So seien im Jahr 2017 von den 1.160 neuen Polizeianwärtern rund 250 aus Einwandererfamilien. Für alle Bewerber gelten dieselben Tests und Voraussetzungen.

Bei der hessischen Polizei werde schon seit mehr als zehn Jahren bei der Nachwuchswerbung ein Schwerpunkt auf Menschen mit Migrationshintergrund gesetzt. Laut Hertel wird es aber noch dauern, bis die Vielfalt bei der Gesamtpolizei ein ähnlich hohes Niveau wie bei den Berufsanfängern erreicht. Der Migranten-Anteil bei bereits ausgebildeten Polizisten wird in Hessen nicht erhoben. Er sei allerdings deutlich geringer als bei den Anwärtern, so Hertel.

Nichtsdestotrotz sind vor allem in Ballungsgebieten Polizisten mit Migrationshintergrund längst keine Ausnahme mehr. Laut der Studie steigt ihr Anteil vor allem dort, wo junge Leute aus Einwandererfamilien gezielt angesprochen werden.

Migrationsbeauftragte werben für Polizeiberuf

Auf der Suche nach geeigneten Bewerbern ist die Polizei in vielen Bundesländern mittlerweile nicht nur in sozialen Medien oder an Schulen unterwegs. Es gibt auch Anzeigen etwa in türkischen, polnischen oder russischen Printmedien in Deutschland. In Baden-Württemberg wirbt die Polizei seit dem vergangenen Jahr zudem mit einer neuen Website um Nachwuchs, die junge Menschen mit nicht deutscher Herkunft gezielt anspricht.

Werbeplakat der Polizei Hessen
Werbeplakat der Polizei Hessen Bild © Polizei Hessen

In Hessen wirbt die Polizei mit der aktuellen Werbekampagne "Vielfalt im Team" für den Polizeiberuf. Auf jedem Flyer oder Werbeplakat sind auch junge Menschen mit dunkler Hautfarbe abgebildet. Darüber hinaus gibt es hessenweit 19 Migrationsbeauftragte, die bei Schulbesuchen, auf Berufs- und Ausbildungsmessen von der Arbeit bei der Polizei berichten. Solche Migrationsbeauftragte gebe es nur in Hessen, sagte der Landesmigrationsbeauftragte Necati Benli, der die Arbeit der Migrationsbeauftragten koordiniert.

"Es geht auch darum, Identifikationsfiguren bei der Polizei zu haben und zu signalisieren, dass Menschen mit einem sichtbaren Migrationshintergrund genauso Polizeibeamte werden können wie jeder andere auch", betonte Hertel. Das sei wichtig und wirke auch innerhalb der Polizei. "Und das wirkt auch bei jedem Bürgerkontakt."

"Polizei ist nicht das totale Abbild der Gesellschaft"

Allerdings: Die Studie zeigt auch, dass Migranten im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung in Hessen (31,1 Prozent) bei den Polizeianwärtern unterrepräsentiert sind. Dies gilt auch für alle anderen Bundesländern bis auf Berlin und Sachsen-Anhalt.

"Die Polizei ist nicht das totale Abbild der Gesellschaft", räumte Hertel ein. Aber Diversität sei da, und sie werde auch besser. Die Bemühungen müssten weiter vorangetragen werden, damit die Polizei vielfältiger werde.

"Kein Bollwerk gegen Rechtsextremismus"

Der Polizeiforscher und Soziologe Rafael Behr von der Akademie der Polizei in Hamburg warnt jedoch vor überhöhten Erwartungen. "Beamte mit Migrationshintergrund sind kein Bollwerk gegen Rechtsextremismus und schützen auch nicht vor Rassismus", sagte er.

Allerdings sieht Behr durchaus Erfolge: Während Polizisten mit Migrationshintergrund in der Vergangenheit vor allem als "Kulturscouts" gesehen worden seien, werde heute stärker versucht, Vielfalt bei der Polizei herzustellen. Nach wie vor existiere allerdings ein Selbstbild der Polizei "das stark auf Homogenität ausgerichtet ist". Dabei habe Vielfalt in jeglicher Hinsicht auch positive Effekte auf das Miteinander innerhalb der Polizei, so Behr.

In einer früheren Version stand, dass in den letzten drei Jahren rund 3.000 Polizeianwärter mit Migrationshintergrund eingestellt worden seien. Das ist die Gesamtzahl der neuen Nachwuchspolizisten in dem Zeitraum.