Bilder aus einem Laufhaus im Frankfurter Bahnhofsviertel: Treppenhaus mit "Girls"-Lichtreklame, Zimmer von Prostituierten, Eingang

In Zeiten des Kontaktverbots ist Prostitution verboten. Bordelle und Laufhäuser sind geschlossen, manche Frauen weichen auf den Straßenstrich aus. Dort ist es nun noch gefährlicher als ohnehin.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona und Prostitution: "Mit zwei Metern Abstand läuft da nichts"

Prostitution im Bahnhofsviertel Frankfurt
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Vanessa arbeitet als Domina in Frankfurt. Eigentlich, denn wegen Corona darf sie das derzeit nicht. "Das ist schon ein bisschen scheiße, wenn ich das so sagen darf", sagt die Frankfurterin: "Unsere Rechnungen laufen ja trotzdem weiter, und wir haben keine Einnahmen." Dabei hat es Vanessa noch ganz gut erwischt. Als Selbstständige kann sie eine Soforthilfe vom Staat beantragen. Ihre Kolleginnen können das nicht so einfach.

Vor allem diejenigen nicht, die aus Rumänien und Bulgarien kommen. Sie haben oft keinen festen Wohnsitz, keine Krankenversicherung und jetzt noch nicht mal ein Einkommen. Acht junge Frauen schlafen im Moment dort, wo sie sonst arbeiten - in einem Laufhaus im Frankfurter Bahnhofsviertel, wo auch Vanessa ein Zimmer mietet. Das erlaubt der Gesetzgeber normalerweise nicht, in der Corona-Zeit aber doch, damit die Frauen nicht auf der Straße landen.

Gereizte Stimmung im Laufhaus

Viele der Frauen aus dem Laufhaus sind vor sechs Wochen, als im Zuge des Kontaktverbots auch die Bordelle schließen mussten, in ihre Heimatländer zurückgereist. Wer jetzt noch hier ist, steckt fest. Es fährt kein günstiger Bus mehr, an den Grenzen gibt es teilweise Quarantänebestimmungen.

Die Stimmung im Laufhaus sei gereizt, berichtet ein Mitarbeiter. Die Frauen seien verzweifelt. Sie wüssten nicht, was sie tun sollen, und könnten nirgends hin - anders als zum Beispiel Vanessa, die derzeit bei ihrer Mutter wohnt.

Noch etwas beobachtet der Laufhaus-Mitarbeiter seit Ausbruch der Krise: "Die eine oder andere, die man aus den Laufhäusern kennt, sieht man auch auf der Straße. Sie müssen irgendwie Geld verdienen, ob es illegal ist oder nicht. Sie haben ja auch Hunger und müssen Geld in die Heimat schicken, weil die ganze Familie von ihrem Einkommen lebt."

Während in den Laufhäusern und Bordellen die Arbeit stillsteht, geht sie auf dem Straßenstrich weiter. Dort sei die Lage nun noch gefährlicher als ohnehin schon, erzählt Frauke Koch. Sie ist Streetworkerin im Projekt Hotline der Integrativen Drogenhilfe der Stadt Frankfurt und kümmert sich vor allem um drogenabhängige Frauen, die auf der Straße anschaffen gehen.

Oft wird die Straßenprostitution geduldet, auch wenn sie illegal ist. Wegen des Kontaktverbots gibt es jetzt vermehrt Kontrollen, und das bedeutet für die Frauen vor allem: weniger Verhandlungszeit. Schnell einsteigen und weg, das sei gefährlich für die Frau, sagt Koch: "Sie kann nicht mehr sagen, was sie machen will und wie viel sie dafür haben will, weil der Mann schon losgefahren ist, sie irgendwo zu einem Parkplatz bringt und sagt: Okay, wir machen jetzt das und das oder du kannst zurücklaufen."

Frauen finden aus Drogensucht und Prostitution nicht heraus

Unter diesen prekären Umständen spielten Bedenken wegen Covid-19 keine Rolle, berichtet die Streetworkerin: "Die Angst vor einer Ansteckung ist Nebensache. Den Drogenabhängigen geht es darum, Geld für den Konsum zu beschaffen. Da steht leider der eigene Körperschutz oft ganz weit hinten." Eine mögliche Lösung für die Situation fällt Frauke Koch auch nicht ein. Die Frauen müssten den Kreislauf aus Drogensucht und Prostitution durchbrechen, sagt sie.

Doch das gelingt den meisten nicht. Nun kommt noch das Problem hinzu, dass die Beratungen für Prostituierte wegen Corona größtenteils heruntergefahren sind. Frauke Koch erledigt die meiste Arbeit telefonisch und kann nicht mehr persönlich auf der Straße für die Frauen da sein.

"Keinen Plan, wie es weitergehen soll"

Auch Vanessa telefoniert oft mit einer Beratungsstelle im Bahnhofsviertel. Dort hilft man ihr, die Anträge beim Jobcenter richtig auszufüllen - etwas, auf das die Prostituierte bisher nicht angewiesen war. Sie kann gut nachvollziehen, dass ihr Job wegen der Ansteckungsgefahr verboten wurde. Doch sie fragt sich, wann und wie es weiter geht: "Mit zwei Metern Abstand geht da nix. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wir mit Mundschutz arbeiten. Ich habe keinen Plan, wie es weitergehen soll. Ich bin überfordert."