Demonstration für Bordellöffnung

Weil die Bordelle seit Monaten geschlossen bleiben müssen, blüht die illegale Straßenprostitution. Das ist nicht nur in Corona-Zeiten gefährlich. In Frankfurt haben deshalb 50 Prostituierte gegen die Schließung demonstriert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Prostitutierte demonstrieren in Frankfurt

Prostitution im Bahnhofsviertel Frankfurt
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Die Forderung der Demonstrierenden am Samstagmittag auf dem Frankfurter Opernplatz war klar: "Lasst uns endlich wieder arbeiten!", sagte Natalia, Prostituierte aus Rumänien, die nach eigenen Angaben seit einigen Jahren in Frankfurt arbeitet. Nach Angaben der Polizei waren 50 Teilnehmerinnen zusammengekommen, um für die Öffnung der Bordelle zu demonstrieren.

Denn der derzeitige Zustand sei "weder notwendig, noch verhältnismäßig, noch geeignet, um die Ausbreitung von Corona einzuschränken", sagte Juanita Henning vom Hilfeverein für Prostituierte, Dona Carmen, der zu der Demonstration aufgerufen hatte. Dass die Bordelle seit Mitte März wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben müssen, dränge viele Prostituierte in informelle Strukturen.

Straßenprostitution nimmt zu

Kolleginnen würden auf die Straße gedrängt, böten Sex in Autos oder Hotels an, berichtet die Prostituierte Natalia. Dort gebe es keine Seife, kein Wasser, kein Desinfektionsmittel - und auch keine sozialen Kontakte, die mehr Sicherheit für die Prostituierten bieten.

Auch die Stadt Frankfurt teilte mit, dass seit der Schließung der Bordelle immer mehr Prostituierte auf den Straßen im Bahnhofsviertel zu sehen seien. Straßenprostitution ist im Stadtgebiet bis auf wenige Ausnahmen verboten. Entdeckt das Ordnungsamt ein sogenanntes Anbahnungsgeschäft, wird ein Bußgeld fällig.

Wirtschaftsministerium: Gesundheit geht vor

Das zuständige Wirtschaftsministerium erklärte zur andauernden Schließung, dass von Bordellen "beträchtliche infektiologische Risiken" ausgingen. Die "Interessen der Betreiber und der Prostituierten, ihrer wirtschaftlichen Betätigung nachzugehen" sei zwar legitim, müssten jedoch "hinter dem Gesundheitsschutz zurückstehen", hieß es.

Das Sozialministerium hatte im Vorfeld der Demonstration zwar eingeräumt, dass sich Prostituierte in Folge des Coronavirus derzeit in einer prekären Situation befinden. An der Corona-Verordnung wolle man aber vorerst ebenfalls nichts ändern. In anderen Bundesländern dürfen Bordelle dagegen unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Sendung: hr-iNFO, 19.09.2020, 14.30 Uhr