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Der hauptamtliche Geschäftsführer ging vor zwei Wochen, nun folgt der ehrenamtliche Vorstand des Frankfurter Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt. Scharfe Kritik üben AWO-Ortsvereine an den Zuständen in den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden.

In der Affäre um überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen bei der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist nun das komplette Präsidium des Kreisverbands zurückgetreten. "Ab sofort kann und muss die AWO Frankfurt reorganisiert werden. Wir haben die Weichen gestellt", heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung. Ein neues Präsidium soll am 18. Januar für eine Übergangszeit bis Ende nächsten Jahres gewählt werden.

"Zweifelsohne sind im Kreisverband Frankfurt Fehler gemacht worden", schrieb der bisherige Kreisvorstand in seiner Mitteilung: "Nach allem, was wir bis jetzt wissen, haben einzelne Personen, denen wir in der Vergangenheit vertrauten, wohl Maß und Mitte verloren." Unter diesen Fehlern litten die Menschen, die haupt- und ehrenamtlich für die Arbeiterwohlfahrt arbeiteten.

Compliance Officer arbeitet seit Freitag

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AWO-Gebäude in Frankfurt
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Auch im Sinne der AWO-Mitarbeiter erfolge der Rücktritt des Präsidiums erst jetzt, nach Wochen der Kritik wegen Luxus-Dienstwagen, teuren Hotelübernachtungen und ungewöhnlich hohen Gehältern für einige Mitarbeiter. "Es wäre niemandem geholfen gewesen, die Arbeit aufgrund lautstarker Rücktrittsforderungen Dritter einfach hinzuwerfen", heißt es in dem Schreiben. Man habe vielmehr "verantwortungsbewusst, kollegial und geordnet zahlreiche Maßnahmen eingeleitet".

Dazu gehöre, dass man mehrere Prüfungen durch unabhängige externe Wirtschaftsprüfer in Auftrag gegeben und mit Michael Bierle einen Partner der Unternehmensberatung PWC als Compliance Officer bestellt habe. Bierle solle mit seinem Team untersuchen, ob bei der AWO Frankfurt in der Vergangenheit alle Regeln eingehalten wurden, und neue Richtlinien entwickeln. Laut Mitteilung bearbeitet Bierle seit Freitag den Komplex.

Aufklärung der Affäre verspricht man sich auch von einer Task Force um die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD). Sie soll die Prüfung für den Bezirksverband der AWO vornehmen.

"Wahrnehmen, dass AWO unverzichtbar bleibt"

An den Bundesvorstand appellierte der zurückgetretene Kreisverband, "kollegial und solidarisch die erforderlichen Prüfungen und Veränderungen zu unterstützen". Und: "Die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit muss unser gemeinsames Ziel sein." Medien und Gesellschaft müssten "wahrnehmen, dass die AWO mit all ihren sozialen Einrichtungen in Frankfurt unverzichtbar bleibt".

Der Frankfurter AWO-Kreisverband steht seit Wochen in der Kritik. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Betruges und der Untreue mit Geld der Stadt - ebenso wie die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden zum dortigen AWO-Kreisverband in selber Angelegenheit.

Der langjährige Frankfurter AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter war vor zwei Wochen zurückgetreten. Richters Frau Hannelore und sein Sohn Gereon, als Geschäftsführer in Wiesbaden an zentraler Stelle, zogen sich auch von ihren Posten zurück.

Heftige Kritik von AWO-Ortsvereinen

In einer gemeinsamen Pressemitteilung übten am Freitag Wiesbadener AWO-Ortsvereine scharfe Kritik an den Vorfällen in den AWO-Kreisverbänden Wiesbaden und Frankfurt. "Für die Vertreter aus unseren Ortsvereinen ist es nicht nachvollziehbar, welches Geschäftsgebaren die Geschäftsführungen und Kreisvorstände in Wiesbaden und Frankfurt an den Tag gelegt haben", teilten die Ortsvereine Amöneburg, Kastel, Kostheim, Biebrich, Klarenthal, Dotzheim und Schierstein mit.

"Die verantwortlich handelnden Personen schenkten den Grundwerten der Arbeiterwohlfahrt nicht die gebotene Achtung, ihr Handeln war offensichtlich auf eine maximale Gewinnorientierung ausgerichtet, persönliche Vorteile wurden gesucht und offenbar gefunden", heißt es weiter in der Mitteilung.

Unterdessen kündigte der Wiesbadener AWO-Kreisverband Neuwahlen des Vorstands für den 22. Januar 2020 an.

SPD-Generalsekretär kontert CDU-Kritik

Erstmals äußerte sich die Spitze der Hessen-SPD zum AWO-Skandal. Generalsekretär Christoph Degen beklagte in der "Frankfurter Rundschau" (Samstagsausgabe), einigen AWO-Verwantwortlichen sei jedes Bewusstsein dafür abhandengekommen, was in einem Sozialverband angemessen und akzeptabel sei.

Vehement wies Degen die Kritik seines CDU-Kollegen Manfred Pentz zurück, die AWO sei zu einem "Selbstbedienungsladen hochrangiger SPDler" geworden. Dass "interessierte Kreise" versuchten, die Vorgänge bei der AWO zu nutzen, um die SPD in Misskredit zu bringen, sei nicht überraschend, so Degen. "Aber es ist eben böswillig und falsch."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt Newsflash, 20.12.2019, 14.20 Uhr