Polizist von hinten, auf der Jacke steht in großen Lettern "Polizei". Daneben ein Polizei-Auto mit Blaulicht. Sujetbild.

Mit einer Online-Anzeige sucht die hessische Polizei Nachwuchskräfte - zwischenzeitlich auch auf der Internetseite der rechtsgerichteten Zeitung Junge Freiheit. Während die SPD über Motive spekuliert, spricht die Polizei von einem Fehler.

Dass die hessische Polizei Nachwuchskräfte sucht, ist nicht verwunderlich. Auch die Anzeige, mit der sie online junge Menschen für ein duales Studium begeistern will, ist nicht weiter auffällig. "Mit Blaulicht in die Zukunft", heißt es auf einem Foto mit mehreren jungen Frauen und Männern in Uniform und Schutzanzug.

Nur der Ort, an dem diese Werbung unter anderem auftauchte, sorgt für Irritation und Kritik: Sie erschien auch auf der Internetseite der rechtsgerichteten Wochenzeitung Junge Freiheit.

Auf Twitter teilte ein linkes Portal am Donnerstagabend einen Screenshot davon, überschrieben mit der sarkastischen Frage: "Sind deren rechte Leserinnen und Leser wirklich das was die Polizei braucht nach den ganzen öffentlich geworden rassistischen Chats? Eher nicht."

SPD empört über Anzeige

Über diesen Tweet wurde die hessische SPD auf die Anzeige aufmerksam. Sie äußerte am Freitag scharfe Kritik daran. "Die Nachwuchswerbung der hessischen Polizei in diesem politischen Umfeld ist eine Ungeheuerlichkeit", schrieb Günter Rudolph, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Die Junge Freiheit sei eines der wichtigsten Organe der Neuen Rechten in Deutschland, die politische Ausrichtung der Zeitung werde im Grenzbereich zwischen Nationalkonservatismus und Rechtsextremismus verortet.

Dass die hessische Polizei ausgerechnet hier mit bezahlten Anzeigen um Nachwuchs werbe, lässt nach Ansicht des SPD-Politikers nur zwei Interpretationen zu: "Entweder möchte das hessische Innenministerium gezielt national bis nationalistisch gesinnte Nachwuchskräfte gewinnen." Oder es wisse im Verantwortungsbereich von Minister Peter Beuth (CDU) niemand, wie man bei Online-Anzeigen die Schaltung in bestimmten Medien ausschließe. "Das wäre ein Beleg für digitale Inkompetenz", fügte Rudolph hinzu.

Polizei: "Zu keiner Zeit aktiv dort geworben"

Beiden Vorwürfen widersprach die Polizei am Freitag auf Nachfrage von hessenschau.de. Man sehe in der Zielgruppe des Mediums Junge Freiheit keinerlei Potenzial für die Nachwuchsgewinnung und habe zu keiner Zeit aktiv auf deren Webseite geworben, heißt es in einer Stellungnahme der Polizeiakademie.

Stattdessen erklärte sie das Auftauchen der Anzeige mit einem Fehler. Die Polizei Hessen werbe in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur auf unterschiedlichsten Kanälen, auch online mit der sogenannten Google-Ads Banner-Werbung. Dabei tauchen die Anzeigen automatisiert auf Seiten auf, wenn die Nutzerinnen und Nutzer in die festgelegte Zielgruppe passen und online vorher zum Beispiel nach bestimmten Begriffen gesucht haben.

Polizei: Seite der Jungen Freiheit unvollständig geblockt

Bei dieser Art der Anzeigenschaltung können - wie von der SPD angemerkt - einzelne Seiten ausgeschlossen werden. Das hat die Polizei nach eigenen Angaben auch so geregelt: Zum Beispiel für Seiten, die nicht mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung vereinbar sind. Auch die Seite der Jungen Freiheit sei ausgeschlossen worden - offenkundig aber nicht vollständig.

"Nach dem Stand der Prüfung waren hierbei jedoch nicht alle Schreibweisen der Landingpage des Mediums umfasst, so dass offenbar eine Ausstrahlung der Online-Werbung über Google-Ads automatisiert erfolgte", übermittelte die Polizeiakademie am Freitag.

Einzelne Zielseiten, auf die Google leitete, konnten also noch mit der Werbung versehen sein. Gemeinsam mit der Werbeagentur habe man die Fehlerquelle ausgemacht und behoben, teilte die Polizeiakademie mit: "Künftig ist eine Werbeeinblendung der hessischen Polizei auf den Seiten dieses Mediums gänzlich ausgeschlossen."