Blick auf geschmückte Weihnachtstafel mit festlichem Essen

Jeder Tag zählt: Wissenschaftler sprechen sich für einen schnellen Lockdown und gegen Lockerungen an Weihnachten aus. Eine Prognose zeigt: Vermehrte Verwandtenbesuche könnten viele Todesopfer nach sich ziehen.

Forscher haben für Hessen einen möglichst raschen Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie empfohlen. Nur durch ein temporäres Herunterfahren des öffentlichen Lebens mit strikten Maßnahmen wie der Schließung von Geschäften und Schulen könnten eine stärkere Ausbreitung des Virus und eine damit verbundene höhere Zahl an Toten verhindert werden.

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In den am Freitag von Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes veröffentlichten Ergebnissen einer Covid-19-Simulation geht es um bundesweite Zahlen, aber auch um ganz konkrete Rückschlüsse für Hessen. So würde laut Berechnungen eine geplante Lockerung der Kontaktbeschränkungen an drei Tagen über Weihnachten 2.000 zusätzliche Tote in Deutschland fordern. In Hessen läge diese Zahl durch vermehrte Verwandtenbesuche bei 130, erklärte Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie in Saarbrücken.

Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie der Universität des Saarlandes, erläutert die Grafiken aus den Berechnungen des Covid-19-Online-Simulators.

Drei Tage Weihnachten bedeuten sechs Tage Lockdown

Lehr und seine Kollegen betonten: Ohne einen schnellen Lockdown könnte das Geschehen komplett aus dem Ruder laufen. Mit dem Covid-19-Simulator haben sie mathematisch errechnet, wie sich zu unterschiedlichen Zeiten verhängte harte Lockdowns auswirken. "Drei Tage lang Weihnachten zu feiern bedeutet, dass ein um sechs oder sieben Tage längerer Lockdown danach nötig ist", warnte Lehr.

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Für Hessen wurde errechnet: Wenn bereits ab kommendem Montag ein härterer Lockdown verhängt wird, ist der Inzidenzwert am 3. Januar wieder bei 50. Dies ist das erklärte Ziel der Politik, um ein diffuses Infektionsgeschehen zu vermeiden. Aktuell liegt der landesweite Sieben-Tage-Wert bei knapp über 150 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern.

Bei einem härteren Lockdown ab Montag in Hessen, der aber Lockerungen über Weihnachten erlaubt, wäre die 50er-Inzidenz laut Berechnungen am 10. Januar erreicht. Und wenn der Lockdown nach Weihnachten käme, sei die Lage erst ab 20. Januar in Hessen wieder unter Kontrolle, erklärte Lehr im Gespräch mit hessenschau.de.

Bouffier sieht harte Einschnitte kommen

Minsterpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte am Freitag, er sehe einen harten Lockdown immer näher rücken, und nannte als mögliche Termine das Wochenende vor oder nach Weihnachten. Auch die Weihnachtsregeln müssten auf den Prüfstand. Wichtig seien ihm bundesweit einheitliche Beschränkungen.

Dazu raten auch die Forscher in Saarbrücken. Sie legen eine einheitliche Strategie für Deutschland nahe beim Lockdown: "Wir empfehlen, zu Beginn bundesweit einheitlich vorzugehen, um einen Lockdown-Tourismus zu vermeiden und flächendeckend die angespannte Lage baldmöglichst zu entschärfen", sagte Lehr.

Die geplanten Lockerungen über Weihnachten seien problematisch, weil sie flächendeckend die Infektionsrate in Deutschland wieder erheblich heben würden, warnten die Wissenschaftler. Nur mit einem flächendeckenden harten und raschen Lockdown könne man eine Verdoppelung der aktuellen Sterbezahlen bis Mitte Januar verhindern.

Teil-Lockdown entfaltet geringere Wirkung

Der vor Wochen verhängte Teil-Lockdown habe gezeigt, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie nicht ausreichten, erklärten die Saarländer Experten. Ein rasantes Wachstum der Infektionszahlen sei zwar gebremst worden, das Niveau sei aber weiter hoch.

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In ihren Studien veröffentlichen die Forscher regelmäßig detaillierte Prognosen für alle Bundesländer, die der Politik und dem Gesundheitswesen als Entscheidungshilfe dienen sollen.

Das Besondere des Covid-19-Simulators sei die breite Datenbasis, die für die Berechnungen verwendet würden, erklärten die Wissenschaftler. Neben den Erhebungen des Robert-Koch-Instituts werden etwa Fallzahlen von Kreis- und Landesgesundheitsämter verwendet. Zudem wertet der Simulator klinische Daten von über 8.000 stationär behandelten Covid-19-Patienten aus über 100 deutschen Kliniken und verschiedene Angaben der Gesundheitsministerien aus.